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Zwei Banksionäre machen Ernst

Ex-OB Helma Orosz und Ex-DVB-Chef Reiner Zieschank lösen ihr Versprechen ein und bleiben dabei nicht allein.

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© Sven Ellger

Von Nadja Laske

In Feierlaune ist manches fix versprochen und ebenso vergessen. Doch als sich Dresdens ehemalige Oberbürgermeisterin Helma Orosz und DVB-Vorstand a.D. Reiner Zieschank einst eine Bank im Grünen versprachen, war das sehr ernst gemeint.

Den Platz an der Sonne weihten Helma Orosz, Reiner Zieschank und Hans-Jürgen Credé gemeinsam mit Ortsamtsleiter Jörg Lämmerhirt (v.r.) am Mittwoch am Kleinzschachwitzer Ufer ein.
Den Platz an der Sonne weihten Helma Orosz, Reiner Zieschank und Hans-Jürgen Credé gemeinsam mit Ortsamtsleiter Jörg Lämmerhirt (v.r.) am Mittwoch am Kleinzschachwitzer Ufer ein. © Sven Ellger

Dort würden die beiden sich niederlassen und ihre Rente genießen, kündigte Helma Orosz auf einem Neujahrsempfang an. Vor anderthalb Jahren hat sie ihren Dienst quittiert, Reiner Zieschank folgte Ende 2015. Aus dem Scherz wurde der Plan, mehr Bänke zu schaffen. Inzwischen gibt es ihren Rastplatz an der Elbe tatsächlich. Gestern haben die beiden ihn eingeweiht – als „Banksionäre“, wie Helma Orosz sagt.

Dabei blieben sie nicht alleine. Hans-Jürgen Credé gesellte sich zu ihnen. Der ehemalige Vorstand der DVB ist ebenfalls im Ruhestand und kam gern zum Probesitzen – eingeladen von Jörg Lämmerhirt. Ein Jahr lang hat der Ortsamtsleiter um die neue Bank am Kleinzschachwitzer Ufer gerungen. Damit sich die Mühe lohnt, ließ er zwei weitere Bänke aufstellen – eine an der sogenannten feuchten Kurve zwischen Laubegast und Kleinzschachwitz und eine rechtselbig, nahe der Bergbahn. Reiner Zieschank spricht von einer „Bankdichte“, die sich im Dresdner Osten inzwischen sehen lassen kann. Für die neuen Exemplare hat die DVB 1 500 Euro gespendet. „Aber Bank und Mülleimer bilden eine unlösbare Einheit“, erklärt Jörg Lämmerhirt. Aus dem Ortsamtsbudget zahlt er den Kauf der Abfallbehälter, ihre regelmäßige Leerung und das Aufstellen der Bänke.

Nicht erst seit gestern stehen sie an ihrem Platz. Doch um sie endlich zu feiern, braucht es Zeit, und die haben Rentner bekanntermaßen niemals. Bis sich alle auf den gestrigen Termin geeinigt hatten, verging eine Weile. Der „Rentnerstress“ sei zwar fast überstanden, sagt Reiner Zieschank, trotzdem ist sein Kalender nach wie vor voll. Allerdings hauptsächlich mit gut angereicherter Freizeit. „Jahrzehntelang hat man Freunde und Familie viel zu kurz gehalten, jetzt ist das anders“, sagt er. Warum auch ohne fettes Arbeitspensum und gesellschaftliche Verpflichtungen der Tag ausgelastet ist, liegt für alle drei Ruheständler auf der Hand: „Man tut Dinge langsamer und nimmt sich mehr Zeit dafür.“

Später aufstehen als früher und ausführlich Zeitung lesen, dafür nimmt sich Hans-Jürgen Credé endlich Zeit. Auch für Sport und vor allem für die Familie. Nun holt er öfter den Enkel von der Kita ab. Einige politische Verpflichtungen will er nicht plötzlich hinschmeißen. „Ohne Mitarbeiter im Rücken, dauert die Arbeit dafür aber viel länger als früher“, stellt er fest. Mehr Zeit für Tennis gönnt sich Reiner Zieschank, und mit seinem Motorrad hat er mal wieder Ausflüge gemacht. Zum „Abtrainieren“ führt auch er einige Aufgaben in Gremien weiter. Die ehrenamtliche Arbeit hilft, geistig fit zu bleiben, sagt er.

Auf diese Weise verscheucht auch Helma Orosz reichlich Ruhe. Dem Sonnenstrahl e.V., dem Kreuzchor, der Adenauer-Stiftung und dem Semperopernball e.V. schenkt sie Zeit. „Das Schöne ist: Ich kann aussuchen, was ich mache, und wenn etwas nicht klappt, dann bin allein ich dafür verantwortlich.“ Super funktioniert das Fahrradfahren. Helma Orosz hat es wieder für sich entdeckt, den Drahtesel aus dem Keller geholt und flottgemacht. Zur Bank-Einweihung kommt sie aus Loschwitz geradelt. „Bei diesem Wetter ist das einfach herrlich“, schwärmt sie. „Ich genieße diese freie Entfaltung, die ich jahrelang nicht hatte.“ Auch nach Pillnitz radelt sie oft, um ihre Mutter zu besuchen. Gut gehe es der Mutti nicht, erzählt Orosz. Doch immerhin sei sie stolze 96 Jahre alt. Gerade ziehen Tochter und Enkel nach Dresden.

Die Familien rücken zusammen. Das ist das Beste am Ruhen nach der Rastlosigkeit.