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Zukunftshoffnung mit 50 Euro Tagesumsatz

René Looks eröffnete seinen Kinderladen an der Inneren Zittauer Straße in Löbau. Eine andere Händlerin gibt auf.

© Markus van Appeldorn

Von Markus van Appeldorn

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TV-Kameras machen Menschen immer neugierig. Und wegen dieser Neugier, so scheint es, konnte René Looks es gar nicht abwarten, seinen Laden in der Inneren Zittauer Straße zu eröffnen. Eigentlich hatte er am gestrigen Montag aufschließen wollen. „Aber es haben so viele Menschen gefragt, da hab ich einfach schon am Donnerstag losgelegt“, sagt er. Und nach den ersten vier Geschäftstagen zieht er auch schon eine erste zufriedene Bilanz für seinen Second-Hand-Kindermodenladen: „Die Kunden rennen mir die Bude ein.“

Beim Besuch der SZ steht er zwar alleine in seinem Laden: „Was ich am Tag einnehmen möchte, habe ich schon dreimal drin“, sagt er, „heute waren schon zehn Kunden da.“ Allerdings hat René Looks auch bescheidene Umsatzerwartungen. „Ich kalkuliere mit 50 Euro Tageseinnahmen“, sagt er. Bei einer Bank hätte er mit diesem Businessplan möglicherweise Schwierigkeiten, einen Startkredit zu bekommen. Aber René Looks‘ Existenzgründer-Bank heißt RTL. Der Privatsender hat ihm einen Koffer mit 24 422 Euro in die Hand gedrückt. Dafür muss er in dem Doku-Format „Zahltag – Ein Koffer voller Chancen“ mitspielen (SZ berichtete).

Immer wieder begleitet ein Fernsehteam den kaufmännischen Werdegang des Münsterländers in der Oberlausitz. Eigentlicher Zahltag war für René Looks auch bereits der 21. Januar 2017. Damals betrieb er seinen Laden noch in Herrnhut, lebte in Berthelsdorf. Da er dort für sein Geschäft mit dem An- und Verkauf von Kinderklamotten, Spielzeug und Schulranzen keine Zukunft sah, mietete er sich das seit gut einem Jahr leer stehende Ladenlokal in der Inneren Zittauer Straße. Seit ein paar Tagen hat er mit seiner Lebensgefährtin auch eine Wohnung über dem Laden bezogen.

„Mit dem, was der Laden abwirft und was meine Lebensgefährtin verdient, bleiben uns 1 000 Euro im Monat“, rechnet er vor. Das sei wenig für vier Personen, weil zwei Kinder im Haushalt auch noch zu versorgen sind. Aber René Looks will seinen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit verdienen und nicht von Hartz IV abhängig sein. Er sieht für sein Geschäft durchaus eine Zukunftsperspektive – trotz wirtschaftlicher Konkurrenz etwa durch populäre Privat-Verkaufsbörsen für Baby- und Kinder-Sachen. „Ich kenne viele Menschen, die wollen ihre Sachen nicht auf der Babybörse verkaufen“, sagt er, „weil sie dann neun Stunden stehen und vielleicht ein Teil verkaufen.“ Viele dieser Frauen liefern ihre Baby-Sachen dann teilweise sogar kostenlos bei René Looks ab. Der verkauft Strampler, Jacken oder Hosen dann für 1,50 bis 6 Euro weiter. „Die meisten Sachen in meinem Laden sind höchstens ein Jahr alt“, sagt er. Und er hat auch schon Neuware ins Sortiment aufgenommen – selbstgenähte Mützen und Schals einer Löbauerin.

Nur wenige Meter weiter an der Inneren Zittauer Straße gibt eine Händlerin mit dem gleichen Sortiment Ende des Monats auf. Ariane Selzer hatte ihre „Kinderstube“ im Herbst 2016 eröffnet. Sie schließt nicht, weil sie die Konkurrenz von René Looks fürchtet. „Das stand schon vorher fest und ich habe ihm ja sogar mein Ladenlokal zur Nachmiete angeboten“, sagt sie der SZ. Die Gründe ihrer Geschäftsaufgabe seien keine wirtschaftlichen, sondern private.