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Zwerg Nase Superstar

© Claudia Hübschmann

Das DEFA-Trickfilmstudio war das größte seiner Art in Europa – nun lässt das Stadtmuseum noch einmal die Puppen tanzen.

Von Udo Lemke

Meißen. Die Helden in diesen Filmen haben keine klangvollen Namen wie Hollywoodstars. Ihr Haar glänzt nicht seidig, sondern ist aus Wolle, ihre Augen sind aus Glas und die Gelenke quietschen, wenn sie nicht geölt sind. Die Rede ist von den Puppen, die im Dresdner DEFA-Trickfilmstudio geschaffen und zum Leben erweckt worden sind. Sie gehören zum europäischen Kulturerbe, und nun sind sie auch in Meißen zu Gast.

Die aktuelle Sonderausstellung „Puppen im Film“ stellt einige der rund 2 000 Streifen vor, die im Dresdner DEFA-Trickfilmstudio zwischen 1955 bis zu seiner Abwicklung Anfang der 1990er Jahre entstanden sind. Sie gibt Einblick in die Arbeit der zuletzt 250 Angestellten des Studios. In einer Dokumentation ist zu sehen, wie die Puppen gebaut wurden. Wie die Zeichnung in ein Drahtgestell umgesetzt wird. Wie Stahlgelenke montiert und die Puppen Arme, Beine und einen Körper erhielten. Wie sie angekleidet und schließlich bewegt worden sind. Und das war eine wahre Geduldsarbeit. Denn um eine Bewegung zu erhalten, musste etwa der Arm einer Puppe in die entsprechende Position gebogen und fotografiert werden. Dann wurde wieder ein Stück gebogen, fotografiert und so weiter und so fort. Dabei sind 24 Aufnahmen pro Sekunde vonnöten, um dem Auge eine fließende Bewegung vorspiegeln. Das heißt, für zehn Sekunden Film sind 240 Fotografien nötig. Und in Dresden sind abendfüllende Puppentrickfilme wie „Die fliegende Windmühle“ und „Die Spur führt zum Silbersee“ von Regisseur Günter Rätz nach dem gleichnamigen Roman von Karl May gedreht worden.

Aber zurück zu den Helden vor der Kamera. „Die Puppe ist der Schauspieler im Animationsfilm. Sie ist keine naturalistische Figur und verkörpert mehr das Wesen als die Erscheinung der Wirklichkeit“, hat Kurt Weiler, einer der innovativsten Regisseure im Dresdner Studio, einmal gesagt. Und: Die Puppe „ist der künstlerisch verknappte, bildhafteste Ausdruck eines Gedankens“.

In der Schau im Stadtmuseum sind in zahlreichen Vitrinen Szenen aus Puppentrickfilmen aufgebaut. So kann man „Die kluge Bauerntochter“ nach den Gebrüdern Grimm sehen, Goethes „Novelle“ oder Hans Christian Andersens „Der Koffer“. Es gibt Filmvorführungen, und auf dem Elbekahn in der Mitte der Ausstellung sind die großen Figuren aus „Die Suche nach dem Goldenen Vlies“ zu sehen. Sie stehen dafür, dass sich mit Puppen alles Menschliche darstellen lässt – von Habgier bis Liebe.

Das Stadtmuseum hat neben den Filmpuppen aber noch eine zweite Attraktion zu bieten. Ein sogenanntes Kaiser-Panorama. Das ist ein Rondell mit Gucklöchern. Schaut man durch diese hindurch, sind die verschiedensten Bilder – von Expeditionen in ferne Länder bis zu Dorfszenen – zu sehen. Das Besondere daran: Die Bilder wurden mit zwei Objektiven stereoskopisch aufgenommen, sodass sie vollkommen plastisch aussehen. Vor hundert Jahren staunten die Leute, ob solch täuschend echter Räumlichkeit – und das funktioniert auch heute noch.

Zurück zu den Puppen. Kurt Weiler hat noch etwas anderes Kluges zu den Trickfilmen gesagt: „Für Kinder muss man arbeiten wie für Erwachsene, nur besser!“

Bis 26. Februar, Stadtmuseum Meißen, Heinrichsplatz 3, Di - So von 10 bis 18 Uhr