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Zurück in die Zukunft

Dynamo meldet seine zweite Mannschaft vom Spielbetrieb ab. Das spart Kosten, hat aber andere, sportliche Gründe.

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© Mike Worbs

Von Tino Meyer

Das Gerücht gibt es schon einige Wochen, den Gedanken sogar noch etwas länger. Tatsachen geschaffen hat Dynamo Dresden nun gestern. Der Verein hat seine zweite Mannschaft beim Verband für die kommende Saison vom Spielbetrieb abgemeldet – und damit zugleich aufgelöst. Wer dahinter finanzielle Gründe vermutet, liegt nicht falsch.

Ausschlaggebend für die wohl überfällige Entscheidung von Sportvorstand Ralf Minge und Nachwuchsakademie-Leiter Jan Seifert ist jedoch nicht Kostendruck, sondern die Erkenntnis, das Geld künftig effizienter einsetzen zu wollen. Zu gering sei der Mehrwert, den die als U 23 bekannte zweite Mannschaft für die Entwicklung von Talenten bringt, erklärt Minge. „Wir haben die vergangenen Jahre reflektiert. De facto hat aus der zweiten Mannschaft kein Spieler mehr den Sprung zu den Profis geschafft. Im Gegenteil, im Sommer haben wir viele Spieler holen müssen, um die Mannschaft vollzukriegen“, betont er.

Tatsächlich hat Dynamo die talentiertesten Spieler zuletzt direkt aus der A-Jugend zu den Profis geholt. Aktuellste Beispiele sind Paul Milde, Marvin Stefaniak, Dominic Baumann sowie Robin Fluß. Und ihre Nachfolger heißen Niklas Landgraf, Niklas Hauptmann und Markus Schubert, die in der Winterpause bereits mit der ersten Mannschaft im Trainingslager in Spanien gewesen sind. „Die U 19 ist jetzt schon unsere zweitwichtigste Mannschaft. Insofern ist der Schritt nur konsequent. Die frei werdenden finanziellen Mittel können wir nun viel gezielter einsetzen“, begründet Minge, der Spieler bereits informiert hat. Ein Großteil darf sich einen neuen Verein suchen. Ob Trainer Dirk Havel bleibt und zum Beispiel die offene A-Jugend-Stelle für den zum sächsischen Verband wechselnden Coach David Bergner erhält, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.

Dynamo ohne Zweite – damit ist der Verein weder Vordenker noch Nachzügler, sondern reagiert vielmehr auf die rasante Entwicklung im Fußball genauso wie der Deutsche Fußball-Bund, der vergangenen Sommer die Pflicht einer zweiten Mannschaft im Spielbetrieb abgeschafft hat.

Der Weg in den Profifußball ist längst ein anderer, kürzerer. Immer jünger ist das Durchschnittsalter der Teams heutzutage, weil die Spieler schon im Jugendalter im Zuge des nach der Pleite bei der EM 2000 verpflichtend eingeführten DFB-Nachwuchsförderung immer besser ausgebildet werden. Etliche 19-, 20-, 21-Jährige sind inzwischen Stammspieler in der Bundesliga. Wer es in diesem Alter noch nicht bis mindestens in die dritte Liga geschafft hat, gilt fast schon als gescheitert – oder bislang als Kandidat für die U 23.

Bei Dynamo sollen solche Talente ab der kommenden Saison im sogenannten Future-Team spielen, in der Mannschaft für die Zukunft also – und mit der in der sogenannten Future-Team-Spielrunde. Gegner sind jeweils fünfmal pro Halbserie der Hallesche FC, der Chemnitzer FC sowie die tschechischen Kooperationspartner Sparta Prag, Slovan Liberec und FK Teplice. Am Montag haben sich Vertreter der sechs Klubs in Dresden getroffen und die letzten Modalitäten geklärt. „Wir haben uns zum Beispiel informell darauf verständigt, dass nur zwei Spieler älter als 23 Jahre sein sollen“, sagt Minge und nennt exemplarisch Marco Hartmann.

Würde es die neue Spielrunde schon geben, wäre der 27-jährige Mittelfeldspieler nach seiner langen verletzungsbedingten Pause derzeit geradezu prädestiniert fürs Future-Team. Das setzt sich künftig zudem aus den besten Talenten der A-Jugend zusammen und Spielern, die „vielleicht doch noch einen Zwischenschritt brauchen“, wie Minge sagt.

Eine Konkurrenz zum Spielbetrieb in der Ober- und/oder Regionalliga sieht er „in keinster Weise“. Parallelen an die frühere DDR-Nachwuchsoberliga für Anschlusskader in den 1970er- und 80er-Jahren sind trotzdem kein Zufall. Bei den deutsch-tschechischen Duellen handelt es sich laut Minge jedoch ausdrücklich um Freundschaftsspiele, an denen offenbar auch weitere Klubs interessiert sind. Vorerst soll es aber bei den sechs Mannschaften bleiben.

Den Einwurf, in Freundschaftsspielen fehle der Wettkampfcharakter und damit elementare Dinge wie Einstellung, Härte, Konsequenz, wehrt Minge ab. „Erstens sind das renommierte Vereine, die sich messen und gezielt ihre Talente fördern wollen. Zum anderen bringen die Jungs, die unbedingt in den Profifußball wollen, mit Sicherheit den nötigen Ehrgeiz mit. Da habe ich null Bedenken“, meint er.