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Zweimal Kampf um die Krone

Seit 70 Jahren wird in Luga schon der Maibaum geworfen. Dabei dürfen heutzutage sogar schon die Kinder ran.

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© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Der Maibaum ist besonders hoch in diesem Jahr. Das ist dem Anlass angemessen. Denn die Lugaer feiern das 70. Maibaumwerfen. Der Brauch fand in all den Jahren statt, ohne dass es einen einzigen Ausfall gegeben hätte. Das ist schon bemerkenswert, findet Kay Krüger, Vorstandsmitglied des Clubs Wittinghof, der die Veranstaltung seit 1993 organisiert. Von denen, die damals im Jahr 1946 mit dabei waren, ist nur noch eine Einwohnerin am Leben. Die fast 90-jährige Elsbeth Jagel war damals die Maienkönigin. Leider wird sie aus gesundheitlichen Gründen wohl bei der Jubiläumsveranstaltung nicht dabei sein können. Das ist schade, denn Alexander Schkade hat extra zu diesem Anlass eine Präsentation erarbeitet, die einen Rückblick bietet auf sieben Jahrzehnte Maibaumwerfen in Luga. Über ein halbes Jahr hat er zu diesem Thema recherchiert.

Ein Reserve-Exemplar für alle Fälle

Dass es gelungen ist, die alte Tradition über so viele Jahrzehnte am Leben zu erhalten, führt Alexander Schkade darauf zurück, dass die Dorfgemeinschaft in Luga noch intakt ist. Das Fest zu organisieren sei jedes Jahr eine Herausforderung. Aber da man viele Leute ansprechen kann, die dann mit an einem Strang ziehen, obwohl sie gar nicht Mitglied im Club sind, sei es immer wieder zu stemmen gewesen. So eine langjährige Tradition dürfe man einfach nicht sterben lassen.

Zur Tradition gehört es natürlich auch, dass der Maibaum bewacht werden muss. Denn ein alter Brauch besagt, dass sieben Jahre lang kein Maibaum gestellt werden darf, wenn er abgesägt wurde und bis zum Morgen des 1. Mai kein neuer besorgt werden kann. Aber für den Fall der Fälle hatten die Lugaer mit einem Reserve-Exemplar vorgesorgt. Der diesmal besonders prächtige Maibaum ist mit seinen 24 Metern der größte, den die Lugaer wohl jemals hatten. Den hatten die Clubmitglieder bereits im Februar im Wald bei Milkel selbst geschlagen. In der Zwischenzeit ist er ein wenig getrocknet. Er sei aber, so versichern Kay Krüger, Alexander Schkade und Ralf Domaschk, immer noch ziemlich schwer gewesen, als sie ihn am 30. April aufstellten. Dies geschieht, so betonen die drei, ausschließlich per Muskelkraft. Das Prachtexemplar wurde zwei Meter tief in die Erde eingegraben. Der Kranz, der an der Spitze gefestigt ist, hat einen Durchmesser von 1,50 Metern.

Maibaumwerfen für Kinder

Was nun das Maibaumwerfen betrifft, so gibt es in Luga mehrere Besonderheiten. Denn während das Ereignis in anderen Orten am Sonntag zelebriert wird, findet es in Luga bereits am Sonnabend statt, dafür aber spätabends. Das habe sich als sinnvoll erwiesen, weil am Sonntag immer mehr Leute wegblieben, weil sie am nächsten Tag zur Arbeit fahren mussten. Die zweite Besonderheit in Luga ist, dass es hier seit fünf Jahren sogar ein Maibaumwerfen für die Kinder gibt. Für sie wird ein kleinerer Maibaum aufgestellt, dessen Kranz einen Durchmesser von einem Meter hat. Zum Kinder-Maibaumwerfen kommen die Knirpse aus der Neschwitzer Kita Max und Moritz, die auch um den Maibaum tanzen und ein Maienkönigspaar küren. Und die Kleinen bekommen von den Clubmitgliedern als kleines Dankeschön sogar ein Spielzeug geschenkt.

Kinder-Maibaumwerfen am Sonnabend 18 Uhr. 19 Uhr ist Kinderdisco und 20 Uhr beginnt die Tanzparty mit DJ Dave. Um 23 Uhr wird der große Maibaum geworfen.