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Zurück in den Arbeitsalltag

Bei der Bao GmbH Kamenz bekommen Langzeitarbeitslose ihre Chance. Dabei fällt auch für die Stadt etwas ab.

© Matthias Schumann

Von Ina Förster

Kamenz. Die Frauen und Männer im Projekt „NaTÜRlich“ sind unterschiedlich alt. Haben unterschiedliche Lebensgeschichten sowie Charaktere. Und vor Urzeiten alle einmal einen Beruf gelernt. Bei den meisten liegt dieser Zustand allerdings über 20 Jahre zurück. Schlechte Voraussetzungen, um Fuß zu fassen in der Gesellschaft. Nun stehen sie seit gut einem Jahr wenigstens wieder regelmäßig auf, um auf Arbeit nach Kamenz zu kommen. Sie versuchen, ihren Alltag zu regeln. Sich zurechtzufinden in einer Welt, die sie jahrelang verdrängt haben. Zwischen Drogenproblemen, Alkoholabhängigkeit, psychischen Störungen, Schuldenbergen und völliger Isolation vergingen ihre besten Jahre. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

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„Mit unserem Projekt bieten wir diesen Menschen eine Perspektive. Und sei sie noch so klein“, sagt Maßnahmenanleiterin Ines Holling. Wie schwer es den Teilnehmern zwischen 27 und 56 Jahren fällt, die einfachsten Dinge zu regeln und für sich anzunehmen, weiß die Diplompädagogin nur zu gut. „Hinter ihnen liegt eine schwierige Zeit. Unser Ziel ist es, erst einmal wieder eine Struktur in ihren Tagesablauf zu bekommen. Soziale Gefüge müssen von Grund auf neu erlernt werden. Wie verhalte ich mich in einer Gruppe? Wo ist überhaupt mein Platz?“, so Ines Holling. Die meisten saßen die letzten Jahre völlig isoliert von anderen zu Hause, lebten in den Tag. Für viele ist schon der Gang zum Einkaufsmarkt der reinste Horror. „Bei uns lernen sie auch so etwas wieder: Den Einkauf planen und umsetzen. Und im besten Fall anschließend sogar noch etwas Frisches kochen.“ Deshalb gibt es neben drei Tagen angeleiteter Garten- und Werkstattarbeit pro Woche noch einen Tag für die Gesundheitsorientierung sowie einen weiteren Hobbytag in der Gruppe mit Erlebnispädagogik und dem ein oder anderen Ausflug.

Soziales Gefüge

Der 1. Würstchenmarkt

Am Sonntag, dem 25. März, von 12-18 Uhr findet der 1. Kamenzer Würstchenmarkt statt.

Die Eröffnung findet 12 Uhr auf dem Markt statt – mit Wursthymne, Gruppenfoto des Fleischervereines, Laudatio und Verkostung der Kamenzer.

Bummeln & Shoppen: Über 60 Geschäfte öffnen in der Altstadt sowie im Bereich Hoyerswerdaer Straße / Auenstraße. Modenschau: 14.30 Uhr Modeexpress No.1, in Geschäften und Plätzen: Verkostungen, Rabattaktionen, Frühlingsangebote, neue Kollektionen, Kinderanimation, Stadtquiz und Skydancer; fliegende Händler.

Rund um die Wurst: Historisches Buttern auf dem Buttermarkt, Kochshow mit prämierten Rezepten, 5. Qualitäts-Wurstwettbewerb im Rathaus, Budenzauber - Entwürfe zur Bratwurstbude, Infos zur Herstellung der Kamenzer in der ehemaligen Garküche (Allianz Hanisch), marodierende Söldner und Ausstellung Fleischerhandwerk an den Fleischbänken; Ina Förster & Steffen Lorenz „Wie die Kamenzer wirklich erfunden wurde“ (15/15.30/17 Uhr - 18 Uhr bei Elektro-Hommel)

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Das Projekt „NaTÜRlich“ will vor allem eines: Türöffner sein! Die Teilnehmer gehören zur Klientelstufe V. Noch unvermittelbarer geht nicht. Natürlich stehen die handwerklichen Fertigkeiten dabei im Fokus, aber darüber hinaus auch das Miteinander. Gearbeitet wird seit April in zwei Gruppen mit jeweils acht Frauen und Männern. „Solche Projekte brauchen einen weit gespannten Rahmen. Mit ein paar Monaten wäre nichts vollbracht. Wenn wir sehen, was wir alles geschafft haben, wie gestärkt die Gruppen in sich sind, dann fühlen wir uns bestätigt“, so Ines Holling. 17 Monate läuft die Maßnahme. Nebenbei hilft die Bao-Mitarbeiterin bei der Wohnungssuche, vermittelt ihre Schützlinge zur Schuldenberatung oder Tafel.

Die Anwesenheitsrate ist sehr hoch. Es gibt kaum unentschuldigtes Fehlen. Was selten ist. In anderen Maßnahmen gibt es höhere Abbruch-Raten. „Daran sehen wir, dass die Teilnehmer sich wohlfühlen. Das soziale Gefüge ist prima. Man hilft sich gegenseitig und verbringt sogar Freizeit miteinander“, weiß Ines Holling. Und dass man hier ganz nebenbei Sinnvolles für die Stadt schafft, macht irgendwie froh. Der neueste Auftrag, zwölf Aufsteller in Form von Fleischerschürzen für den 1. Würstchenmarkt zu bauen, wurde prima erledigt. Und mit Freude an der Arbeit. Auch Praxis-Anleiter Matthias Dunko kann das bestätigen. Während die Männer die Holzarbeiten erledigten, waren die Frauen mit Anmalen beschäftigt. Auch City-Managerin Anne Hasselbach freut sich über die Umsetzung ihrer Ideen. In den Schürzen kommen am Sonntag die Programmflyer unter. „Die Bao GmbH ist für uns nicht zum ersten Mal verlässlicher Partner – danke !“