Merken

Zwischen Nußknacker und Weihnachtskrippe

Göda. Familie Richtersammelt alles rund umsFest. Doch mittlerweile stößt diese Leidenschaft an ihre Grenzen. DerPlatz wird knapp.

Teilen
Folgen

Von Christiane Ernek

Wenn Johannes Richter die Tür zu seinem Wohnzimmer aufmacht, dann öffnet er den Weg in ein Weihnachtsland. Schon auf der Schwelle erhält der Besucher einen ersten Eindruck von der Fülle an weihnachtlichem Schmuck. Und wenn er weiter in das gemütliche Zimmer hinein und um den Ofen herumgeht, dann kann er den ganzen Schatz der Richters überblicken. Er wird alles finden, was man sich vorstellen kann: eine Krippe, Räuchermänner, Nussknacker, Engel, Spieldosen. Und von all dem sehr, sehr viel.

Der Aufbau dauert Wochen

Wie viele Stücke kann Johannes Richter nicht genau sagen, aber es würde einige Zeit dauern, alle nachzuzählen. Und so braucht natürlich auch das Aufbauen seine Zeit. „Wir fangen sofort nach dem Totensonntag an, denn zum ersten Advent soll ein großer Teil schon an seinem Platz stehen“, erzählt der 74-Jährige. Damit alle Figuren aufgestellt werden können, räumt Käthe Richter sogar ihre Anbauwand aus. Doch das reicht schon längst nicht mehr. „Unser Sohn Steffen hat uns ein paar Regale getischlert, die wir in der Weihnachtszeit an die Wand hängen können“, so Johannes Richter. Auf der gegenüberliegenden Seite, unterhalb des Fensters haben die großen Nussknacker und die Pyramiden ihren Platz gefunden. Hier steht auch das Lieblingsstück von Käthe Richter. Es ist ein Harlekin-Nussknacker in buntem Gewand. Aber eigentlich ist jedes Stück in der Sammlung auf seine Art ein Lieblingsstück und hat seine eigene Geschichte. So auch die einzelne Krippe an der Wand. „Wir haben so eine ähnliche Krippe in einer Gaststätte in Ohorn gesehen. Sie hat uns so gut gefallen, dass wir uns vom Wirt erklären ließen, wo wir auch so eine herbekommen könnten.“ Selbst als sich herausstellte, dass die Krippe aus dem Bayerischen Wald war, ließ sich das Ehepaar nicht davon abschrecken und machte sich auf nach Bayern.

Angefangen hat diese Sammelleidenschaft schon vor mehr als vierzig Jahren. „Mein Bruder Achim hatte begonnen, ein paar Weihnachtsfiguren zu sammeln“, erinnert sich der Gödaer. Nachdem sein Bruder bei einem Unfall ums Leben kam, führt Johannes Richter die Sammlung fort. Seine Frau Käthe kann sich noch an ihr erstes Weihnachtsfest in der Familie ihres Mannes erinnern. „Bei mir zu Hause gab es kaum Weihnachtsschmuck, da waren die Figuren etwas sehr Besonderes für mich.“ Außerdem gab es einen entfernten Verwandten von Johannes Richter, der vor dem Zweiten Weltkrieg eine Spielzeugfabrik in der Nähe von Seiffen im Erzgebirge hatte und selbst Weihnachtsschmuck herstellte. „Wie nannten ihn den Männelmacher“, so Richter. „Nach dem Krieg lebte und schnitzte er dann in der Nähe von Pirna, wo wir sehr gern hingefahren sind. Aber nicht nur zum „Männelmacher“ fuhren die Richters, um ihre Sammlung zu erweitern. Unzählige Figuren stammen aus der deutschen Weihnachtsstadt schlechthin - aus Seiffen. Auch der Schwibbogen auf dem Fensterbrett ist ein original Seiffener Exemplar. „Wir sind fast jedes Jahr ins Erzgebirge gefahren. Früher haben wir oft ein ganzes Wochenende bei Bekannten in Seiffen verbracht. Das war immer ein sehr schönes Erlebnis“, berichtet Johannes Richter. „Wenn es dann dunkel wurde, sind wir durch den Ort gegangen und haben die geschmückten Fenster bewundert.“

Preisvergleich lohnt sich

Mittlerweile kennen sie die Stadt und vor allem die Geschäfte sehr genau. Sie wissen, wo man am günstigsten einkaufen kann. „ Preise zu vergleichen. lohnt sich“, raten die Richters. Mitunter seien die Preisspannen erheblich. „Aber am preiswertesten kommt man sowieso direkt beim Schnitzer“, kann er aus Erfahrung berichten. Direkt aus der Werkstatt stammt auch das Weihnachtsgeschenk, das sich das Ehepaar dieses Jahr macht. „Wir haben uns eine dreistöckige Pyramide gekauft“, sagt Johannes Richter stolz und seine Augen leuchten. „Andere Paare gönnen sich für das Geld vielleicht eine gemeinsame Reise. Aber das ist schnell vorbei und man hat nur noch die Erinnerungen. Über die Pyramide freuen wir uns jedes Jahr und nach uns unsere Kinder.“ Das 1,15 Meter große Kunstwerk soll die vorerst letzte Anschaffung sein. „Wir haben einfach keinen Platz mehr“, sagt Johannes Richter etwas wehmütig.