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„Zur falschen Zeit am falschen Ort“

Auf der Naundorfer Straße halten sich wenige ans Tempolimit, sagen die Anwohner. Eine Kontrolle zeigt etwas anderes.

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© Arvid Müller

Von Peggy Zill

Coswig. Der weiße Audi wird mit 44 Kilometern pro Stunde erwischt. Das nächste Auto ist mit 39 Stundenkilometern unterwegs. Und ein Transporter wird mit 18 Sachen zu viel geblitzt. Wobei es keinen Blitz mehr gibt. Solange es hell ist, ist der nicht nötig, erklärt Patrick Kadner. Er ist Messbediensteter der Stadt Radebeul und steht am Donnerstagmorgen an der Naundorfer Straße in Coswig am Ende der Einbahnstraße mit seinem dunklen Combi am Straßenrand.

Kaum sichtbar für die Autofahrer steht im Kofferraum die Leivtec XV3. Das Messgerät gehört der Stadt Radebeul, kommt aber regelmäßig auch in Coswig zum Einsatz. Einnahmen und Kosten teilen sich die beiden Städte.

Anwohner der Naundorfer Straße beschweren sich seit Langem, dass sich auf dem schmalen Straßenabschnitt, der Einbahnstraße ist, die wenigsten an die erlaubten 30 Stundenkilometer halten. Als vor Kurzem eine Katze von einem Raser überfahren wurde, keimte das Thema wieder auf. Die Tempokontrolle gestern hat damit aber nichts zu tun, sagt Olaf Lier, Chef des Ordnungsamtes. An dieser Stelle würde regelmäßig kontrolliert. Wie viele Verstöße es am Ende gab, kann Patrick Kader frühestens am Montag sagen. „20 bis 30 würde ich schätzen“, sagt er nach fast zwei Stunden, die er in Kötitz steht. Olaf Lier kennt die Zahlen der letzten Geschwindigkeitsmessungen von Ende Mai. „Während der Messzeit fuhren von den insgesamt 126 Fahrzeugen pro Stunde 45 schneller als erlaubt. Das schnellste Fahrzeug mit 45 Stundenkilometern.“ Falschfahrer, also Autos, die in entgegengesetzte Richtung in die Einbahnstraße fahren, gab es bei den Kontrollen nicht. Von abartigen Verhältnissen könne laut Lier nicht die Rede sein. Tatsächlich ist während der Kontrolle nicht viel los in Kötitz.

Zur falschen Zeit am falschen Ort kontrolliert, findet Anwohner Daniel Schmalfuß. Der Blitzer müsste abends oder am Wochenende am Eingang der Einbahnstraße stehen. „Es herrscht quasi rechtsfreier Raum“, sagt er. „Es wird sich weder an Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten, noch auf eine rote Ampel geachtet. Lkws fahren mit überhöhter Geschwindigkeit in beide Richtungen durch die Gasse.“ Er befürchtet, dass irgendwann nicht nur Katzen überfahren werden, sondern Menschen zu Schaden kommen. Er hat bereits vor einem Jahr Kontakt zu Olaf Lier aufgenommen. Daraufhin ließ der an drei Tagen hintereinander die Radebeuler mit ihrem Blitzer kontrollieren. Ergebnis: Es gab nur wenige Überschreitungen.

Der Wunsch, eine verkehrsberuhigte Zone einzurichten, könne nicht erfüllt werden, weil die Straßenverkehrsordnung das nicht zulässt. Auch die Idee, eine Bremsschwelle einzubauen, ist laut Lier nicht umsetzbar. Aufpflasterungen und ähnliche Hindernisse seien aufgrund der Bedeutung der Straße nicht zulässig. „Das geht nur in Wohngebieten und auch da haben sie sich nicht bewährt“, sagt der Chef des Ordnungsamtes. Denn man müsse bedenken, dass auch Krankenwagen darüber fahren und tiefergelegte Fahrzeuge dürfen dabei nicht beschädigt werden. Und eine Fahrbahneinengung? Die Feuerwehr muss trotzdem bequem Platz haben. „Und da passen auch wieder alle Autos durch“, so Lier. Ein stationärer Blitzer? Bringt nicht viel, weil der schnell bekannt ist. Eine Tempotafel, die die Fahrer auf ihre Geschwindigkeit hinweist? „Die kann was bewirken. Manche nutzen es aber auch aus, weil sie wissen, dass sie nicht geblitzt werden“, meint Lier. Daniel Schmalfuß wünscht sich wie seine Nachbarn eine einfache, unbürokratische Lösung. Olaf Lier sieht jedoch wenig Handlungsbedarf und Möglichkeiten.

Immerhin: Ein paar Wochen Ruhe werden die Anwohner bald haben. Ab Oktober ist die Naundorfer Straße für Kanalarbeiten gesperrt.