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Zum Schwimmkurs nach Meißen

Deutschlandweit steigen die Badeunfälle. Wie sind die Bedingungen für Großenhainer Kinder, schwimmen zu lernen?

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© Claudia Hübschmann

Von Jörg Richter

Großenhain. Die Meldung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ist schon erschreckend. Die Anzahl der Badeunfälle in Deutschland hat in diesem Jahr zugenommen. Mindestens 425 Menschen sind seit Jahresbeginn ertrunken, 46 mehr als in den ersten acht Monaten 2015. Besonders in Sachsen ist die Steigerung enorm. Hier gab es 13 Badetote mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.

Zahlen, die erschrecken und auf dem ersten Blick rätselhaft sind. Denn dieser Sommer war alles andere als ein Badesommer. Zu oft wechselten sich Sonne und Regen ab. Richtige Lust zum Baden kam selten auf. Auch das Großenhainer Naturerlebnisbad litt darunter. Lediglich am letzten Augustwochenende, das mit mehr als 30 Grad Celsius heiß ausfiel, strömten rund 3 500 Leute in Großenhains einziges Freibad. Doch ansonsten gab es hier weniger Badegäste als in vergangenen Jahren.

Das meist durchwachsene Wetter machte sich auch bei den Schwimmkursen, die hier angeboten werden, bemerkbar. Laut Information aus dem Rathaus haben an den beiden Schwimmkursen, die in der Woche vor den Schulferien und in den ersten beiden Ferienwochen durchgeführt wurden, insgesamt 30 Mädchen und Jungen teilgenommen. Dabei handelte es sich um keine Schwimmkurse der Schulen, sondern um Angebote der Wasserwacht Großenhain. Dieser private, zehntägige Schwimmunterricht kostet 50 Euro.

„Der Bedarf ist da“, sagt Stadtsprecherin Diana Schulze. Das Naturerlebnisbad verfüge über genügend Kapazitäten, auch einer größeren Nachfrage gerecht zu werden. Allerdings könne der Schwimmunterricht nur während der Freibadsaison (15. Mai bis 15. September) angeboten werden. „Außerhalb dieser Zeit finden keine Lehrgänge statt“, so die Pressesprecherin. Interessenten könnten dann die Hallenbäder in der Umgebung nutzen.

Und das tun sie auch. „Zu unseren Schwimmkursen kommen auch Großenhainer“, sagt Karl-Heinz Gräfe, der Geschäftsführer des Meißner Hallenbads „Wellenspiel“. Zudem nutzen zwei Großenhainer Kindergärten das Angebot, in der Kreisstadt schwimmen zu lernen. Dabei handele es sich um Vorschulgruppen, die im zweiten Schulhalbjahr nach Meißen fahren. Die Kurse im ersten Schulhalbjahr sind meist ausgebucht und für die Meißner Schulen und Kitas vorgemerkt.

Die DLRG Niederes Elbtal bietet im „Wellenspiel“ zusätzliche Schwimmkurse an. „Aber auch sie sind immer voll“, sagt dessen Vorsitzender Steffen Hausch. „Prinzipiell sind Meißen, Riesa und Radebeul klar im Vorteil.“ Denn in den dortigen Hallenschwimmbädern könnten Kinder das ganze Jahr über schwimmen lernen. Das mache sich auch auf die Anzahl der Rettungsschwimmer bemerkbar. „Großenhain ist in dieser Beziehung für uns ein weißer Fleck“, so Hausch. Mit Nils und Lars Richter gebe es immerhin zwei DLRG-Rettungsschwimmer aus dem benachbarten Priestewitz.

Großenhainer Eltern müssen längere Wege in Kauf nehmen, um ihre Kinder zum Schwimmunterricht zu fahren. Das könnte sich in ein paar Jahren negativ auswirken. Noch kümmern sich die hiesigen Kitas und Grundschulen darum, dass möglichst alle Kinder schwimmen lernen. Aber wie lange noch? Schulen beklagen jetzt schon, dass es zu wenig Sportlehrer gibt.

Die höhere Anzahl der Badeunfälle in diesem Jahr führt die DLRG auch auf die hohe Anzahl der Flüchtlinge zurück. Viele von ihnen können nicht schwimmen. Ihnen ebenfalls Schwimmunterricht anzubieten, könnte den Zeitplan in den Hallenbädern überfordern.