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Zwanzig Familien in Lauchhammer bangen um ihre Häuser – der Boden ist wacklig

Einwohner befürchtenein zweites Nachterstedt. Das Bergamt lässt den Untergrund untersuchen.

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Von Beowulf Kayser

Mitarbeiter der NSG Sanierungsgesellschaft Niederlausitz mbH waren gestern bei strömendem Regen in Lauchhammer-Ost im Einsatz. Mehr als 20 Verbotsschilder und Dutzende Sperrbänder haben sie in dem durch Bodensenkungen gefährdeten Wohngebiet im Pappelweg, der Wilhelm-Külz-Straße und im Schwarzen Weg angebracht. „Wir haben Angst um unser Eigentum“, sagte Liesbeth Schreiber aus dem Pappelweg. „Die Nachricht, dass unsere Häuser möglicherweise einsturzgefährdet sind, hat uns alle kalt erwischt“, erklärte ein Grundstückseigentümer wenige Häuser weiter. „Erst der ermordete Polizist dort hinten im Garagenkomplex ‚Friedenseck‘ und jetzt vielleicht auch noch eine Katastrophe wie in Nachterstedt“, befürchtete Kurt Sawallisch aus dem Pappelweg 17. Auch seine Frau kann die „schlechte Botschaft“ des Cottbuser Landesbergamtes kaum fassen. „Seit 20 Jahren leben wir hier und jetzt soll vielleicht alles so kurz vor Weihnachten für immer zu Ende sein“, gibt sie zu bedenken.

Vollendete Tatsachen

Hals über Kopf haben die Mitarbeiter des Bergamtes und beauftragte Gesellschaften gestern vollendete Tatsachen in Lauchhammer-Ost geschaffen. „Knapp 30 Grundstücke sind wegen einer alten Braunkohlenkippe des einstigen Tagebaus Lauchhammer 3 akut gefährdet“, sagte Ulrich Obst vom Brandenburgischen Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR). Aus besonderer Vorsorgepflicht musste schnell gehandelt werden, erklärte Obst. Man wolle kein zweites Nachterstedt, wo im Sommer bei einem plötzlichen Erdrutsch drei Menschen in den Tod gerissen wurden.

Häuser sind fast 90 Jahre alt

Konkret geht es in Lauchhammer-Ost um zwölf bewohnte Grundstücke, zehn davon im Pappelweg. Mehr als 20 Bewohner sind betroffen. Die ersten Häuser sind bereits 1920 gebaut und auch die meisten Gärten damals angelegt worden. Die Nutzung der bewohnten Grundstücke wurde den Eigentümern jetzt teilweise verboten. Sie dürfen unter anderem Garagen und Nebengebäude nicht mehr nutzen. „Für die vielen Gartengrundstücke und die 17 nicht bebauten Grundstücke im Schwarzen Weg gilt ein vollständiges Verbot“, sagte der Bergbauexperte.

Auf die Bodensenkungen waren die Beschäftigten einer Entwässerungsfirma gestoßen. Bei den Aushebungen für die Drainageschächte waren sie plötzlich auf erhebliche Wassermengen gestoßen. „Der Boden ist gefährlich abgesackt“, erklärte ein Mitarbeiter. Er kann es noch gar nicht fassen, dass jetzt erst einmal Schluss ist mit den geplanten Arbeiten. Dafür bohren jetzt Geologen ins Erdreich. Sie nehmen Proben aus etwa acht bis zehn Meter Tiefe für die Untersuchung der Bodenstandfestigkeit.

Das Bergamt tappt noch im Dunkeln. „Über den ehemaligen Tagebau Lauchhammer 3 gibt es keine Archivunterlagen“, sagte der Präsident des Landesbergamtes, Klaus Freytag. Schon in Kürze soll es erste Erkenntnisse geben, ob Grundstücke und Häuser tatsächlich einsturzgefährdet sind und der Untergrund nachträglich gesichert werden muss.