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Zum großen Traum getanzt

Mit dem Musical „Flashdance“ begeistern Herder-Gymnasiasten die Zuschauer. Das liegt nicht nur an den Ohrwürmern.

© Daniel Förster

Von Katharina Klemm und Daniel Förster

Pirna. Grazil drehen sich die Balletttänzerinnen auf ihren Zehenspitzen, die Arme ganz lang bis zu den Fingerspitzen. Die strenge Lehrerin korrigiert kleinste Fehler. Vor dem Fenster steht Alex, scheinbar Welten entfernt und schaut den Tänzerinnen mit sehnsüchtigem Blick zu. Wie gern wäre sie ein Teil davon. Wie gerne würde sie auf die berühmte Shipley Tanzakademy gehen und ihren großen Traum vom Tanzen verfolgen.

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Herderaner flashen das Publikum

Der große Traum, genau das ist der Ausgangspunkt des Musicals Flashdance des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums in Pirna-Copitz, das am Samstagabend Premiere feierte. In der ausverkauften Herderhalle wurde die Bühnenadaption des gleichnamigen Filmklassikers von 1983 aufgeführt. Und sie begeisterte das Publikum.

Erzählt wird die Geschichte der Stahlarbeiterin Alex Owens, die von einer Karriere als Tänzerin träumt. Auch ihre Freundinnen wollen tanzen und arbeiten deshalb nach der anstrengenden Schicht noch in einer Bar. Sie träumen den Traum vom Leben als Star, Alex jedoch möchte ihre Leidenschaft leben. Bald lernt sie Nick Hurley, den reichen und gut aussehenden Erben der Stahlwerke, kennen. Sie verlieben sich ineinander. Doch es folgen Missverständnisse und Probleme.

Mit Flashdance führen die Herderaner bereits das zehnte Musical auf. Und das war vor der Premiere schon ein Erfolg. Seit Weihnachten ist es ausverkauft. Nachdem im Februar vergangenen Jahres die Rollen gecastet wurden, begann zu Ostern die kreative Phase. Es wurde dreimal wöchentlich intensiv geprobt. Das zahlt sich aus. „Ich bin begeistert von dem Mut und der Courage, die die Schüler in diesem Alter zeigen“, sagt Zuschauer Holger Queißner aus Rathewalde. „Es braucht einen langen Atem, ein ganzes Jahr lang zu proben.“

Insgesamt 70 Darsteller in zwei Besetzungen bringen das Stück auf die Bühne. „Mit allem Drum und Dran wie Orchester, Choreografie, Kostümen, Bühnenbild, Ton und Lichttechnik sowie Organisation wirken 110 Leute mit“, berichtet Projektleiterin und Lehrerin Georgia Hartmann. All das ist sehr professionell. Über kleinere Mikrofonprobleme sieht man da gern hinweg. Vielleicht hatten auch Zuschauer ihr Mobiltelefon nicht komplett ausgeschaltet, nur lautlos gestellt. Darum wurde aber vor der Vorstellung ausdrücklich gebeten, eben wegen der empfindlichen Tontechnik. Mit wenigen Mitteln wird die Bühne nach jeder Szene umgestaltet. Mal ist man in Harry’s Bar, mal in der Tanzschule oder bei Alex zu Hause. Die Kulissen wie auch die Kostüme für die Stahlarbeiter oder die Tänzerinnen aus den 80er-Jahren sind mit viel Liebe zum Detail entstanden.

Noch bis 17. März stehen die Schüler jeden Abend auf der Bühne und geben alles. Die Schulbank drücken müssen sie natürlich trotzdem. Ein ordentlicher Spagat. Den sie aber sicher gern hinlegen für den Spaß, den sie auf der Bühne haben. Und den merkte man ihnen in jeder Sekunde der etwa dreistündigen Show an. Die Schüler waren energiegeladen und rissen die Zuschauer mit. Als Tess, die ebenfalls in Harry’s Bar arbeitet, den weltberühmten Ohrwurm „I Love Rock ‚n‘ Roll“ tanzt und singt, klatschten die Zuschauer begeistert im Rhythmus.

Gesine Flick spielt die Hauptrolle. Sie tritt dabei so selbstbewusst und tough auf, dass man nur staunen kann. Obwohl ihr das anfangs nicht leicht fiel, wie sie zugibt. Aber die Schülerin schafft es auch, die verletzliche und selbstzweifelnde Seite der jungen Frau überzeugend zu spielen. Für die Hauptrolle war sie die Richtige. Der Tanz scheint ihr Element zu sein. Die 15-Jährige zeigt wunderschöne fließende Bewegungen, aber auch Schnelligkeit und Kraft. Die Duette mit ihrem 17-jährigen Co-Darsteller Lukas Müller, der Nick spielt, sind traumhaft und sorgen für Gänsehautmomente. Die beiden spielen das Liebespaar absolut überzeugend und sind einfach süß anzuschauen.

Für eine Überraschung sorgte der Schüler Joris Fleck alias Jimmy, ein Kellner in Harry’s Bar. Tritt er im ersten Akt als mäßig begabter Komiker in Erscheinung, der nur eine Sprechrolle hat, zeigte er im zweiten Akt sein Talent als Sänger und Performer. Mit einem Besen als Mikrofon rockt er über die Bühne. Alles johlte und pfiff. Das hatte niemand erwartet.

Denkt man an Flashdance, hat man nicht nur die berühmte finale Tanzszene im Kopf. Unvergesslich ist wohl auch der Moment, in dem sich Tänzerin Alex auf der Bühne von Harry’s mit Wasser überschüttet. Kann man das in der Herderhalle umsetzen? Man kann. Zum Song „Maniac“ tanzt Gesine Flick ausgelassen und erntet für ihre nasse Performance begeisterte Rufe: „Saustark!“ und „Spitzenmäßig!“ Mehr mitreißen kann man nicht.

Die Botschaft von Flashdance, den eigenen Traum zu leben, zieht sich durch jede Szene des Abends. Auch weil man immer im Hinterkopf hat, wie viel Kraft und Willen die Schüler für diese eine Woche aufbringen. Auch sie leben ihren Traum, sie wollen auf der Bühne stehen. Auch wenn es nur dieses eine Mal ist. Nachdem Gesine Flick in ihrer Rolle als Alex die Jury der Tanzakademie mit einer Choreographie zum Titel „What a Feeling“ restlos überzeugt und als Schülerin aufgenommen wird, stürmen alle Darsteller auf die Bühne und tanzen gemeinsam. Mit stehenden Ovationen bedankte sich das Publikum bei den Schülern. Für die ging der Abend da erst richtig los. So ein Erfolg muss schließlich gefeiert werden.