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Zweisprachigkeit als Normalität

Königswartha gehört mitten ins sorbische Siedlungsgebiet. Für gute Ausschilderung bekam die Gemeinde jetzt sogar einen Preis.

© Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

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Königswartha. Eigentlich wollte sich der Königswarthaer Bürgermeister Swen Nowotny gar nicht am Wettbewerb „Sprachenfreundliche Kommune - Die sorbische Sprache lebt“ beteiligen. „Ich finde, dass es dazu keinen Wettbewerb braucht, wenn man sorbische Sprache und Kultur fördern und beachten will“, sagt er. Selbst kann Nowotny kein Sorbisch, aber er erinnert sich noch gern an seine Kinderzeit bei den Großeltern, die Sorbisch miteinander sprachen. „Leider habe ich die Sprache nicht gelernt. Das bereue ich manchmal“, sagt Nowotny.

Dass sich die Gemeinde Königswartha dann doch an dem Wettbewerb, der zum dritten Mal durch den Rat für sorbische Angelegenheiten im Freistaat Sachsen initiiert wurde, beteiligte, hat einen einfachen Grund. „Ich habe gemerkt, dass sich nur wenige der 42 möglichen Kommunen beteiligt haben. Aber eigentlich ist es ja eine gute Sache, wenn man beweisen kann, wie unsere Gemeinde dasteht“, sagt Swen Nowotny. Dennoch war er überrascht, einen zweiten Platz erreicht zu haben.

Straßenschilder überprüft

Gemeinsam mit der Domowina Ortsgruppe Commerau/Königswartha hat sich die Verwaltung überlegt, ob die Gemeinde auch öffentlich alles dafür tut, um die sorbische Bevölkerung gleichberechtigt zu behandeln. Eine im Rathaus tätige Praktikantin hat zum Beispiel in den Dörfern geschaut, inwieweit Straßenbezeichnungen zweisprachig sind oder wo vielleicht noch Schilder fehlen. Das wurde dann auch mit der Domowina ausgewertet. „Wir stehen da ganz gut da“, sagt Nowotny. Es würde nur noch ein paar Stellen geben, an denen etwas verändert werden muss. „Das wollen wir nach und nach verändern“, sagt der Bürgermeister. Die größten Defizite hätte Wartha. Die Ursache liegt wohl noch in der Eingemeindung des Ortes vor vielen Jahren.

Doch nicht nur mit den Straßenschildern kann Königswartha punkten. Auch die zweisprachige Hinweistafel im Rathaus wurde erst kürzlich erneuert. „Mir wird in letzter Zeit oft bestätigt, dass die Bürger merken, dass wir es ernst nehmen und nicht nur als Formalie ansehen“, sagt Swen Nowotny. Deshalb auch wurde nun in Absprache mit der Domowina eine neue Satzung zur Wahrung, Förderung und Entwicklung der sorbischen Sprache und Kultur in der Gemeinde Königswartha erarbeitet. Der Gemeinderat hat sie am Mittwoch mehrheitlich bestätigt.

Und wie ist das mit der Sprache?

Gemeinderätin Kornelia Helm (Linke) hatte allerdings einige Anmerkungen. Sie fragte zum Beispiel, wie viele Gemeindemitarbeiter Sorbisch sprechen, denn in Paragraf 6 steht das Recht der sorbischen Mitbürger, sich im Rathaus in ihrer Sprache zu äußern. Wenn jedoch niemand diese Sprache spricht und die Amtssprache sowieso Deutsch ist, müsse das auch nicht in der Satzung stehen. Allerdings, und auch das wurde mit der Domowina beraten, steht dieses recht genauso im Sorbengesetz. „Wenn jemand dies nutzen will, würden wir einen Dolmetscher holen“, so Nowotny.

Da für Kornelia Helm auch der Punkt der Förderung der Kultur nicht mehr weit genug ging in der neuen Satzung, stimmte sie gegen die Neufassung. Dass es noch keinen Sorbenbeauftragten in der Gemeinde gibt, hat dagegen niemanden gestört. „Wir sind da schon mit jemandem im Gespräch“, sagt Swen Nowotny. Für ihn sei der Umgang im täglichen Leben mit den sorbischen Gegebenheiten keine große Sache. „Ich finde, das ist eine Frage der inneren Einstellung.“