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„Zur Landtagswahl kämpft jeder für sich“

Mit Frank Richter für die SPD bekommen die Meißner Direktkandidaten prominente Konkurrenz. So reagieren sie.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

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Meißen. So mancher hatte es vermutet, nun ist es offiziell bestätigt: Frank Richter, Ex-DDR-Bürgerrechtler und zuletzt denkbar knapp im Rennen um das Amt des Meißner Oberbürgermeisters gescheitert, bleibt der Politik treu: Der langjährige Direktor der Landeszentrale für politische Bildung wird zur Landtagswahl im kommenden Jahr als Parteiloser für die SPD antreten. Kandidieren will er im Wahlkreis 39, Meißen 3 – und bestätigt damit auch, was er im letzten Interview mit der Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung gesagt hatte: „Auf jeden Fall werde ich der Stadt Meißen und auch der Kommunalpolitik in Meißen verbunden bleiben.“

Welche konkreten politischen Ambitionen daraus erwachsen, so Richter im Gespräch Ende Oktober, könne er „seriös zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“. Seit Montag ist jedoch klar, dass der 58-Jährige mit seiner Kandidatur unter anderem gegen Daniela Kuge von der CDU antreten wird. Kuge wollte sich am Montag jedoch nicht zur Personalie Richter äußern und sagte auf Anfrage der Sächsischen Zeitung: „So lange noch keine Nominierung erfolgt ist, werde ich mich an keiner Spekulation beteiligen.“

Dass die Nominierung erfolgen wird, dürfte aber unstrittig sein, SPD-Landeschef Martin Dulig soll Richter persönlich gebeten haben, für seine Partei anzutreten. Schon während des Wahlkampfs in Meißen war Frank Richter neben den Parteien Grüne und Linke auch von der SPD unterstützt worden.

Der Meißner Linken-Chef Tilo Hellmann nennt Frank Richter im Gespräch mit der SZ einen „guten Freund“, der jedoch wohl nicht auf Unterstützung der Linkspartei zu hoffen braucht: „Unsere eigentliche Linie ist, dass wir bei Landtagswahlen keine Fremdkandidaten unterstützen“, erklärte Hellmann. Zwar wurde noch kein eigener Kandidat nominiert, jedoch sei ein gemeinsamer Kandidat auszuschließen. Hellmann selbst will seinen Hut in den Ring werfen. „Wir ticken nicht in allem gleich“, sagte er über sich und einen möglichen Konkurrenten Frank Richter. Es gebe auch wesentliche Differenzen zwischen ihren politischen Ansichten. „Zur Landtagswahl kämpft jeder für sich“, so Hellmann. Danach werde geschaut, welche Koalitionsmöglichkeiten es gebe. „Ich sehe Frank Richter da durchaus als eine Person an, mit der man zusammenarbeiten kann.“

Nicht auf eine Zusammenarbeit, sondern auf einen spannenden Wahlkampf freut sich bereits FDP-Mann Martin Bahrmann. Auch er will sich wieder um den Wahlkreis bemühen und dürfte im Februar als Kandidat der Liberalen vorgestellt werden. Frank Richter kennt er bereits aus dem teilweise hart geführten Wahlkampf um das Amt als Meißner Stadtoberhaupt – für Bahrmann ein Vorteil, wie er sagt: „Ich weiß schon wie er in Gesprächsrunden argumentiert, weiß, wie er tickt und sich mir gegenüber verhält. Das macht es etwas einfacher im Wahlkampf, sich darauf einzustellen.“ Dass Richter nun direkt auf SPD-Ticket fahre, nennt Bahrmann eine „klare Positionierung“: „Da gibt es nicht mehr dieses Hin und Her von wegen parteilos.“ Eine Kandidatur für die Freien Wähler hatte Richter zuvor abgelehnt.

Beinahe wären sogar drei ehemalige Meißner Oberbürgermeisteranwärter bei der Landtagswahl gegeneinander angetreten, doch die AfD nominierte dann doch nicht Joachim Keiler, sondern Thomas Kirste als ihren Direktkandidaten für den Wahlkreis 39. Kirste hatte sich mit 31 von 39 Stimmen deutlich gegen Keiler durchgesetzt. Am Montag war er für ein Gespräch mit der SZ nicht zu erreichen, ebenso wie der Grünen-Kreisverband. Die Grünen haben noch keinen Kandidaten für die Landtagswahl aufgestellt.

Anders als man erwarten könnte, kommt auch aus der Bürgerinitiative „Bürger für Meißen – Meißen kann mehr“, die Frank Richter ja erst als OB-Kandidaten angesprochen hatte, keine ausdrückliche Unterstützung für seine SPD-Kandidatur. „Frank Richter hat eine Kandidatur mit uns nicht abgesprochen oder geplant und wird da auch nicht unsere Unterstützung bekommen“, erklärte Walter Hannot auf SZ-Anfrage. Die Bürgerinitiative als parteiübergreifende Initiative vertrete primär das bürgerliche Lager. „Von daher ist das, was Frank Richter im Landtag macht, nicht unsere Sache“, erklärte Hannot. „Wir haben die Kommunalwahlen im Blick, nichts anderes.“