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Zweites Leben für das Pinguin-Café

Der Zoo-Imbiss muss einem Neubau weichen. Anstatt ihn abzureißen, soll er zerlegt und wiederaufgebaut werden.

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© Sven Ellger

Von Sandro Rahrisch und Annechristin Bonß

Neun Uhr morgens stellen sich die ersten Zoobesucher zum Frühstück an und warten auf frische Brötchen. Nach nur zwei Monaten ist das neue Pinguin-Café am östlichen Rand des Zoos zu einem beliebten Imbiss geworden, wie die SZ im August 1973 berichtet. Rund 400 Portionen reichen die Mitarbeiter mittags aus. Heute, nach 43 Jahren, nähert sich das Ende des beliebten Pavillon-Imbisses.

Bereits 1976 haben Familien die Pinguine und das angrenzende Pinguin-Café im Dresdner Zoo besucht.
Bereits 1976 haben Familien die Pinguine und das angrenzende Pinguin-Café im Dresdner Zoo besucht. © Archiv

Noch in diesem Jahr will der Zoo damit beginnen, an derselben Stelle ein neues Café zu bauen. Das soll vor allem mehr Plätze bieten, sagt Zoo-Geschäftsführer Karl-Heinz Ukena. „Die Aufteilung des alten Pinguin-Cafés war ungünstig, der Küchen- und Lagerbereich größer als der Gastraum.“ In Zukunft sollen drin 120 Gäste Platz finden, etwa doppelt so viele wie im alten Gebäude. Der Bauantrag ist im April eingereicht worden und könnte im Sommer genehmigt werden, hofft Ukena. Betreiber wird die Elbezeit-Gastronomie, die bereits die Passagiere auf den Dampfschiffen und am Flughafen versorgt. Was mit dem alten Pinguin-Café passieren wird, ist unklar. Die Stadt will den Flachbau vor einem Abriss retten. „Ganze Generationen kennen den Pavillon“, sagt Bernhard Sterra, Abteilungsleiter im Denkmalschutzamt. Solche architektonischen Zeugnisse aus DDR-Zeiten gebe es nur noch sehr wenige, in Dresden gar nicht. Mit der gefalteten Dachkonstruktion und den Stützen, die den Raum bilden, sei der Pavillon ein Beispiel für die architektonische Rezeption der internationalen Moderne und der Modulbauweise. Der Pavillon soll nun abgebaut und im Lapidarium in der Nürnberger Straße in seinen Einzelteilen gelagert werden. Dafür arbeitet die Stadt mit einer TU-Studentin zusammen, die eine Arbeit zum Zerlegen und Lagern anfertigt. Es geht um das Öffnen der Schweißnähte. Im Spätherbst könnte der Abbau beginnen.

Ein knapper Zeitplan. Denn im Herbst soll im Zoo schon Baufreiheit geschaffen werden. Einem Abbau steht Karl-Heinz Ukena aufgeschlossen gegenüber, solange dadurch die Arbeiten nicht verzögert werden. „Einen Monat würden wir für den Abbau warten, ein halbes Jahr aber nicht.“ Er will, dass der neue Imbiss pünktlich zu Beginn der neuen Saison im Frühjahr öffnet. Das Café sei ein Einnahmefaktor für den Zoo. Das Landesdenkmalamt hatte das Café Ende 2015 auf die Denkmalliste gesetzt, wodurch ein Abriss nicht ohne Weiteres möglich gewesen wäre. In der Zwischenzeit hat die Behörde ihre Entscheidung zurückgezogen. Ein Gutachter hätte vorbeigeschaut und das Gebäude wohl als nicht denkmalwürdig erachtet, so Ukena. „Was uns sehr recht ist“, fügt er hinsichtlich des geplanten Neubaus hinzu.

Das Pinguin-Café würde nicht zum ersten Mal den Standort wechseln: Gebaut wurde es anlässlich des 20. DDR-Geburtstages. Für die Ausstellung „Kämpfer und Sieger“ entstanden um den Strausberger Platz in Berlin zahlreiche Cafés, darunter das Boulevard-Café nach Plänen des Architekten Erich Lippmann. Das Kleinod verschwand nach der Ausstellung, wurde 1973 neben dem Pinguin-Gehege in Dresden wiederaufgebaut und als Pinguin-Café eröffnet. „Wie der Transport von Berlin nach Dresden vonstattenging, ist leider unbekannt“, sagt Marco Dziallas vom Architektur-Netzwerk „Ostmodern“, das die Geschichte des Pavillons erforscht und sich für einen Erhalt starkmacht. Die Mitglieder des Netzwerkes würden sich riesig freuen, wenn der solitäre Einzelbau als Werk der Nachkriegsmoderne an anderer Stelle wieder für alle Dresdner zugänglich wäre.

Dziallas kann es sich wieder als Café vorstellen, zum Beispiel auf dem Alaunplatz. Oder als Ausstellungsraum, in dem die Stadtverwaltung Bebauungspläne öffentlich auslegt. Angesichts des knappen Geldes zweifelt „Ostmodern“ daran, dass die Stadt den Wiederaufbau allein stemmen kann. „Wir wünschen uns einen mutigen und verantwortungsvollen Investor, der eine Idee und Vision für den Pavillon entwickelt“, so Dziallas. Die Stadtverwaltung verfolgt vorerst nur den Plan, das Café abzubauen und zu lagern. „Was mit dem Pavillon passiert, ist noch offen“, sagt Bernhard Sterra. Verschiedene Leute seien bereits mit Ideen an die Stadt herangetreten. Ein Architekt werbe zum Beispiel für eine Installation im öffentlichen Raum. „Wir wollen, dass der Pavillon öffentlich zugänglich ist.“ Doch für Wiederaufbau und Sanierung – innen und außen – seien bis zu einer halben Million Euro notwendig.