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Zwei gestohlene Figuren wieder da

Der Diebstahl von Statuten im Botanischen Blindengarten in Radeberg schlug hohe Wellen. Nun gibt es erste Ermittlungserfolge.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

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Der Garten ruft

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Radeberg. So richtig fassen kann es Gerold Augart noch nicht. Der Verwaltungsleiter im „Storchennest“ des Radeberger Taubblindendienstes hatte die Bronze-Figuren eigentlich schon sprichwörtlich abgeschrieben. In den vergangenen Wochen waren ja bekanntlich vier lebensgroße Tierfiguren aus dem Botanischen Blindengarten an der Pillnitzer Straße gestohlen worden, der zum Taubblindendienst gehört. Zumindest eine Figur – einen Raben – kann er nun wieder in den Händen halten. Neben dem Raben wurden auch noch ein Fuchs, eine Eule und eine Ente gestohlen.

Es sind dabei ganz besondere Figuren aus einem ganz besonderen Botanischen Garten. Denn der wendet sich in erster Linie an Taubblinde. Menschen also, die weder sehen noch hören können. Ihre einzige Möglichkeit, mit ihrer Umwelt Kontakt aufzunehmen, sind Berührungen. Die Betroffenen ertasten sich ihre Umgebung, verständigen sich per Fingerdruck. Im auch für Nichtbehinderte offenstehenden Botanischen Garten im Radeberger Süden können sich Blinde und Taubblinde dabei auf den immerhin 1,5 Kilometer langen Parkwegen auch ohne Begleitung bewegen. Ein Leitsystem macht das möglich, aus durchgehendem Handlauf, tastbaren Symbolen und Hinweisen in Punkt-Schrift. Der Garten ist mit besonders stark duftenden Gewächsen bepflanzt – mit Pflanzen, die auch ertastet und berührt werden können. Dieses Gesamtkonzept macht ihn zum einzigen Botanischen Garten seiner Art in ganz Europa. Die Bronze-Tierfiguren spielen hier eine wichtige Rolle. Denn auch sie können von den taubblinden Besuchern erspürt und ertastet werden. Der Verlust schmerzt damit also nicht allein aus finanzieller Sicht. „Alles in allem rechnen wir mit rund 7 000 Euro Schaden“, sagt Gerold Augart. Und hat nun vorsorglich auch alle anderen Figuren aus dem Garten entfernt.

Dank und Bitte an Schrotthändler

Zwei gestohlene Tierplastiken sind nun wieder aufgetaucht. Damit konnte die Kriminalpolizei einen ersten Erfolg bei der Aufklärung dieses dreisten Raubs feiern. „Ganz offensichtlich waren ortsansässige Metalldiebe am Werk, die die Tierfiguren nun bei verschiedenen Schrotthändlern zu Geld gemacht haben“, so Polizeisprecher Thomas Knaup. Nicht auszuschließen, dass auch noch die restlichen der vier Figuren irgendwo zum Kauf angeboten werden, fügt er an.

Und auch dann hofft die Polizei wieder auf aufmerksame Altmetallhändler. Denn als die Figuren jetzt bei zwei Firmen verkauft worden waren, wurden den Händlern aufgrund zahlreicher Medienberichte über den Fall schnell klar, dass es sich hier um Figuren aus dem Raub handeln muss. Sie schalteten umgehend die Polizei ein; „und aufgrund der Hinweise geriet dann ein aus der Region stammender Mann als Tatverdächtiger in den Fokus der Ermittlungen“, so Thomas Knaup. Wirklich reich sei der Mann durch den Verkauf übrigens nicht geworden, „er hatte die Beute nur für einen Bruchteil des eigentlichen Werts zu Bargeld gemacht“.

Näheres zum Tatverdächtigen will die Polizei vorerst allerdings nicht mitteilen. Mit Blick auf die weiterhin mit Hochdruck laufenden Ermittlungen und mutmaßliche Komplizen, begründet der Polizeisprecher. Man gehe einer heißen Spur nach.

Immerhin, den Raben konnte die Polizei nun dem Taubblindendienst fast unversehrt zurückgeben. Die mehrere Kilogramm schwere Fuchs-Plastik – die ebenfalls bei einem Händler landete – war vom Tatverdächtigen zwischenzeitlich allerdings bereits in mehrere Teile zersägt worden, bedauert Polizeisprecher Thomas Knaup.