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Zuversicht nach Homann-Absage

Politiker sehen die Entwicklung am Standort Leppersdorf weiter positiv. Gleich in mehrerer Hinsicht.

© Jürgen-M. Schulter

Von Thomas Drendel

Leppersdorf. Das kommt nicht alle Tage vor: Wer in diesen Tagen in Niedersachsen unterwegs ist und das Radio einschaltet oder die Zeitung aufschlägt, hört und liest vor allem von Leppersdorf. Lothar Israel, Wachauer Gemeinderat der Offenen Bürgerliste, ist derzeit beruflich in dem Bundesland unterwegs. „Wenn ich hier das Autoradio einschalte, dann gibt es vor allem ein Thema und das ist die neue Entwicklung bei Homann“, sagte er. „Hier ist natürlich die Freude groß, dass der Feinkosthersteller wahrscheinlich am Standort in Dissen bleibt.“

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Der Niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) gab sich am Freitag in einem Interview überzeugt, dass Homann an seinem Stammsitz bleibt. „Der Produktionsstandort Dissen scheint gerettet“, sagte der CDU-Politiker. Diesen „ernsthaften“ Eindruck habe er nach zahlreichen Gesprächen mit der Geschäftsführung und einem Briefwechsel mit dem Chef der Homann-Muttergruppe Müller, Theo Müller, bekommen. Neben Bernd Althusmann hatte auch der Bürgermeister von Dissen, Hartmut Nümann (SPD), die Vermutung geäußert, dass Homann am Standort Dissen bleibt. Nach meinen Informationen bleibt der Standort in Dissen erhalten. Das große Werk in Leppersdorf wäre damit vom Tisch. Ob es Teillösungen gibt, das weiß ich nicht“, sagt er. Seitdem ist das Rätselraten groß. Denn von der Müller-Gruppe gibt es bislang keine offizielle Stellungnahme.

Für Lothar Israel ist die eventuelle Entscheidung gegen Leppersdorf kein Grund zur Sorge. „Die Entwicklung bei Sachsenmilch wird weitergehen. Wenn Homann nicht kommt, dann werden andere Betriebsteile wachsen. Da bin ich mir sicher.“

Bürgermeister nicht überrascht

Der Wachauer Bürgermeister Veit Künzelmann (CDU) ist von der Entscheidung nicht überrascht. „Nach der Ankündigung, den Umzug überdenken zu wollen, kamen mir schon Zweifel. Auch die Signale, die ich in der Zeit danach bekommen habe, deuteten mehr auf einen Stopp hin. Dass es jetzt voraussichtlich so kommen wird, bedauere ich natürlich“, sagte er.

Für den Standort Leppersdorf bleibt Künzelmann dennoch sehr zuversichtlich. „Die Müller-Gruppe hat in den vergangenen Jahren jeweils immer einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Ich denke, diese Entwicklung wird weitergehen, nicht zuletzt wegen des günstigen Gewerbesteuersatzes hier in unserer Gemeinde“, sagt er. Er liegt in Wachau deutlich unter dem im restlichen Sachsen.

Matthias Grahl, Wachauer Unternehmer und Vorstandsmitglied der CDU Sachsen, hätte sich Homann-Ansiedlung in Leppersdorf gewünscht. „Sollte es wirklich so kommen, dass die Pläne nicht weiterverfolgt werden, dann finde ich das bedauerlich.“ Um den Standort insgesamt ist ihm jedoch nicht bange, im Gegenteil. „Die Müller-Gruppe wird weiter investieren. Die Fläche, auf die Homann sollte, ist ja dann frei. Sie wird sicherlich auf eine andere Art genutzt“, sagte er.

Eine positive Seite

Lothar Israel kann der Entscheidung noch in anderer Hinsicht positive Seiten abgewinnen. „Für die Mitarbeiter wäre ein Verbleib am Stammsitz natürlich besser. Sie verlieren nicht ihren Arbeitsplatz. Hinzu kommt, dass die geplanten Investitionszuschüsse in Höhe von elf Millionen Euro nicht gezahlt werden müssen. Schließlich handelt es sich um Steuergeld. Das kann jetzt anderweitig verwendet werden.“

Im vergangenen Jahr hatte die Müller-Gruppe angekündigt, die Konzerntochter Homann nach Leppersdorf umzusiedeln. Ab 2020 sollte am neuen Standort produziert werden. In den bestehenden Werken hatten die Umzugsabsichten zu zahlreichen Kündigungen von Mitarbeitern geführt. Zum Jahreswechsel tauchte dann im Homann-Werk in Dissen eine Mitteilung auf in der es hieß, die Verlagerung der Homann-Produktion werde einer „Überprüfung“ unterzogen. Laut Gerüchten waren Wechsel an der Homann-Führungsspitze der Grund für die neuen Überlegungen. Eventuell haben auch neue Kostenberechnungen zu einer Neubewertung der Umzugspläne geführt.