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Zwischen Leben und Tod

Mit der Inszenierung „I play d(e)ad“ widmet sich das Projekttheater Dresden einem Tabuthema.

© Thomas Schütte/Projekttheater

Von Gabriele Fleischer

Wagner Moreira feiert seinen 40. Geburtstag nicht allein. Der brasilianische Tänzer will von der Bühne aus das Publikum einladen. „Ich spiele“, sagt er. Mit dem Luftballon, Galgenraten oder Leben und Tod. Er spielt „D(e)ad“ – ein Wortspiel. Anlass für die Inszenierung im Projekttheater Dresden ist der Tod des Vaters vor 18 Jahren. Er starb durch Suizid. Wagner und seine Familie wissen bis heute nicht, warum. Sie wissen nur, dass er ihnen fehlt. Einen Abschiedsbrief hinterließ er nicht.

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Lange Zeit konnte der Tänzer, der seit 2003 in Deutschland lebt, nicht darüber sprechen: „Der Schmerz hört nie auf, aber mit meiner Kunst habe ich jetzt eine Möglichkeit gefunden, die Trauer zu verarbeiten.“ Denn Suizid ist nicht nur hierzulande bei vielen ein Tabuthema. „Es ist schwer, die Entscheidung zum Freitod zu akzeptieren, aber wir müssen es lernen“, sagt Moreira. „Denn der Tod gehört zum Leben dazu. Auch wenn es schmerzhaft ist und Narben bleiben.“ Es stört ihn, wenn Menschen seinen Vater einen Feigling nennen, weil er freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Seine Botschaft ans Publikum beschränkt sich trotzdem nicht darauf.

Das Leben festzuhalten, es nicht aus der Hand zu geben, darüber will er mit seiner Performance philosophieren. Eine Performance, die keine Trauerfeier werden soll. Der 40-Jährige zeigt in vielen Bildern den Kampf mit Leben und Tod auf der Bühne, verheddert sich und kämpft sich wieder frei. Fotos helfen ihm, die Erinnerungen wachzuhalten, um sich im nächsten Augenblick wieder dem Leben, seiner Geburtstagsfeier, zu widmen. „Solange ich mich für das Leben entscheide, tanze und denke ich“, sagt er. Ein Aufklärungsstück sei die einstündige Vorstellung aber nicht.

Es gibt keine Antworten, dafür Anstöße zum Nachdenken. „Das Publikum soll das, was auf der Bühne passiert, für sich reflektieren.“ Der Tänzer und sein Produzent Thomas Schütte feilen bis zuletzt an der richtigen Beleuchtung. „Das Spiel mit dem Licht unterstützt die Zerrissenheit, den Spagat zwischen Leben und Tod“, sagt Schütte. Er verspricht keinen traurigen Abend. „Es wird eine Inszenierung mit Melancholie, Leichtigkeit, Witz und etwas Naivität.“ Und eine Stunde, die das Thema Freitod ins Blickfeld rückt.

Premiere der Tanzperformance „I play d(e)ad“ im Projekttheater ist am Freitag um 20 Uhr. Im Anschluss an die zweite Aufführung am Freitag findet eine Gesprächsrunde zum Thema Suizid statt.