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Zweifel an der Terror-Anklage

Ein syrischer Flüchtling behauptet, an der Entführung von Journalisten beteiligt gewesen zu sein. Aber hat es die Geiselnahme wirklich gegeben?

© A. Schneider

Von Karin Schlottmann

Dresden. Dreimal ging Nasser A. in Chemnitz zur Polizei, um sich anzuzeigen. Er sei ein Terrorist, ein Kämpfer der islamistischen Jabhat al-Nusra-Front. Die Beamten nahmen ihm die Geschichte nicht ab, hielten ihn vermutlich für einen Angeber. Erst nach mehreren Anläufen interessierten sich die Ermittler für seine Geschichte. Sie verhörten ihn und schalteten die Staatsanwaltschaft ein. Seit Februar dieses Jahres sitzt der 25-Jährige in Dresden in Untersuchungshaft.

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In dem Prozess wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung schweigt der Angeklagte. Seinen Vernehmungsbeamten soll er FacebookFotos gezeigt haben, auf denen er als Kämpfer mit umgehängtem Patronengurt vor einer Al-Nusra-Flagge zu sehen ist.

Bei der Beweisaufnahme ist das Oberlandesgericht Dresden vor allem auf Gutachten und Sachverständige angewiesen. Zeugenaussagen aus der Bürgerkriegsregion Syrien liegen nicht vor. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die von dem Angeklagten behauptete Entführung ausländischer Journalisten überhaupt stattgefunden hat. Im Ermittlungsverfahren hat sich Nasser A. beschuldigt, als Mitglied einer Kampftruppe im Sommer 2014 an der Entführung von drei ausländischen Journalisten beteiligt gewesen zu sein. Tatsächlich wissen Organisationen wie Reporter ohne Grenzen oder die Stiftung für Wissenschaft und Politik nichts von dieser Geiselnahme. Ein Beamter des Bundeskriminalamtes, der am Freitag als Zeuge aussagte, bestätigte zwar, dass der Terrorgruppe Jabhat al-Nusra Lösegeld-Erpressungen zugeschrieben werden. Die Gruppe, die sich inzwischen umbenannt hat, sei zudem für Hunderte Terroranschläge in der Region verantwortlich. Ihr Ziel sei es, Assad zu stürzen und einen islamistischen Staat zu errichten. Erkenntnisse über die Gefangennahme ausländischer Journalisten in dem Zeitraum seien dem BKA aber nicht bekannt.

Schilderungen des Angeklagten über seine dreiwöchige Grundausbildung in der Nähe seines Geburtsortes Deir ez-Zor im Osten Syriens entsprechen nach Angaben des Beamten allerdings den Erkenntnissen deutscher Behörden. Allerdings gibt es im Internet auch Videos über die Ausbildungslager der Al-Nusra-Front, die sich der Angeklagte angesehen haben könnte, um seine Selbstanzeige überzeugend zu formulieren. Sein Verteidiger Ulf Israel schließt es nicht aus, dass der Syrer am nächsten Verhandlungstag aussagen wird.