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Döbeln

Zweiklassengesellschaft im Bus

In Döbeln gelten sehr unterschiedliche Tarife, manche Anbindungen sind schlecht. Die Ortschafträte wollen das ändern.

Wer mit dem sogenannten kleinen Stadtverkehr unterwegs ist, zahlt zum Teil deutlich weniger als die Bewohner der Ortsteile. Ein Einzelfahrschein für den Stadtverkehrsbus ist für 1,80 Euro zu haben. Das Ticket innerhalb einer „normalen“ Tarifzone kostet 2,
Wer mit dem sogenannten kleinen Stadtverkehr unterwegs ist, zahlt zum Teil deutlich weniger als die Bewohner der Ortsteile. Ein Einzelfahrschein für den Stadtverkehrsbus ist für 1,80 Euro zu haben. Das Ticket innerhalb einer „normalen“ Tarifzone kostet 2, © Dietmar Thomas

Döbeln. Beim Busverkehr ist Döbeln zweigeteilt. Wer mit dem sogenannten kleinen Stadtverkehr unterwegs ist, zahlt zum Teil deutlich weniger als die Bewohner der Ortsteile. Ein Einzelfahrschein für den Stadtverkehrsbus ist für 1,80 Euro zu haben. Das Ticket innerhalb einer „normalen“ Tarifzone kostet 2,20 Euro. Für manche Fahrgäste wird es sogar noch teurer. „Es wäre eine Frage der Gerechtigkeit, dass alle Ortsteile zum gleichen Tarif fahren könnten“, sagte Ortsvorsteher Arndt Patzig in der Sitzung des Ortschaftsrates Ziegra.

Die Ortsteile um Ziegra sind in einer besonders schlechten Position. Sie gehören einer anderen Tarifzone als der Rest von Döbeln an. Jedes Überfahren einer Tarifgrenze erhöht den Fahrpreis. Für eine Fahrt von Ziegra, Limmritz oder Stockhausen nach Döbeln werden sogar 3,60 Euro für einen Einzelfahrschein fällig. „Wenn eine größere Familie nach Döbeln fahren will, muss sie erst mal einen Kleinkredit aufnehmen“, sagte Patzig lakonisch. Selbst bei einer Fahrt von Töpeln in das nur zwei Kilometer entfernte Schweta wird der höhere Preis fällig, weil die Zonengrenze überschritten wird.

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Es sei wünschenswert, den ländlichen Raum zu stärken und die Leute in den Bus zu bekommen, meinte Patzig. Das würde auch die Parkplatzsituation in der Döbelner Innenstadt entlasten. Der Ziegraer Ortschaftsrat will sich dafür stark machen, dass auch in den Ortsteilen der günstige Stadtverkehrstarif gilt.

Die Bewohner der Ortsteile um Mochau fahren günstiger in die Stadt, nämlich für 2,20 Euro pro Einzelfahrt. Aber auch hier sieht Ortsvorsteher Ralph Zschörper Verbesserungsbedarf. „Es wäre gut, wenn eine Linie von Döbeln über Mochau und Großsteinbach führen würde“, sagte Zschörper. Es gibt bisher keine direkte Anbindung des Gewebegebiets Am Fuchsloch, wo mehrere Hundert Menschen in Firmen arbeiten. „Diese Busverbindung würden bestimmt viele Mitarbeiter nutzen“, sagte Zschörper. Die nächste Bushaltestelle sei die in Juchhöh, die von den Bussen in Richtung Choren angefahren wird.

Auch für einige kleine Orte würde sich Zschörper eine bessere Anbindung wünschen. Diese würden in der Regel nur vom Schulbus bedient – und in den Ferien noch nicht einmal das. „Vielleicht könnte man dort kleinere Busse fahren lassen. Ein- oder zweimal in der Woche würde vielleicht schon reichen“, sagte der Ortsvorsteher.

Bei der Stadtverwaltung stoßen die Ortschaftsräte mit ihrem Anliegen auf offene Ohren. „Das ist auch unser Wunsch und wir werden da nicht lockerlassen“, sagte Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU). Zuständig für Tarife und den Personennahverkehr ist der Verkehrsverbund Mittelsachen (VMS). Liebhauser will die Döbelner Forderungen über den Landkreis Mittelsachsen an den Verband herantragen.

Vorschläge in dieser Richtung hatte es schon vor sieben Jahren gegeben, als die Ortsteile um Ziegra nach Döbeln eingemeindet wurden. Darüber gibt es sogar eine Bestimmung in der Eingliederungsvereinbarung. Dort heißt es unter anderem: „Es ist darauf hinzuwirken, dass auch für die eingemeindeten Ortsteile der Tarif für Stadtverkehr zur Geltung kommt.“ In der Vereinbarung mit Mochau gibt es eine ähnliche Klausel. Man wolle daraufhinwirken, dass „bedarfsgerechte Nahverkehrsverbindungen geschaffen werden“.

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