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Arbeit und Bildung

Zurück nach Sachsen

Weil es zu wenig Jobs und Lehrstellen gab, zogen vor allem in den 90er-Jahren tausende junge Leute weg. Viele suchen nun einen Neuanfang in der Heimat. Helfer erleichtern den Start.

Zurück ins schöne Erzgebirge - hier ein Blick auf Annaberg-Buchholz - nach Dresden oder in die Lausitz: Rückkehrer-Initiativen helfen Umzugswilligen.
Zurück ins schöne Erzgebirge - hier ein Blick auf Annaberg-Buchholz - nach Dresden oder in die Lausitz: Rückkehrer-Initiativen helfen Umzugswilligen. © dpa

Dresden. 124 Bewerbungen hat Jenny Großmann geschrieben. Eine Lehrstelle fand sie trotzdem nicht. „Es gab damals einfach nichts“, sagt die Physiotherapeutin. Mit „Damals“ meint die heute 40-Jährige die späten 90er Jahre. Wie tausende andere junge Sachsen zog Jenny Großmann nach Westdeutschland. 

In Bayern fand sie auf Anhieb eine Ausbildungsstelle in ihrem Wunschberuf. „Wenn man eine berufliche Perspektive haben wollte, hatte man eigentlich kaum eine Wahl“, erzählt die gebürtige Dresdnerin, die damals schweren Herzens die Heimat verließ. Inzwischen denkt Jenny Großmann darüber nach, zurückzukommen nach Sachsen. „Mein Freund und ich überlegen. Er stammt auch aus Sachsen, ein gewisses Heimweh ist immer geblieben“, erzählt sie. Damit liegt Jenny Großmann im Trend. Immer mehr ehemalige Sachsen zieht es zurück. Kein Wunder, denn die Chancen, eine Arbeitsstelle nach Wunsch zu finden, waren im Freistaat nie besser als jetzt. Die Arbeitslosenquote sank zum Jahreswechsel auf fünf Prozent und damit den niedrigsten Wert seit Beginn der Statistik 1991. Unternehmen locken neue Mitarbeiter mit guten Gehältern, Jobtickets und anderen Vergünstigungen sowie familienfreundlichen Arbeitsbedingungen.

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 Letzteres ist sehr wichtig, weiß Cathrin Oschmann, die für die Initiative "Wachstumsregion Dresden" arbeitet. „Die Erfahrung zeigt, dass familiäre Strukturen oft eine entscheidende Rolle bei der Rückkehr spielen“, sagt sie.  Die Mitarbeiter des Projektes  wollen die Attraktivität der Region rund um Dresden als Lebens- und Arbeitsstandort hervorheben und kooperieren dafür mit ähnlichen Netzwerken, Unternehmen und Hochschulen - nicht nur, aber auch mit Blick auf Rückkehrwillige.   

Offene Ohren für jedes Anliegen

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Dass Unterstützung dieser Art gut ankommt, kann Susann Pohl bestätigen. Sie betreut das Rückkehrerbüro der Städte Sebnitz, Neustadt, Stolpen und Hohnstein. Bei den 56 Beratungsgesprächen, die in den vergangenen drei Jahren mit potenziellen Rückkehrern geführt wurden, ging es fast immer um ein Paket für die gesamte Familie. So wollen neben einem Job auch Kitaplätze oder soziale Angebote gefunden werden. „Auch bei der Suche nach Fördermöglichkeiten, sei es zum Bauen oder für die individuelle berufliche Entwicklung, wird immer wieder vermittelt“, so Susann Pohl. Zwar sei der Erfolg schwer in Zahlen messbar, weil längst nicht jeder nach der Beratung mit den Helfern in Kontakt bleibt, der Werbeeffekt für die Region sei dennoch wichtig. So weckten die Werbeaktionen der sächsischen Rückkehrerbüros, darunter auch spezielle Messen, oft erst das Interesse an einer Veränderung im Leben. „Und darum geht es: um Werbung für unsere lebens- und liebenswerte Region, um Unterstützung beim Ankommen, offene Ohren für persönliche Anliegen“, sagt Susann Pohl. – Jenny Großmann und ihr Partner haben sich genau das erhofft. Vielleicht sind sie bald zurück in der neuen, alten Heimat. 

Susann Pohl vom Rückkehrerbüro  in Sebnitz gibt Rückkehrwilligen Tipps:

 Viele Regionen bieten inzwischen Rückkehrerberatungen oder andere Informations- und Beratungsangebote an.  

 Informieren Sie sich vor dem Kauf einer Immobilie über mögliche Fördermittel für Sanierung etc. in der Region. Viele Förderprogramme können nur in Anspruch genommen werden, wenn sie vor Beginn der Maßnahme beantragt werden.

Nutzen Sie für Ihre Recherchen die Amtsblätter des zukünftigen Wohnortes. 

Erkundigen Sie sich vorab nach freien Kita-Plätzen in Wohnnähe.

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