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Zweimal am Tag auf der Anklagebank

Eine Neustädterin war wegen eines Verkehrsdelikts angeklagt. Sie hatte schon einmal einen tödlichen Unfall verursacht.

© dpa

Von Yvonne Popp

Neustadt. Für eine junge Mutter kam es knüppeldick. Am Amtsgericht in Pirna musste sie sich kürzlich gleich zwei separaten Verfahren wegen Körperverletzung stellen. Beide Anklagen hatten aber unterschiedliche Hintergründe. Die erste resultierte aus einem Auffahrunfall, die zweite aus einer Auseinandersetzung mit der neuen Freundin ihres Ex-Partners.

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Im ersten Fall war die Neustädterin laut Staatsanwaltschaft am Nachmittag des 13. Februar dieses Jahres mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, als sie von Fischbach kommend auf der Staatsstraße S159 in das Heck eines vor ihr fahrenden Daewoo krachte. Dessen zwei Insassinnen – eine davon hochschwanger – erlitten Prellungen, die Fahrerin zudem ein Schleudertrauma. Per Strafbefehl war die Angeklagte deswegen bereits zu einem dreimonatigen Fahrverbot und zur Zahlung von 2 000 Euro verurteilt worden. Dagegen hatte die Frau allerdings Einspruch erhoben.

Sie sei nicht zu schnell unterwegs gewesen, beteuerte sie vor Gericht. Sie habe den Kreisverkehr, wo die S159 auf die Bundesstraße B6 trifft, ganz normal passiert, erklärte sie. Danach sei sie mit etwa 80 km/h auf der S159 weiter gefahren. Erlaubt ist dort Tempo 100. In einer Senke war dann plötzlich der Daewoo vor ihr aufgetaucht. „Ich konnte es einfach nicht mehr erbremsen“, räumte sie ein.

Ohnehin ging es der Deutschen nicht um die Frage der Schuld, sondern lediglich um eine Aufhebung des Fahrverbots. Für sie als Altenpflegerin im ambulanten Dienst würde der Entzug des Führerscheins die Kündigung nach sich ziehen, erläuterte sie dem Gericht.

Auch wenn die vorsitzende Richterin Verständnis für die Lage der 28-Jährigen hatte, konnte sie vom Fahrverbot nicht absehen. „Dem immensen Schaden nach zu urteilen, müssen sie mit sehr hoher Geschwindigkeit in das gegnerische Auto gekracht sein“, begründete sie diese Entscheidung. Dazu kommt der Umstand, dass die Angeklagte erst wenige Jahre zuvor einen Verkehrsunfall verursacht hatte, bei dem ein Kind ums Leben gekommen war. Neben einer Geldstrafe wurde damals ein zweimonatiges Fahrverbot verhängt. Das könne man jetzt unmöglich unterschreiten, erklärte Richterin Simona Wiedmer. Die Geldstrafe jedoch passte sie den finanziellen Verhältnissen der Alleinerziehenden an und setzte diese in dem Gerichtsverfahren von 2 000 auf 1 200 Euro herab.

Doch das war nicht der einzige Gerichtstermin für die Neustädterin an diesem Tag. Das zweite Verfahren, das gut eine Stunde nach Abschluss des ersten am Amtsgericht stattfand, verlief dann günstiger für die Angeklagte. Es wurde bei Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 300 Euro eingestellt, nachdem sie zugegeben hatte, am ersten April dieses Jahres ihre ehemalige Freundin, die nun die neue Frau an der Seite ihres Ex-Partners ist, auf dem Parkplatz vor dem Neustädter Freizeitbad Mariba ins Gesicht geschlagen zu haben. Dem vorangegangen waren monatelange Provokationen, bei denen sich die Kontrahentinnen in nichts nachgestanden hatten.

Um weitere Zwischenfälle dieser Art zu vermeiden, sollen beide Frauen, aber auch der Ex-Partner der Angeklagten nun an einem Täter-Opfer-Ausgleich teilnehmen. Dabei wird unter Anleitung eines Psychologen das Geschehene aufgearbeitet und der Konflikt hoffentlich beigelegt.