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Drei Schulen und sieben Firmen gehen eine Partnerschaft ein. Für die Unternehmen ist das ein Mehraufwand, der hoffentlich Erfolge bringt.

© Norbert Millauer

Von Peggy Zill

Coswig. In jedem Q 7 steckt auch ein bisschen Coswig. Das Unternehmen Ditter Plastic stellt das Klimabediengerät für den Audi her. Auch VW kauft hier die Bedieneinheiten für seine Autoradios. Mit solchen Ausstellungsstücken versucht Betriebsleiter Roland Haas die Jungs an seinen Stand zu locken und um zukünftige Azubis zu werben. Das ist in seiner Branche nicht ganz leicht. Ditter Plastic bildet Werkzeugmechaniker und Verfahrensmechaniker Kunststofftechnik aus. „Das sind nicht die bekanntesten Berufe. Die wenigsten können sich darunter etwas vorstellen“, sagt er. Dieses Jahr haben drei junge Leute ihre Ausbildung im Werk in Neusörnewitz begonnen, nachdem die Stellen in den zwei Jahren zuvor unbesetzt blieben. „Für nächstes Jahr haben wir den ersten Vertrag schon unterschrieben“, freut sich Roland Haas. Der Schüler kommt von der Coswiger Leonhard-Frank-Oberschule. Hier gab es die Berufsorientierungsmesse, auf der sich Ober- und Förderschüler über mögliche Ausbildungsberufe informiert haben. Regionale Firmen warben genauso um Nachwuchs wie die Bundeswehr und die Polizei.

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Sieben Firmen sollen in Zukunft jedoch bevorzugt behandelt werden, wenn es darum geht, den Jugendlichen ihre offenen Stellen schmackhaft zu machen. Neben Ditter Plastic haben sechs weitere Firmen Partnerschaftsverträge mit den drei Oberschulen in Coswig unterschrieben. Dazu gehören die Sparkasse Meißen, TMD Friction, Kaufland Coswig, Auma Drives, Herlac und die Industrie-Partner GmbH Radebeul-Coswig. Durch die Vermittlung der Partnerschaften wolle man den Schülern, die aktuell aus über 360 betrieblichen Ausbildungen wählen könnten, Orientierung bieten, sagt Torsten Köhler von der IHK. „Berufsorientierung sollte früh beginnen und lange dauern. So lassen sich später Abbrüche vermeiden.“ Das ist auch Roland Haas wichtig. „So eine Ausbildung kostet Zeit und Geld. Das Schlimmste ist, wenn die Ausbildung abgebrochen wird, weil der Lehrling die Prüfung nicht schafft.“ Deshalb haben Hauptschüler schlechte Chancen auf einen Ausbildungsplatz. „Die Realschüler haben schon Probleme mit den Prüfungen.“

In den Vereinbarungen ist festgehalten, dass die Coswiger Schüler mehrmals im Jahr vorbeikommen dürfen und bei Betriebspraktika bevorzugt behandelt werden. Teilweise wird auch Ferienarbeit angeboten und Firmenvertreter sprechen auf Elternabenden. Im Gegenzug werden die Unternehmen zu Berufsmessen in die Schulen eingeladen, oder die Schüler helfen bei der Gestaltung von Firmenfeiern.

„Der Weg über die Eltern ist immer gut. Gerade bei Realschülern, weil die noch so jung sind“, sagt Mandy Tschirschke von der Sparkasse Meißen. Im vergangenen Jahr konnten nur vier Ausbildungsstellen besetzt werden, in diesem Jahr wieder sechs. „Aber wir bekommen nur noch rund 60 Bewerbungen. Es waren mal weit über 100.“ Natürlich bedeute die Partnerschaft einen Mehraufwand für die Sparkasse. „Aber es ist wichtig, dass wir Bewerber bekommen“, so Tschirschke. Ob die Partnerschaft etwas bringt, wird sich an den Eingängen an Bewerbungsmappen messen lassen.

Für Roland Haas ist der Inhalt der Partnerschaft nicht neu. „Diese Dinge machen wir schon seit Jahren“, erzählt er. Wenn jemand anruft und mit seinem Kind um einen Rundgang bittet, empfängt Haas die Familie gern. „Es ist auch schon passiert, dass dann zwei Wochen später der Ausbildungsvertrag unterschrieben wurde.“ Weil es nur wenige Azubis dieser Fachrichtung gibt, werden die auch gut bezahlt, so Haas, ohne zu verraten, wie viel die Lehrlinge dabei verdienen. Es sei jedoch mehr, als ein Kfz-Mechaniker bekommt. Und wer die Lehre mit mindestens Drei abgeschlossen hat, werde in der Regel auch übernommen.