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Zwischen Illusion und Beton-Wirklichkeit

Das Shooting für den neuen Kalender der DSC-Volleyballerinnen ist harte Arbeit. Ein Report.

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© Christian Juppe

Von Alexander Hiller

Landluft, ein sehr zweckmäßiger Containerbau, Betonschutt, Erde, – und viel Staub. Sehr viel. Das ist also die Kulisse für ein glamouröses Projekt. Den neuen Kalender der DSC-Volleyballerinnen. 1 200 Stück im Hochglanzdruck will der deutsche Meister und Pokalsieger herausbringen. Rekordauflage.

Visagist Ronald Brendler legt Hand an Mareen Apitz.
Visagist Ronald Brendler legt Hand an Mareen Apitz. © Christian Juppe

An Rekorde denkt an diesem Sonnabend am entlegensten Zipfel von Weixdorf niemand. Hier ist Akkordarbeit gefragt. In der Woche von den Mitarbeitern des Betonentsorgungs-Unternehmens Elbe Recycling Dresden. An diesem Tag von Beatrice Dömeland und Amelie Jehmlich. Die Marketingleiterin der Dresdner Volleyballerinnen und die Fotografin feilten seit Mai am Konzept. Nun ist der Tag der Wahrheit, der Umsetzung. Sieben Spielerinnen werden nacheinander in Szene gesetzt. Und das zieht sich. Schminken, frisieren, die Frauen in bis zu zehn Meter lange Chiffonstoffbahnen einhüllen, Shootings aufbauen. Das mal sieben. Die anderen fünf Athletinnen dürfen am 3. Oktober antanzen – oder einschweben. Denn damit hat das Motto zu tun: „High Floating“ lautet der Arbeitstitel. Könnte man mit „an der Oberfläche treiben“ übersetzen – oder mit „oben schweben“. Wer hoch schwebt, kann auch ...

Oder muss früh aufstehen. Wie Katharina Schwabe. Sie ist die Erste. Zumindest nach dem ausgearbeiteten Zeitplan. „Mein Wecker hat 6.45 Uhr geklingelt, aber dann war es plötzlich schon 7.25 Uhr“, sagt die 23-Jährige. Nicht jeder ist geübter Frühaufsteher. Zumindest sitzt die Angreiferin pünktlich am Frisiertisch. Der ist improvisiert. In der Geschäftsstelle von Elbe Recycling Dresden, einem Container, dem man ansieht, dass dort viele Menschen ein- und ausgehen. Glamour hat hier keinen Platz, hier wird malocht. Dafür hängt an der Wand bereits ein Kalender – in dessen Kopfzeile steht: „Wir sind zwar keine Fotomodelle, aber beim Schrauben zeigen wir, wo der Hammer hängt.“

Derweil bringt Friseur Andreas Gehre die Haare von Katharina Schwabe in Form. Eine Strähne in den Hair Curler stecken, fünf Sekunden warten – schon windet sich eine prachtvolle Locke. Mareen Apitz wird zur selben Zeit von Visagist Roland Brendler, nun ja, bearbeitet. „Das sind alles kostenlose Sponsorleistungen unserer Partner. Ohne die könnten wir so ein Projekt nicht umsetzen“, sagt Beatrice Dömeland.

Dieses Projekt kommt ins Rollen. Amelie Jehmlich baut mit weiteren Helfern das erste Foto-Set auf. Auf einem tonnenschweren Abrollgerät soll Katharina Schwabe auf eine zweisprossige Minileiter steigen, zwei Ketten halten, die jede für sich irgendwie nach 50 Kilogramm aussehen. Dabei soll die 23-Jährige möglichst noch überglücklich wirken – und schwebend. Das alles bei 30 Grad in der Sonne. Die Leiter wird später aus dem Kalendermotiv herausmontiert. So funktioniert Illusion.

Zurück in die Realität: „Hast du einen blauen Schlüpper?“, wird Mareen Apitz von Amelie Jehmlich gefragt. Die Fotografin ist eine Vertreterin der sehr direkten Sprache. Apitz wird später in ein spektakulär blaues Gewand schlüpfen und atemberaubend aussehen. Dazu muss auch die Unterwäsche passen. Apitz nickt. Es fügt sich alles. So langsam zumindest.

Ein paar Minuten hinkt die Produktion dem Zeitplan hinterher. Aber Katharina Schwabe wird wenig später in einer mit Handtüchern gepolsterten Baggerschaufel zu ihrem wenige hundert Meter entfernten Set gefahren. Der teure Stoff, den ihr Stylistin Stefanie Tzschoppe kunstvoll um den Leib drapiert hat, soll nicht staubig werden. Schwabe gefällt ihr Outfit so gut, dass sie es gern in den privaten Gebrauch übernehmen würde.

Doch zuvor muss sie noch ein bisschen leiden. Oder schaut zumindest so. Einige Anweisungen von Amelie Jehmlich gehen im Motorenlärm unter. Den verursachen die Aggregate, die die Ventilatoren antreiben. Zum Schweben gehört auch Wind. Auch wenn es nur künstlicher ist. „Wie ist mein Gesicht?“, will Katharina Schwabe wissen. Es ist im Moment ein leicht gequältes. Die Ketten sehen nicht nur schwer aus, sollen tatsächlich um die 15 Kilo wiegen. „Komm, ein Mal noch“, schreit Amelie Jehmlich zurück. Dann schaut die aus Seiffen stammende Frohnatur prüfend auf das Zwischenergebnis. „Ich glaube wir haben es. Ja, da ist was dabei.“ Katharina Schwabe kann jetzt sogar lächeln. Sie darf von der Leiter. „Nach einer Woche hartem Athletiktraining dann noch mal so eine Aufgabe, ist schon eine Nummer“, sagt sie. „Aber“, fügt sie an, „ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“ Für alle ist das Ergebnis ab 19. November im Kalender zu sehen.