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Zwei beinahe unsichtbare Bewerber

Steffen Große und Ilias Papadopulos werben nicht mit Plakaten. Politische Botschaften haben sie trotzdem.

© SZ

Von Frank Seibel

Görlitz. Wahlzettel sind wie Wundertüten: Man staunt, was man da so alles entdecken kann. Bundesweit stehen am kommenden Sonntag rund 40 Parteien zur Wahl, von denen die meisten nur zu Wahlen auch tatsächlich in Erscheinung treten. Die meisten dieser Überraschungen tun sich bei den Zweitstimmen auf, also in der Rubrik, in der es um die Sitzverteilung im Deutschen Bundestag geht. Aber auch in der Spalte „Erststimmen“ gibt es zwei Entdeckungen, die im Wahlkampf allenfalls eine dezente Rolle spielen. Denn neben CDU, SPD, Grünen, FDP, Linke und AfD treten auch die Freien Wähler und die“ „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“ (Büso) mit je einem Direktkandidaten für den Wahlkreis 157 an.

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und Ilia Papadopulos.
und Ilia Papadopulos. © SZ

Die Freien Wähler sind eigentlich ein Phänomen der Lokalpolitik – wichtigster gemeinsamer Nenner ist eben die Parteiunabhängigkeit. Ein beliebtes Bekenntnis lautet: „Es geht nur um die Sache.“ Im Landkreis Görlitz sind die Freien Wähler damit die zweitstärkste Kraft im Kreistag und vielen Kommunalparlamenten, auch wenn sie vor Ort jeweils mit ganz eigenen Namen auftreten: „Zittau kann mehr“, „Bürger für Görlitz“, „Klartext“ in Weißwasser. Im Kreisverband der Freien Wähler sind sie vereint – und bis heute keine Partei. Daher kann eigentlich kein „Freier Wähler“ aus dem Landkreis Görlitz für den Bundestag kandidieren. Doch von Dresden aus hat sich in Sachsen eine zweite Ebene der Freien Wähler entwickelt. 2011, zwei Jahre vor der AfD, gründete sich die Landesvereinigung der Freien Wähler als reguläre Partei. „Es ging darum, auch bei der Gesetzgebung mitzuwirken“, sagt der Görlitzer Kreisvorsitzende Roland Maiwald. Und Gesetze werden nun mal im Landtag und im Bundestag beschlossen.

Im Landkreis Görlitz konnten sich die Mitglieder aber nicht entschließen, Teil dieser Partei zu werden. So kommt es, dass mit Steffen Große der Landesvorsitzende der Freien Wähler als Direktkandidat im Kreis Görlitz antritt, weil er für die Oberlausitz schwärmt. Große, im Oktober 1967 in Stralsund geboren, war ursprünglich Journalist und arbeitet als Referatsleiter im Kultusministerium. Große will Großes: einen „Masterplan“ für Ostsachsen, der trotz Bevölkerungsrückgang Schulen, Hochschulen, Sparkassen und den öffentlichen Nahverkehr bewahren und zukunftsfit machen will. „Der Landkreis Görlitz ist das Tor nach Südosteuropa und muss als solches viel stärker entwickelt werden. Dafür sind Milliardenbeträge nötig – auch mit Europa- und Bundesbeteiligung.“

Wer den Namen des zweiten „versteckten“ Kandidaten eingibt, stößt erst einmal auf einen Fußballspieler in Niedersachsen. Den Politiker Ilias Papadopulos findet man nicht – zumindest nicht mit seinem aktuellen Programm. Wenn man weit zurückgeht, findet man den Namen des Görlitzer Tierarztes noch in Verbindung mit „Bündnis 90/Die Grünen“. Ilia Papadopulos ist Tierarzt, und war viele Jahre lang in der Öko-Partei aktiv. Von der habe er sich entfremdet, als die Grünen mit Joschka Fischer an der Spitze Militäreinsätze im Ausland befürworteten, sagt er und nennt den früheren grünen Außenminister „von Amerika gekauft“.

Amerika-Kritik ist eines der wichtigsten Motive für den 63-jährigen gebürtigen Georgier. Dabei ist er „linker“ als etwa die „AfD“ und plädiert für höhere Steuern für Banken und für Reiche.