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Zum Mars und nie wieder zurück

Ein Schüler aus Meißen ist vom Weltall fasziniert, hat Bauteile für einen Satelliten entworfen. Doch das ist erst der Anfang.

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© Anne Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Die wahre Geschichte der berühmten Hündin Laika muss so etwas wie die Initialzündung gewesen sein. Als erstes Lebewesen wurde das Tier am 3. November 1957 im Rahmen der Mission Sputnik 2 mit einem sowjetischen Raumflugkörper in den Weltraum geschickt. Auch wenn Laika die Odyssee nicht überlebte – für den heute 16-jährigen Max Jahn war die Geschichte, erzählt von seinem Vater, eine Art Erweckungserlebnis. Das sei nun schon zwölf oder 13 Jahre her, sagt der Schüler der Freien Werkschule Meißen.

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Doch seitdem habe ihn alles fasziniert, was mit der Entstehung des Universums und der Raumfahrt zu tun hat. Wer Jahns Zimmer im Haus eines Wilsdruffer Ortsteils betritt, erkennt sofort, dass das noch immer so ist. Neben einem Miniatur-Spaceshuttle und Weltraumtechnik im Spielzeugformat haben es dem Schüler noch weitere Schätze angetan. „Ich habe über die Jahre viele Modellraketen geschenkt bekommen und von Verwandten ein echtes Nasa-Abzeichen. Stolz bin ich auch auf ein Originalteil eines Asteroiden“, so Jahn, der für die Rarität einen Extra-Platz in einer Vitrine vorgesehen hat. Wer mit dem jungen Mann spricht, merkt schnell, dass sich seine Begeisterung nicht auf das Sammeln beschränkt.

„Ich beschäftige mich gerne damit, vermeintlich schon geklärte Dinge zu hinterfragen, Zusammenhänge zu verstehen. Dafür gibt es kein spannenderes Feld als das Universum“, sagt Max Jahn. Sein größter Wunsch sei es, einmal zum Mars zu fliegen, um dort zu forschen. „Am meisten würde ich mich über ein One-Way-Ticket freuen.“ Heißt im Klartext: Zurück auf die Erde muss nicht sein. Den Heimatplaneten der Menschen hält der junge Schüler für wenig zukunftsträchtig. „Ich glaube, dass die Erde nicht mehr lange lebenswert ist. Da sehe ich auf dem Mars mehr Potenzial“, so Jahn. Darüber, was einer möglichen Besiedlung des Planeten noch entgegensteht, weiß er ausführlich zu berichten – inklusive physikalischer und chemischer Gesetzmäßigkeiten, die sich dahinter verbergen.

Doch Max Jahn kann auch praktisch. Gerade erst vor ein paar Tagen haben er und drei zu seinem Team gehörende Schüler beim europaweiten Wettbewerb „CanSat“ den dritten Platz belegt. Aufgabe sei es gewesen, einen Satelliten mit einer Rakete zu Forschungszwecken 600 bis 1 000 Meter hochzuschießen und dabei Daten zu Temperatur, Luftdruck und Niederschlag zu messen. „Wir mussten dafür innerhalb eines Jahres selbstständig einen Satelliten entwickeln und bauen. Zusätzlich hatten wir uns überlegt, mit einer integrierten Kamera die Krümmung der Erde zu visualisieren und außerdem eine Infrarotkamera einzubauen“, erzählt der Zehntklässler.

Mit dieser wollten die Schüler verdeutlichen, wie das Licht der Sonne von Pflanzen für die Fotosynthese genutzt wird. Zwar wurde letztendlich beim Start der Rakete auf einem großen Feld bei Bremen die Mikro-Speicherkarte im Satelliten beschädigt, so dass keine Daten gesammelt werden konnten. Trotzdem wurde das Jüngste von zehn Teams für ihre Arbeit mit Urkunde und Pokal ausgezeichnet. „Letztlich setzte sich die Bewertung aus den Kategorien Lerneffekt, wissenschaftlicher Anspruch, Teamarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und technische Umsetzung zusammen. Insgesamt konnten wir scheinbar überzeugen“, sagt Jahn. Vorbereiten konnten die jungen Forscher ihre Arbeit in einem Raum der Technischen Sammlungen in Dresden.

In Zusammenarbeit mit der TU Dresden gibt es hier seit einigen Jahren das Schülerlabor „DLR_School-Lab“. Dabei können Nachwuchsforscher erfahren, wie Mitarbeiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeiten. Seit einem Schülerpraktikum ist Max Jahn mit dabei – und regelrecht begeistert. „Hier gibt es tolle Möglichkeiten wie 3-D-Drucker, die ich für meine Satelliten-Außenhülle genutzt habe sowie die nötigen Materialien für unsere Versuche.“ Die von ihm geschaffene Hülle habe etwa aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestanden. Eines Tages will der Meißner Schüler übrigens selbst an Satelliten und Mini-Raketen forschen.

Erste Kontakte zu Arbeitgebern in Deutschland habe er bereits geknüpft. Vorher will Jahn – dieses Mal mit Klassenkameraden – erneut an dem Wettbewerb „CanSat“ teilnehmen. Vielleicht wird dabei der Mars eine besondere Rolle spielen.