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Zukunftsmusik für die Mühlstraße

Planer stellen Perspektiven für Roßweiner Quartier vor. Vorm Neubau müssen mehrere Häuser weg.

© André Braun

Von Heike Heisig

Roßwein. Häuser zu finden, die tiefste DDR-Zeit widerspiegeln, wär für Filmemacher in Roßwein in Klacks. An der Mühlstraße gibt es gleich ein halbes Dutzend solcher Immobilien. Sie hat sich ein Planerteam der Westsächsischen Gesellschaft für Stadterneuerung Chemnitz einmal genauer angeschaut. „Dort, wo es noch möglich war und die Häuser innen nicht schon zusammengefallen sind“, sagte Abteilungsleiterin Anke Otto. Sie stellte den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des Zukunftsforums von Roßwein vor, wie die Mühlstraße einmal entwickelt werden könnte. Demnach bekamen die Zuhörer an diesem Abend ein wenig Zukunftsmusik geboten.

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So sieht die Mühlstraße noch aus. An das letzte Haus sollte sich später ein offener Bereich anschließen. Der könnte Treffpunkt für die Anwohner werden.
So sieht die Mühlstraße noch aus. An das letzte Haus sollte sich später ein offener Bereich anschließen. Der könnte Treffpunkt für die Anwohner werden. © DA-Archiv/Dietmar Thomas

Wie Anke Otto darlegte, sind die Häuser 7 bis 13 teilweise nicht mehr begehbar und ihren Einschätzungen zufolge nur noch abzureißen. „Erstaunt hat uns die vergleichsweise sehr gute Struktur der Gebäude 15 und 17. Die müssen nicht abgerissen werden“, so die Planerin. Die großen Gebäude könnten also sogenannte Anker dienen, an denen sich zum Markt hin die neue Bebauung aufreiht.

Untersucht haben die Planer drei mögliche neue Bebauungsvarianten. Eine verwarf Anke Otto, weil sich damit keine klaren Strukturen mehr herstellen ließen. Und genau das ist ja gewünscht, der Straßenzugcharakter soll erhalten werden. Diese Forderung erfüllen die beiden anderen Varianten. In der ersten könnten vier neue Häuser bergaufwärts an das Gebäude mit der Toreinfahrt (Nummer 15) angebaut werden. Bei Variante zwei wären es drei separate Einzelhäuser in Nord-Süd-Ausrichtung mit kleinem Nebengelass wie Garage oder Garten. Mit Grundstücken bis zu 1 000 Quadratmetern könnten so Wünsche nach einem innerstädtischen Eingenheim erfüllt werden. Bei Variante eins wird Anke Otto zufolge die traditionelle Architektur mit den vorhandenen Gauben wieder aufgegriffen. Problem bleibe dann wahrscheinlich die schlechte Erreichbarkeit des großen rückwärtigen Bereiches. Der biete sich für Gemeinschaftsanlagen wie Mülltonnenstellplatz, Parkflächen und Grün an.

Bei beiden Varianten haben die Planer im Anschluss an das letzte Mühlstraßenhaus auf dieser Seite, die Nummer 17, einen offenen Bereich vorgesehen. Die jetzt mannshohe Mauer könnte weg und durch eine hüfthohe ersetzt werden. Dahinter sind bis zur Bebauung in der Gerbergasse Grünflächen denkbar, könnten kleine Spielgeräte und Bänke aufgestellt werden. Die Flächen sollten für unmittelbare Anwohner und auch für Nachbarn offen sein. Die Planerin sprach von einem attraktiven Stadteingang, der auf diese Weise entstehen würde.

Die meisten Mitglieder der Zukunftswerkstatt konnten sich mit den Ideen des Planungsbüros anfreunden. Beide machbaren Varianten fanden Befürworter. Wie schnell sich das alles umsetzen lässt, das konnte Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) nicht sagen. Er legte in der Runde dar, dass frühere Pläne vom Tisch sind, die halbe Mühlstraße abzureißen und die Freifläche als Park zu gestalten. Dagegen sprechen mehrere Gründe: Dafür gibt es kein Fördergeld. Zwei der Gebäude (die beiden unteren) stehen unter Denkmalschutz und dürfen nicht ohne Weiteres verschwinden. Außerdem würde ein Abriss ohne Wiederaufbau dem Stadtbild schaden.

Mit den Gestaltungsideen will die Verwaltung an die verbliebenen Eigentümer herantreten. Die meisten Gebäude besitzt die Stadt schon. Dann muss der Stadtrat einen Bebauungsplan für das Gebiet erstellen. Damit kann sich Roßwein um Fördergeld für die nötigen Abrisse bemühen. Danach steht der wohl schwierigste Schritt an: „Wir müssen Investoren finden, die bereit sind, unsere Pläne zu verwirklichen, die die großen Häuser sanieren oder neu bauen wollen“, so Veit Lindner. „Die Roßweiner dürfen nicht erwarten, dass jetzt gleich etwas passiert.“