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Leben und Stil

Wurstproduktion nach Todesfällen gestoppt

Zwei Menschen in Hessen sterben nach dem Verzehr von Wurst. Die Behörden schließen den Betrieb. Produkte der Firma sind allerdings noch im Umlauf.

© Symbolbild/Rolf Vennenbernd/dpa

Korbach/Twistetal. Die Behörden haben nach zwei Todesfällen durch Keime in Fleischwaren die Produktion eines Wurstherstellers in Nordhessen vorläufig geschlossen. Das Veterinäramt des Landkreises Waldeck-Frankenberg habe gegen das Unternehmen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren entsprechende Schritte eingeleitet, teilte der Kreis am Mittwoch mit. Monatelang seien in Wurstprodukten der Firma Listerien nachgewiesen worden.

Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts (RKI) habe einen unmittelbaren Zusammenhang zu zwei Todesfällen - zwei ältere Menschen aus Hessen - ergeben. Zuvor hatte die Hessische-Niedersächsische Allgemeine (HNA) über den Fall berichtet.

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Das Unternehmen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren teilte mit, "alle im Unternehmen hergestellten Erzeugnisse mit sämtlichen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdaten" würden zurückgerufen. Die betroffenen Waren seien durch das ovale Kennzeichen "DE EV 203 EG" eindeutig zu identifizieren. Die Artikel könnten gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben werden.

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Für gesunde Menschen sind Listerien kein Problem

Listerien sind in der Natur häufig vorkommende Bakterien. Nur sehr wenige Menschen, die diese aufnehmen, erkranken an der sogenannten Listeriose. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für abwehrgeschwächte Personen: Neugeborene, alte Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Transplantierte und Schwangere. Bei ihnen und bei Ungeborenen kann Listeriose zum Tod führen.

Laut dem Landkreis wurden die Keime in Pizzasalami und Brühwurst nachgewiesen. Den ersten Fund in einem Wilke-Produkt habe es im März in Hamburg gegeben. "Das ist unserer Lebensmittelüberwachung gemeldet worden", sagte Kreissprecher Hartmut Wecker. Die Behörden hätten dann Proben in dem Betrieb genommen und eine Grundreinigung angeordnet. Das habe nicht geholfen. "Deswegen war es jetzt notwendig, den Betrieb zu schließen, um Quelle und Keimherd zu finden." Denn wie die Listerien in die Wurst kamen, sei weiter unklar.

Von den zwei Todesfällen in Südhessen habe man kürzlich erfahren, sagte Wecker, ohne einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. Man habe dann schnell reagiert. "Da ist nicht lange abgewartet worden."

37 weitere Krankheitsfälle im Fokus der Ermittlungen

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Todesfälle mit Wilke-Produkten in Zusammenhang stehen, liegt laut Gutachten bei 99,6 Prozent. Es gebe zudem 37 weitere Krankheitsfälle, die möglicherweise mit den Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stünden. Auch die Staatsanwaltschaft Kassel wurde eingeschaltet. Eine Sprecherin der Behörde erklärte, dass man aber mangels näherer Informationen derzeit keine Auskünfte geben könne.

Bereits am Dienstagabend sei eine Rückrufaktion angeordnet worden, so der Kreissprecher. Betroffen sind sämtliche Produkte mit Ausnahme von Vollkonserven. Die Menge kann der Landkreis nicht abschätzen. Es handele sich allerdings um einen sehr großen Betrieb, der in alle Bundesländer, aber auch weltweit geliefert habe. "Nach unseren Erkenntnissen haben Altenheime und Krankenhäuser über Großhändler auch Produkte von Wilke bezogen." Eine Liste der betroffenen Produkte soll es vorerst nicht geben, da alle Fleischwaren auch unter dem Firmennamen verkauft würden.

Das Unternehmen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren geht nach eigenen Angaben auf eine Dorfmetzgerei vor mehr als 80 Jahren zurück. Die Firma beschäftigt nach Zahlen auf ihrer Homepage rund 200 Mitarbeiter. (dpa)