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Zuerst wird nach Schmuck gesucht

2015 drangen in 790 Oberlausitzer Wohnungen Diebe ein. Versicherer kritisieren: Mancher macht es ihnen zu leicht.

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© André Wirsig

Von Ralph Schermann

Der typische Wohnungseinbrecher ist männlich, ledig, 28 Jahre alt, wohnt nicht weit entfernt von seinen Opfern, und jeder zweite „arbeitet“ in einer Tätergruppe. Zu dieser Einschätzung kommt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Jährlich stellt er in Zusammenarbeit mit der Polizei und einem kriminologischen Forschungsinstitut einen „Einbruch-Report“ zusammen und den für 2015 soeben öffentlich vor. Danach blieb manches wie in den Vorjahren: Die häufigsten Stehlgüter bei Wohnungseinbrüchen sind Schmuck, Uhren und Bargeld. Die häufigsten Einbruchsweisen sind das Aufhebeln von Fenstern oder Türen.

Seit 2007 klettert die Zahl der Wohnungseinbrüche bundesweit stetig. Für die Hausratversicherer ist das ein Alarmzeichen. Mussten sie 2010 noch 350 Millionen Euro an Versicherungsleistungen auszahlen, war 2015 schon die Rekordsumme von 530 Millionen Euro dafür aufzubringen.

Anstieg um rund zehn Prozent

Auch für Ostsachsen wird dieser Trend erkannt. „Vor allem stellen wir vermehrt Einbrüche in Gartenlauben und Kellern von Mehrfamilienhäusern fest“, bestätigt der Versicherungsmakler Tom Budig. So wie bundesweit kann auch er die „Hitliste“ des Stehlgutes für die Region so aufzählen.

Was an manchem Eindruck stimmt – und was nicht

Nie gab es so viele Einbrüche! Falsch. Zwar sind bundesweit 167000 Einbrüche seit 2007 ein Rekord. Dabei lag die Zahl mit 227000 Einbrüchen Anfang der 90er Jahre noch deutlich höher.

Vor allem polnische Banden klauen! Der Verdacht liegt in der Grenzregion nahe. Doch man kann nur die rund 22 Prozent aufgeklärter Fälle vergleichen. Dabei liegt der Ausländeranteil bei einem Drittel.

Wir brauchen nachts mehr Polizeikontrolle! Mehr Polizei wäre nicht zu verachten. Allerdings steigen die meisten Wohnungsdiebe zwischen 12 und 22Uhr ein. Eine bundesweite Studie nennt darüber hinaus Freitag und Sonnabend als häufigste Einbruchstage.

Im Urlaub will man nicht an Diebe zu Hause denken! Für den Urlaub vorsorgen (Nachbarn um Kontrolle bitten). Allerdings gibt es im Juli/August die wenigsten Einbrüche.

Diebe schicken Beobachter vor! Stimmt. Aber die meisten Einbrecher sind Gelegenheitsgauner und nutzen spontan Einstiegsmöglichkeiten.

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Versicherungen haben in Deutschland 2015 insgesamt Hausratschäden aus rund 167 000 Wohnungseinbrüchen reguliert. Allein in Sachsen registrierte die Polizei im vergangenen Jahr mehr als 4 200 Wohnungseinbrüche. Das ist ein Anstieg zu 2014 um rund zehn Prozent. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) sieht das mit Sorge: „Diese Straftaten sind zunehmend ein Problem.“ Ulbig macht für die hohen Steigerungsraten in den vergangenen Jahren vor allem die Beschaffungskriminalität von Drogenabhängigen verantwortlich. „Deshalb müssen wir zur Stärkung der inneren Sicherheit die grenzüberschreitenden Kooperationen auf Bundesebene weiter ausbauen. So wie es Sachsen bereits seit einigen Jahren mit den unmittelbar angrenzenden Ländern Polen und der Tschechischen Republik durchaus erfolgreich tut“, fordert der Minister.

Aufklärungsquote bei 22,5 Prozent

Der Anstieg von Wohnungseinbrüchen ist in der Oberlausitz allerdings geringer. 790 Fälle stehen 2015 für die Landkreise Bautzen und Görlitz zu Buche, 2014 waren es 774, teilt Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz mit. Dazu kommen jährlich knapp 500 Einbrüche in direkter deutsch-polnischer Grenznähe, vor allem Diebstähle aus Gärten, Kellern, Schuppen und Garagen. Insgesamt nahm die Polizei in den beiden Kreisen 38 979 Straftaten auf. Mit 16 720 waren rund 43 Prozent davon Diebstähle aller Art, darunter allein 2 537-mal Fahrradklau, vor allem aber Ladendiebstähle. Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen liegt in Ostsachsen bei 22,5 Prozent. Die Politik hatte wiederholt angekündigt, vor allem gegen Diebesbanden härter vorgehen zu wollen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) beauftragte das Bundeskriminalamt mit der Erstellung eines Konzepts. Sachsen legte ein Förderprogramm zum Einbau einbruchshemmender Türen und Fenster in Wohnhäusern auf. Auch darüber sowie über allgemeine Sicherungsmöglichkeiten informieren zum Beispiel die polizeilichen Beratungsstellen. „Einem Kunden wurden Sachen im Wert von über 5 000 Euro gestohlen“, berichtet Tom Budig: Der Dieb erspähte ein nur angekipptes Fenster: „Einbrechern wird es oft zu leicht gemacht.“

Die Versicherer haben Interesse daran, das zu ändern. Immerhin kletterte der auszugleichende „Schadendurchschnitt in den vergangenen zehn Jahren von 2 350 auf 3 250 Euro“, weiß der Versicherungsmakler. Das hat zudem damit zu tun, dass auch der Wert des Diebesgutes steigt. Die GDV geht noch weiter: „Nur wenn die Politik flächendeckend Anforderungen für den Einbruchschutz vorschreibt, können wir etwas erreichen“, sagt Sprecher Jörg von Fürstenwerth. Er moniert, dass Vorschriften für Fenster und Türen fehlen. Über Fenster dringen aber 80 Prozent aller Einbrecher ein, jeder zehnte Einbruch erfolgt über eine Tür. Ein hiesiger Schlüsseldienst-Experte sieht das so: „Weil nirgendwo standardmäßig einbruchhemmende Fenster und Türen eingebaut werden, lassen diese sich von Kriminellen in nur wenigen Sekunden aufhebeln.“Das verblüffende dabei aus Sicht von Versicherungen und Polizei ist, dass das Handeln der Einbrecher sich gar nicht verändert hat. „Es gibt keine neuen Tricks“, sagt ein Polizeisprecher: „Es gibt zu viele schlecht gesicherte Häuser.“

www.k-einbruch.de; www.vds-home.de