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Zuviel Sturmholz am Boden

Die komplette Ernte eines Jahres hat Orkan Friederike im Moritzburger Staatswald umgeworfen. Das Holz muss jetzt schnell weg.

© Arvid Müller

Von Sven Görner

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Moritzburg. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und die Luft frostig. Herrliches Wetter für einen Waldausflug. Eigentlich. Doch bei der Fahrt mit Revierleiter Marko Groß durch den Moritzburger Staatswald entstehen keine Glücksgefühle.

Bei der Präzisionsarbeit in der Kabine bleibt keine Zeit, um auf illegale Waldläufer zu achten.
Bei der Präzisionsarbeit in der Kabine bleibt keine Zeit, um auf illegale Waldläufer zu achten. © Arvid Müller

Schon wer auf den beiden Staatsstraßen zwischen Auer, Steinbach und Moritzburg den Wald durchquert, bekommt eine Ahnung davon, wie es dort aussehen muss, wo Besucher derzeit nicht sein sollten, weil sowohl die Waldwege als auch der Wald selbst gesperrt sind. Aus gutem Grund, wie Marko Groß erklärt: „Obwohl wir nach dem Durchzug von Friederike vor drei Wochen alle großen Wege freigeschnitten habe, damit wir als Forstleute und die von uns beauftragten Firmen in den Wald kommen, stehen wir fast täglich wieder vor neuen Hindernissen, weil immer noch weitere Bäume umfallen.“

Auf dem Weg zum aktuellen Einsatzort der Holzerntemaschine – des Harvesters – bietet sich ein Anblick zum Heulen. Überall liegen vom Sturmtief umgeworfene Bäume herum. Meist Kiefern, auch einige Fichten, Buchen und Birken. Auf rund 7 500 Festmeter schätzt der Revierleiter die Menge des Sturmholzes im 1 500 Hektar großen Staatswald-Revier des Friedewalds. „Das entspricht etwa der Menge, die wir sonst im Jahr bei der Durchforstung einschlagen“, sagt Marko Groß.

Die Holzernte-Pläne für dieses Jahr wurden daher auf Eis gelegt. Nicht nur, um die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung zu sichern, sondern auch, weil einfach nicht mehr Technik verfügbar ist. Denn das Gebiet, in dem Friederike in ganz Deutschland Schäden zurückgelassen hat, ist so groß, dass die Forstunternehmen an ihre Grenzen stoßen.

Als Friederike kam, waren im Moritzburger Staatswald erst rund zehn Prozent des Sturmholzes aufgearbeitet, das Herwart im Herbst hinterlassen hatte.

„Ich würde gern mehr Technik einsetzen, das ist aber einfach nicht möglich“, sagt Marko Groß.

Auf der Fläche, auf der die Maschine gerade arbeitet, stehen nur noch wenige Bäume. Lediglich am Rand bilden sie einen schmalen Streifen. Doch auch diese werden nicht stehen bleiben. Der Revierleiter erklärt, warum: „Bei einem der nächsten Stürme würden sie ohnehin umfallen, weil sie jetzt so frei stehen und keinen Schutz mehr haben.“ Da die frei gewordene Fläche wieder aufgeforstet wird, würden sie dann nur Schaden anrichten. „Durch vom Sturm umgestürzte Bäume wurden jetzt bei allen Verjüngungsflächen die Wildzäune zerstört. Jetzt müssen wir sehen, dass die jungen Bäume dort nicht durch Wildverbiss Schaden nehmen.“

Obwohl Friederike etwa ähnlich folgenreich gewütet hat wie vor elf Jahren Kyrill, ist die Situation dennoch anders. Marko Groß nennt zunächst den positiven Aspekt. „Diesmal wurden weniger Stämme geknickt. Das Sturmholz ist somit noch hochwertiger, vorausgesetzt, wir bekommen es schnell genug aus dem Wald.“ Denn wenn die Stämme auf den Holzstapeln liegen und die Temperaturen über längere Zeit im zweistelligen Plus-Bereich bleiben, drohe Pilzbefall, der das Holz verfärbt. „Dann lässt es sich nicht mehr so gut als Schnittholz verkaufen“, so der Forstmann.

Negativ im Vergleich zu Kyrill sei dagegen, dass es diesmal fast über das gesamte Waldgebiet verstreut viele Einzelwürfe gibt. Beim Orkan vor elf Jahren hatte es dagegen oft mehr Bäume an einem Ort erwischt. „Zehn Hektar Kahlhieb aufzuarbeiten, geht schneller, als wenn man überall rein muss.“ Und das noch mit zusätzlichem Personal, weil es der Harvester nicht schafft, liegende Stämme vom Stock zu trennen. Das müssen Waldarbeiter mit Kettensägen übernehmen. Was sich auf den Aufbereitungspreis niederschlägt.

Noch habe sich die zu erwartende Holzmenge übrigens nicht auf den Preis ausgewirkt. „Bei manchen Firmen wird das Holz derzeit sogar knapp, weil es nur schwer oder gar nicht aus dem Wald zu holen ist“, so der Revierleiter. Und selbst beim Feuerholz gibt es keinen Preisverfall. „Wir hatten bei einigen Arten Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr, weil bei der normalen Durchforstung der Anfall sehr unterschiedlich ist. Diese Bestellungen können wir jetzt abarbeiten“, sagt Marko Groß.

So lange es kalt ist, schwärmen auch die Schädlinge nicht aus. Gefahr droht vom Lärchen-Borkenkäfer. „Der macht die Bäume sehr schnell kaputt.“ Sein Artgenosse, der Blaue Kiefern-Prachtkäfer, bevorzugt dagegen einzeln stehende Bäume, die viel Sonne abbekommen und schon eine kaputte Rinde haben. „Nach dem Sturm gibt es davon sehr viele im Friedewald.“

Marko Groß: „Ein Jahr brauchen wir zum Aufräumen des Reviers. Auch die Wege werden wieder hergestellt. Aber erst einmal wird sich die Situation verschlechtern.“