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Bautzen

Zwei, die sich einmischen

Bautzen hat erstmals eine besondere Auszeichnung vergeben. An zwei junge Frauen, die sich für andere engagieren.

Pauline Seeliger ist eine von zwei Preisträgerinnen der Bautzener Ratsmedaille. Die ehemalige Schülerin des Schiller-Gymnasiums erhielt die Auszeichnung für ihr gesellschaftliches Engagement. Sie setzte sich unter anderem für die Partnerschule des Gymnasi
Pauline Seeliger ist eine von zwei Preisträgerinnen der Bautzener Ratsmedaille. Die ehemalige Schülerin des Schiller-Gymnasiums erhielt die Auszeichnung für ihr gesellschaftliches Engagement. Sie setzte sich unter anderem für die Partnerschule des Gymnasi © Miriam Schönbach

Bautzen. Die Auszeichnung hat sie überrascht – und Lilly Roitsch und Pauline Seeliger sind sich einig: „Es gibt so viele Schüler, die sich genauso wie wir engagieren. Wir stehen stellvertretend für sie.“ Die beiden Schülerinnen wurden mit der zum ersten Mal vergebenen Bautzener Ratsmedaille für ihr gesellschaftliches Engagement geehrt. Vorgeschlagen wurden sie durch ihre Schulleiter.

Für die beiden Gymnasiastinnen steht derzeit alles auf Abschied und Neuanfang. Lilly Roitsch, Absolventin des Melanchthon-Gymnasiums, ist gerade nach Zinnowitz auf die Insel Usedom gezogen. Dort wird die 18-Jährige Schauspiel an der Theaterakademie Vorpommern studieren. Pauline Seeliger ist mit ihren Umzugskisten nach Jena gereist, um dort mit dem Medizin-Studium zu beginnen. „Es ist wichtig, mal über den Tellerrand zu schauen, sich auf Neues einzulassen und aus der Oberlausitz hinauszukommen“, sagt die 19-Jährige.

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Dieser Weitblick verbindet die beiden Ausgezeichneten genauso wie ihre Lust, andere mitzureißen. Lilly Roitsch hat sich auf vielen Bühnen ausprobiert, sie war Schüler-Sprecherin an ihrem Gymnasium und Chefredakteurin der Schülerzeitung. Ihre große Leidenschaft aber gehört dem Schauspiel. Mit 14 Jahren kam sie zum Theaterclub für junge Leute am Deutsch-Sorbischen Volkstheater. Über diesen Weg gelangt sie zum Theaterprojekt „Romeo und Julia auf der Platte“, einer Kooperation mit dem Steinhaus. Es ist eine Antwort auf die Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Flüchtlingen auf dem Kornmarkt im Spätsommer 2016. Für die heutige Schauspiel-Studentin ist das Projekt vor allem im Rückblick mit vielen neuen Erfahrungen verbunden. Denn auf der Bühne stehen deutsche, sorbische und geflüchtete Jugendliche mit mehr und weniger Schauspiel- wie auch Sprachkenntnissen sowie ihren eigenen Geschichten von Flucht, Ankommen, Diskriminierung. Ihre Shakespeare-Variante widmet sich weniger der Liebesgeschichte von Romeo und Julia als vielmehr dem Streit ihrer verfeindeten Familien. Für Lilly Roitsch war dieses Theaterprojekt ein Teil ihres vielfältigen gesellschaftlichen Engagements. „Wir sind alle Gesellschaft. Wenn man Probleme sieht oder jemanden etwas stört, muss man sich engagieren. Jeder baut und lenkt die Gesellschaft“, sagt sie.

Spendenaktion ins Leben gerufen

Auch aus diesem Grund handelt Pauline Seeliger schnell, als sie dieses Jahr im Frühjahr erste Bilder des verheerenden tropischen Wirbelsturms „Idai“ aus der mosambikanischen Stadt Beira sieht. „Auf einmal berichtet das Fernsehen über eine Region, die wir seit Jahren durch unsere Schulpartnerschaft kennen“, sagt die Bautzenerin. Nach dem ersten Kontakt ins weggespülte Krisengebiet weiß sie, dass es allen Bekannten gut geht, viele aber ihr Dach überm Kopf verloren haben. Auch in der Partnerschule ist aufgrund der Zerstörungen kein Unterricht mehr möglich. Es ist klar, die Freunde in 14 000 Kilometer Entfernung brauchen Hilfe. Gemeinsam mit ihrem Mitschüler Johann Olentisch – er ist inzwischen in Südafrika -– überlegt Pauline Seeliger nicht lange. Innerhalb ihrer Schule rufen sie eine Spendenaktion ins Leben, in jeder Klasse erzählen sie ihren Mitschülern von ihren Begegnungen mit den Jugendlichen in Ost-Afrika und ihrem Leben. Die Spendenaktion bringt 3 424 Euro. So zeigen sie, wie eine „Schulpartnerschaft auf Augenhöhe“ funktioniert.

Für das Medizin-Studium hat sich Pauline über einen langen Weg des Findens entschieden, Architektur, Jura, Kunstgeschichte oder Politik hätten sie auch interessiert. Übers erste Semester hinaus wollen Lilly Roitsch und Pauline Seeliger derzeit noch nicht nachdenken. Auch ihre Rückkehr in die Lausitz steht für sie noch in den Sternen. „Bautzen ist für mich der Ort, wo ich aufgewachsen bin und viel erlebt habe. Mit dem Begriff Heimat aber tue ich mich schwer“, sagt Schauspiel-Studentin Lilly. Auch Pauline will sich noch den Wind der großen Welt um die Nase wehen lassen. Aber, sagt sie, mindestens einen Grund gebe es, in die Lausitz zurückzukehren. Das seien ihre Großeltern.

Auch Lilly Roitsch – hier im Stück „Romeo und Julia auf der Platte“ – wurde ausgezeichnet.
Auch Lilly Roitsch – hier im Stück „Romeo und Julia auf der Platte“ – wurde ausgezeichnet. © PR