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Zurück in Bernstadts Bücher-Paradies

Keine Ausrede mehr für Lesemuffel: Nach ihrem Umzug ist die Einrichtung nun wieder offen.

© www.foto-sampedro.de

Von Susanne Sodan

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Bernstadt. So ein Umzug ist anstrengend. Aber irgendwann ist er geschafft. Irgendwann sind alle Kisten ausgepackt, irgendwann steht alles dort, wo es stehen soll. Und man kann zur Einweihungsparty einladen. Karin Thau ist erleichtert. Eben waren die Handwerker noch einmal da. Sie haben eine neue Platte auf ihrem Schreibtisch montiert, damit ist die Ausleihtheke komplett. Karin Thau lässt den Blick schweifen durch die frisch eingerichtete Bibliothek von Bernstadt: frisch gestrichene Wände, neuer Fußboden, eine moderne Beleuchtung. Alf, Lucky Luke und die drei Fragezeichen schauen vom Regal. Die Kinderecke hat Bibliotheksleiterin Karin Thau schon passend zur Jahreszeit mit Oster-Büchern eingerichtet. Der größte Unterschied zu früher: Die Bibliothek ist jetzt nicht mehr im Ober-, sondern im Erdgeschoss des Heimatmuseums Bernstadt zu finden. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Frau Thau. Am Dienstag konnte sie die Türen ihres Hauses endlich wieder öffnen.

Seit 2016 lässt die Stadt Bernstadt das Heimatmuseum am Kirchplatz sanieren. Erst war das Dachgeschoss mit einer neuen Heizanlage dran. Dieses Jahr steht als letzter Schritt die Sanierung des Obergeschosses an. Dort war bisher auch die Bibliothek untergebracht. Vergangenes Jahr, der mittlere Bauabschnitt, war das Erdgeschoss mit der Sanierung dran. Nun – zwischen Fertigstellung des Erdgeschosses und Baubeginn im Obergeschoss – ist die Bibliothek nach unten gezogen. „Am 8. Januar haben wir morgens losgemacht mit dem Umzug“, erzählt Karin Thau. Alle Bücher, rund 8 000, mussten in Kisten gepackt und nach unten getragen werden, die vielen Regale ab- und unten wieder aufgebaut werden. Dann alles wieder einräumen. Bei einem Bibliotheksumzug kommt noch mehr dazu: Inventur. Jedes einzelne Buch wurde überprüft. Stimmt die Kennung, ist das Buch im System richtig eingeschrieben? „Ein paar Fehler haben wir entdeckt“, sagt Karin Thau. „Und ein paar Medien haben wir auch aussortiert.“

„Wir“ sagt sie, weil sie viele Helfer hatte. Eine Altbernsdorferin, die in einem Supermarkt arbeitet, hat Karin Thau mit Bananenkisten für den Umzug versorgt. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung machte bei der Inventur mit, eine Museumsmitarbeiterin packte mit an, genauso der Bauhof der Stadt. „Und vor rund drei Wochen stand plötzlich eine junge Frau aus Dittersbach mit ihrem Kind vor der Tür und fragte, ob sie helfen kann“, erzählt Karin Thau. Sehr dankbar ist sie auch den Mitarbeiterinnen und der Chefin der Christian-Weise-Bibliothek, die den Umzug von Anfang an unterstützten. Die Zittauer Bibliothekarinnen kennt Karin Thau schon lange. In der Kreisbibliothek in Zittau ist sie häufig, um frischen Lesestoff und Bestellungen der Bernstädter Leser abzuholen. Jetzt aber stammt nicht nur ein Teil der Medien in den Regalen aus der Weise-Bibliothek. Auch mehrere der Regale selbst kommen aus Zittau. Als die Bernstädter Bücherei noch im Obergeschoss des Heimatmuseums zu finden war, gab es auch Wandregale. Oder besser: Es waren inzwischen recht alte Bretter, die an den Wänden angebracht waren. Sie haben keinen Platz an den neu hergerichteten Wänden im Erdgeschoss gefunden, sondern wurden aussortiert. Damit fehlten dort aber Stellmöglichkeiten für die Bücher. Die Weise-Bibliothek hat der Bernstädter Bibliothek diese geliehen.

Neben den Wandbrettern wurde auch anderes aussortiert. Die alte Einrichtung im Obergeschoss stammte zu großen Teilen noch aus den 70er Jahren, auch die großen Hauptregale. Die haben es aber von oben nach unten geschafft, teilen sich den Raum mit den Leihregalen aus Zittau und haben noch Schonfrist. Die Stadt will selber neue Bibliotheksmöbel kaufen und hat vergangenes Jahr einen Förderantrag gestellt. Allerdings gibt es noch keine Zusage, erzählt Bernstadts Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste). Er nimmt an, dass es damit noch etwa bis Mitte des Jahres dauern wird. Auch wenn dann nochmal Umräumarbeiten anstehen sollten, Karin Thau freut sich jetzt erstmal, dass sie die Bibliothek für die Leser wieder zu den gewohnten Zeiten öffnen kann. In Bernstadt sind 510 Leser derzeit in der Bibliothek angemeldet. „Ich denke, etwa 370 sind ganz aktive Leser“, erklärt Karin Thau. Die größte Gruppe seien die Nutzer zwischen 45 und 70 Jahren. „Aber es kommen auch Kinder mit ihren Eltern und auch viele ältere Menschen“, erzählt sie. Gerade für manche Ältere sei die Bibliothek nicht nur eine Möglichkeit, neuen Lesestoff zu holen, sondern auch eine Gelegenheit, rauszugehen. „Es kommt vor, dass jemand auch einfach mal eine Stunde einfach bei mir sitzen bleibt“, erzählt Karin Thau.

Viel zu räumen hatten in den vergangenen Wochen nicht nur sie und ihre Helfer, sondern auch die Macher vom Heimatmuseum. Auch sie mussten ihre Räume im Obergeschoss leerräumen, damit dort bald die letzte Sanierungsrunde beginnen kann. Im Stadtrat am Donnerstag werden die Bauaufträge für den 3. Abschnitt vergeben. Insgesamt wird die Stadt für die Sanierung des gesamten Heimatmuseums etwa 350000 Euro ausgeben.