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Zweiter Anlauf zur Rettung der Lok

Weil die Zeit drängte und Hilfe fehlte, erklärte der Bautzener Stadtrat Heinrich Schleppers die Aktion für gescheitert. Jetzt gibt es wieder Hoffnung.

© Uwe Soeder

Von Madeleine Arndt

Bautzen. Manche Dinge vermisst man erst, wenn sie verschwinden sollen und dann ist es oft schon zu spät. So ähnlich verhält es sich mit der alten Reichsbahnlok Nummer 52 8056 auf dem Bahnhofsvorplatz. Seit drei Jahrzehnten steht sie dort bei Wind und Wetter und gehört irgendwie zum Inventar der Spreestadt. Weil der Grund und Boden, auf dem sich der 136 Tonnen schwere Stahlkoloss befindet, gerade den Besitzer wechselt, muss die Lok nun weg. CDU-Stadtrat Heinrich Schleppers bemühte sich in seiner Freizeit um die Umverlegung der alten Dame, wollte das Wahrzeichen für Bautzen erhalten. Dann gab er in der vergangenen Woche überraschend auf. Der Aufschrei unter den Fans der Dampflokomotive war groß. Nun gibt es eine zweite Chance. Ein Grund dafür ist die zunehmende Einsatzbereitschaft der Bautzener.

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Heinrich Schleppers © Robert Michael

Eine Welle der Hilfsbereitschaft habe sich in den letzten Tagen gebildet. „Ich war baff“, berichtet Heinrich Schleppers. Bei den vielen Gesprächen, die er seither geführt habe, habe es nur einen Tenor gegeben: „Die 52 8056 darf nicht weg.“ Der Rückhalt der Bautzener gab dem Stadtrat neue Energie: „Ich mache weiter. Es laufen jetzt sehr viele Dinge an, die ich versuche, zu koordinieren“, sagt Schleppers. Sein Ziel ist es, die Lok mithilfe eines Schwertransporters zu einer anderen Stelle zu transportieren. Von der Deutschen Bahn bekam der Bautzener bereits grünes Licht für eine Fläche an der Packhofstraße. Auch würden die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde die Lok kaufen und sich um die Pflege der Maschine kümmern. Dass der Platz nicht ideal ist, weiß Heinrich Schleppers. Auf der Packhofstraße kommt man nicht gerade zufällig lang, sondern wer die Lok sehen will, muss den möglichen neuen Standplatz gezielt ansteuern. Viele Eisenbahnfans, die unter anderem an dieser Stelle auch Vandalismusschäden befürchten, wollen die Lok in Bahnhofsnähe halten. Die Perfecta-Brache war unter anderem ein Vorschlag.

Egal wohin die Reise des technischen Denkmals letztlich geht, ob in ein Museum, ein Depot, in eine andere Stadt oder doch an einen anderen Fleck in Bautzen – eines steht seitens der Deutschen Bahn, der die Lok noch gehört, inzwischen fest: „Die Lok wird nicht verschrottet“, erklärt Erika Poschke-Frost von der Pressestelle der Deutschen Bahn. Es werde weiter nach Möglichkeiten gesucht, ihren Erhalt zu sichern. „Hierzu ist eine enge Abstimmung mit dem Käufer, der Stadt Bautzen und allen weiteren zuständigen Behörden erforderlich“, so die Bahnsprecherin.

Frist verlängert

Die Bautzener Stadtverwaltung hält sich aus dem Thema eher raus. Ein direktes Gespräch zwischen Stadt und Bahn habe es dazu nicht gegeben, sagt Bautzens Stadtsprecher André Wucht. „Wir haben einvernehmlich mit Herrn Schleppers vereinbart, dass er sich um das Projekt bemühen möchte.“ Und den Stadtrat hat neben den vielen positiven Reaktionen aus der Bevölkerung jetzt eine weitere Sache beflügelt. Denn inzwischen ist das Investunternehmen Drews & Lucas den Bemühungen von Heinrich Schleppers ein Stück entgegen gekommen. Ursprünglich haben die Bautzener Investoren gefordert, dass die Dampflok bis Ende Juli entfernt wird. Jetzt wurde die Frist verlängert. Das Zeitfenster zur Umsetzung habe sich bis Ende September vergrößert, informiert André Wucht aus der Stadtverwaltung. Das Unternehmen Drews und Lucas plant, das marode Bahnhofsgebäude und das umliegende Gelände von der Deutschen Bahn zu übernehmen und zu sanieren. Unter anderem soll der Landkreis mit einem Teil seiner Verwaltung anschließend als Hauptmieter das Gebäude beziehen. Für etwa 250 Mitarbeiter will der Landkreis 4000 Quadratmeter im aktuell fast ungenutzten Bahnhof anmieten. Der Einzug ist für das Jahr 2019 vorgesehen. Bis dahin gilt es, das marode Haus in Schuss zu bringen. Für die Bauarbeiten steht jedoch die Dampflok im Weg.

Aufsehenerregende Aktion

Die Nummer 52 8056 ist eine Reichsbahndampflok, die in den 40er Jahren in Wien gebaut wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben etwa 1500 solcher Kriegslokomotiven übrig. In der DDR rekonstruierte man später die besten Zweihundert und verschrottete den Rest. „Die Nummer 8056 war die erste rekonstruierte Dampflok, die ins Bahnbetriebswerk Bautzen gekommen ist“, erklärt Alfred Simm, Vorsitzender der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde. Ende der 80er-Jahre musste die Zugmaschine wegen eines Kesselrisses aus dem Verkehr gezogen werden. Bis dahin hatte sie mehr als zwei Millionen Kilometer auf den Schienen zurückgelegt.

Als das Bahnbetriebswerk im Frühjahr 1988 mit einer großen Abschiedsfahrt die Dampflokära beendete, kam es zur Idee, mit der 52 8056 dieser Zeit ein Denkmal zu setzen. In einer aufsehenerregenden Aktion zogen die Eisenbahner das ausgediente Stahlross auf die Ausstellungsrampe. Heute ist die Lokomotive in der Liste der sächsischen Kulturdenkmale mit verzeichnet. Auch wird sie auf der Dampfbahnroute Sachsen international beworben.