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Zum Jubiläum gibt’s neue Produkte

Die Wilthener Brennerei wird 175 und bringt einen besonderen Brandy auf den Markt.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Wilthen. Zum Geburtstag gibt’s neue Produkte: Anlässlich ihres 175-jährigen Bestehens bringt die Wilthener Weinbrennerei einen Brandy namens Cask Grande auf den Markt, den es zusätzlich als Cream-Variante geben wird. In den Handel kommt Beides voraussichtlich im September. „Verkostet werden können der Brandy und der Cremelikör aber schon zum Jubiläum“, kündigt Geschäftsführer Lutz Schürer an. Gefeiert wird es vom 16. bis 18. Juni zusammen mit dem Wilthener Stadtfest.

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Die Firma Hünlich im Jahr 1888 am heutigen Sankt-Barbara-Platz. Wo damals Fässer im Freien lagen, steht jetzt der Turm des Verwaltungsgebäudes.
Die Firma Hünlich im Jahr 1888 am heutigen Sankt-Barbara-Platz. Wo damals Fässer im Freien lagen, steht jetzt der Turm des Verwaltungsgebäudes. © Archiv Michael Herfort

Der neue Brandy wurde aus verschiedenen Destillaten kreiert, die in Wilthen viele Jahre gereift sind. Warum das Produkt nicht – wie bei Erzeugnissen der hiesigen Weinbrennerei üblich – Weinbrand genannt wird, begründet der Firmenchef so: „Wir haben uns für die englische Bezeichnung Brandy entschieden, weil wir damit die Möglichkeit haben, das Produkt auch international zu vermarkten.“ Wie er verrät, nimmt der Name Cask Grande Bezug auf das historische Pariser Fass, in das 12 000 Liter passen. Es ist in Wilthen ausgestellt und wird ab und zu noch genutzt.

Das besondere Finish

Der neue Brandy lagert zum Schluss einige Zeit darin und erhält so sein besonderes Finish, wie Fachleute sagen. Im Jahr 1900 hatte der Betrieb dieses Fass bei der Weltausstellung in Paris gezeigt. Für Furore sorgte nicht nur dessen Größe, sondern vor allem der Fakt, dass ein deutscher Weinbrand-Hersteller bei einer Messe in Frankreich – dem Mutterland des Cognacs – für seine Produkte eine Gold- und eine Silbermedaille errang.

Zu verdanken ist das Carl Albert Hünlich. Sein Vater Christian Traugott Hünlich hatte 1842 die Leitung der Brauerei des örtlichen Rittergutes übernommen. Das gilt als Gründung der Wilthener Weinbrennerei. Anfangs wurde hauptsächlich Bier gebraut. Erst auf Betreiben des Sohnes beendete man 1874 die Pacht der Brauerei und konzentrierte sich auf Branntwein.

Wie der Weinbrand nach Wilthen kam

Bürgermeister Michael Herfort hat einer Abhandlung über die Geschichte der Weinbrennerei geschrieben. Darin heißt es: „Carl Albert Hünlich verfolgte als gewiefter Kaufmann sehr intensiv die Entwicklungen am Spirituosenmarkt in ganz Europa. Dabei stellte er fest, dass die Spirituose mit den stärksten Umsatzzuwächsen in Deutschland ein Importprodukt aus Frankreich war – ein Branntwein aus destilliertem Wein, der legendäre Cognac.“ Weil er diesen Markt nicht einem ausländischen Produkt überlassen wollte, nahm er einen Deutschen Cognac-Weinbrand in sein Produktionsprogramm auf, baute dafür eine spezielle Brennerei und ein Lager. So kam 1885 der Weinbrand nach Wilthen.

Danach entwickelte sich das Unternehmen rasant. 1891 hatte es bereits 30 Mitarbeiter. Heute arbeiten 75 Beschäftigte im Betrieb. Jährlich verlassen 34 Millionen Flaschen – vom Mini-Pullchen bis zum Drei-Liter-Riesen – das Werk, gefüllt mit 60 verschiedenen Sorten. Einige davon werden vor Ort produziert, viele aber auch in den anderen Betrieben der Hardenberg-Wilthen AG. Sie entstand 1992, als die Gräflich von Hardenbergsche Kornbrennerei aus Niedersachsen den Wilthener Betrieb, der 1951 von der DDR verstaatlicht worden war, von der Treuhand kaufte.

Sambalita mit steigenden Verkaufaszahlen

Ein zu DDR-Zeiten sehr beliebtes Produkt erlebt jetzt einen neuen Höhenflug: der Sambalita. Einige Zeit war der Maracuja-Likör mit neuer Aufmachung im Angebot und fand kaum Absatz. Seit das Etikett wieder fast so aussieht wie früher, steigen die Verkaufszahlen. Jährlich verlassen 300 000 Flaschen den Betrieb. Hinzu kommt das Mischgetränk Sambalita Secco, das es in kleinen Dosen und seit Kurzem in 0,75-Liter-Flaschen gibt. „Über diese Entwicklung freuen wir uns sehr“, sagt Lutz Schürer. Neu im Sortiment seit Anfang des Jahres ist auch ein Gin, der in Irland destilliert und in Wilthen abgefüllt wird.

Das 175. Jubiläum feiert das Team der Wilthener Weinbrennerei zusammen mit Kollegen aus Nörten-Hardenberg. Das Festzelt auf dem Firmenhof bleibt gleich stehen, und am 17. und 18. Juni finden dort Veranstaltungen des Stadtfestes statt. Die Weinbrennerei sponsert ein Pittiplatsch-Programm und bietet Führungen an.