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Zwischen Politik und Party

Gleiches Wahlrecht, gleiche Bezahlung und Bildungschancen: Der Frauentag war stets politisch. Aber Frau will heute mehr.

© Schmidt, Schulze

Von Susanne Sodan

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Görlitz. Alle Autos müssen raus. Kein Sonderverkauf. Die Autos müssen wirklich raus. Macht auch nichts, später werden sie schließlich auch durch Regen und Schnee fahren. Und am Freitagabend braucht das Autohaus Elitzsch in seinem Audi-Hangar am Gewerbering in Görlitz viel Platz – für die Frauenparty, einen Tag nach dem Frauentag. Statt Autos werden Sessel für die Lounge in den Hangar getragen, ein Ausschank und Sekt für die Bar, Stehtische, ein DJ-Pult. Und es muss Platz sein zum Tanzen. Nicht nur für die Frauen. Einige Männer werden auch vor Ort sein, eine Striptease-Gruppe. Stripshow im Autohaus, Schauspieler Giso Weißbach im Bekleidungsgeschäft, Kundgebung auf dem Marienplatz, Filmreihe im Camillo, Feierstunde der Gewerkschaften im Theater, Lesung und Diskussionen – heute und in den kommenden Tagen stehen Frauen in Görlitz wirklich viele Möglichkeiten offen.

Die Frauentagsparty im Autohaus ist schon eine kleine Tradition geworden, erzählt Maximilian Brandt, Marketing-Mitarbeiter bei Elitzsch. „Wir wollen den Frauen damit einfach eine Freude machen“, sagt er „Unsere Frauen freuen sich schon drauf“, sagt Brandt. Die Party ist für alle offen, zugesagt haben schon die meisten Elitzsch-Mitarbeiterinnen. In Görlitz macht eine junge Frau derzeit ihre Ausbildung zur Mechanikerin, erzählt Brandt. „Wir haben auch noch mehr Frauen, die in den Werkstätten arbeiten. Da hat sich in den vergangenen Jahren schon etwas getan.“

Ordentlich zu tun hat auch Angelika Dedeleit, Inhaberin von Goldmann Moden auf der Berliner Straße. „Die Stühle sind schon da“, sagt sie. Viele Frauen haben sich auch schon angekündigt – und ein Mann. Der DDR-Schauspieler und Schlagersänger Giso Weißbach kommt zum Frauentag in Angelika Dedeleits Geschäft und wird „Über Frauen und andere Köstlichkeiten“ singen und erzählen.

Vergangenen November war Weißbach schon einmal in Görlitz zu Gast, dabei war er auch zu einem Auftritt im Modegeschäft. „Das hatte den Leuten solchen Spaß gemacht“, erzählt Angelika Dedeleit. „Es tut gut, im Alltag so lachen zu können.“Weißbach, sagt sie, sei jemand, der für Freude steht. Genauso wie der Frauentag selbst. „Ich bin damit aufgewachsen. Es war für mich immer ein Tag der Achtung und der Ehre für Frauen.“ Und, sagt sie, eine schöne Tradition. „Wie lange gibt es den Frauentag eigentlich schon?“

In Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz wurde der Frauentag erstmals 1911 gefeiert. Und seit nun 100 Jahren haben Frauen in Deutschland das aktive und passive Wahlrecht. Passend dazu zeigt die Stadt Görlitz ab kommendem Montag eine Ausstellung mit politischen Plakaten. Mit welchen Themen wurde in den vergangenen 100 Jahren um die Stimmen der Frauen geworben? „Die Plakate zeigen auch den jeweiligen Zeitgeist, wie Frauen gesehen wurden“, erklärt Romy Wiesner. Die Gleichstellungsbeauftragte von Görlitz organisiert die Ausstellung.

Das Statistische Landesamt in Kamenz hat ein paar weibliche Daten herausgesucht: In Sachsen leben derzeit rund 1,8 Millionen Frauen, mit 51 Prozent bilden sie sogar eine leichte Mehrheit. Auch beim Abitur sind die Frauen in der Mehrheit: 54,5 Prozent der Abiturienten in Sachsen sind weiblich. 62 Prozent der sächsischen Frauen leben in einer Paarbeziehung. Für eine Heirat entscheiden sie sich im Schnitt im Alter von 32 Jahren. Die große Mehrheit der Frauen in Sachsen ist erwerbstätig, 76 Prozent. „61 Prozent arbeiten Vollzeit, jedoch sind 76 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten Frauen“, sagt Anke Puschmann vom Statistischen Landesamt.

Zum Thema gleiche Löhne hat es für die ostdeutsche Region erst kürzlich eine Untersuchung gegeben, erzählt Dana Dubil vom Deutschen Gewerkschaftsbund Ostsachsen. Dabei sei Ostdeutschland, auch der Landkreis Görlitz, auf den ersten Blick gar nicht so schlecht weggekommen. „Man muss aber genau hinsehen“, sagt Dana Dubil. Denn: Der öffentliche Dienst – verbunden mit Tariflöhnen – sei in Ostdeutschland verhältnismäßig stark mit Frauen besetzt. Auf der anderen Seite ist die Zahl der atypischen Beschäftigungen – also Leiharbeit, Minijob, Teilzeit – gestiegen. Das ist kein ostdeutsches Phänomen, sondern in ganz Deutschland zu beobachten, bei Frauen und Männern. Aber gerade bei der Teilzeit und den Minijobs sind Frauen häufig betroffen, sagt auch Dana Dubil.

Für Gleichberechtigung bleibe auf jeden Fall weiterhin viel zu tun, sagt Christian Schmidt von der Görlitzer Linksjugend. Sie stellt den Frauentag unter das Motto „Weil Blumen uns nicht reichen“. Dieses Jahr ist die Veranstaltung der Linksjugend auch größer als in den Vorjahren. „Unsere Kundgebung beginnt 16.30 Uhr auf dem Marienplatz“, erzählt Schmidt. Danach gibt es verschiedene Workshops. Zum Beispiel kann man Buttons und Plakate herstellen. Die wiederum können die Teilnehmer dann gleich gebrauchen, zur Demo, die gegen 18 Uhr starten wird.

8: März (Auswahl): Giso Weißbach bei Goldmann-Moden, ab 16 Uhr, Anm. erbeten bis 15 Uhr unter: 03581 403554; Lesung mit Martina Rellin (ehemal. Chefredakteurin von „Das Magazin“), ab 19.30 Uhr in der Comenius-Buchhandlung auf der Steinstraße; Kundgebung auf dem Marienplatz, ab 16.30 Uhr; Frauentagsfeier des DGB, ab 15.30 Uhr im Gerhard-Hauptmann-Theater, 8.-14. März Frauen-Film-Reihe im Camillo.