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Zwischen Titeldruck und tiefer Trauer

Auf Sebastian Vettel und sein Ferrari-Team wartet beim Großen Preis von Ungarn ein schwieriges Wochenende.

© dpa

Von Marco Heibel

Er wollte mit seinen Gedanken und seiner Trauer allein sein. Am Tag nach dem Tod des langjährigen Ferrari-Präsidenten Sergio Marchionne sagte Sebastian Vettel im Vorfeld des Großen Preises von Ungarn seine Medientermine kurzerhand ab. Der viermalige Weltmeister will ab Freitag seine Leistungen auf der Strecke sprechen lassen, anstatt sich zu Marchionne und gewiss auch zu seiner Nullrunde von Hockenheim äußern zu müssen.

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Überhaupt trug Vettels Rennstall am Donnerstag sichtbar Trauer. Im Fahrerlager des Hungarorings hing die Ferrari-Fahne am Motorhome auf Halbmast, Teammitglieder trugen Trauerflor. Auch die Overalls der Fahrer sollen beim letzten Rennen vor der Sommerpause mit Trauerinsignien versehen sein. Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen und Teamchef Maurizio Arrivabene wurden von den offiziellen Pressekonferenzen des Automobil-Dachverbandes FIA freigestellt.

Von Normalität also keine Spur bei der Scuderia, dabei ist die sportliche Aufgabe für Vettel ohnehin schon schwierig genug: Nach dem Verlust des Sieges und der WM-Führung an seinen Dauerrivalen Lewis Hamilton in Hockenheim muss der 31-Jährige in Ungarn zusehen, den 17-Punkte-Rückstand zumindest deutlich zu reduzieren.

Nicht nur, dass zunächst eine vierwöchige Pause folgt, in der das Klassement eingefroren ist; in den vergangenen Jahren starteten Hamilton und Mercedes besonders stark in den Herbst. Vettel dagegen verspielte 2017 nach der Sommerpause durch eigene und technische Fehler seine WM-Führung und alle Titelchancen.

„Ich habe nicht das Gefühl, dass wir etwas beweisen müssen“, hatte Vettel noch vor der Hiobsbotschaft vom Mittwoch aus dem Zürcher Universitätskrankenhaus gesagt: „Jeder weiß, wozu wir in der Lage sind, deshalb schaue ich zuversichtlich nach Ungarn. Wir haben ein starkes Auto.“

Allerdings ändert der Tod Marchionnes auch nichts an Vettels Auftrag, wie John Elkann, Ferraris neuer starker Mann, in der Gazzetta dello Sport deutlich machte: „Der WM-Sieg ist Ferraris einziges Ziel und der beste Weg, die Arbeit von Sergio Marchionne zu würdigen.“

Viele Formel-1-Teams erfuhren erst nach der Ankunft in Budapest von dessen Tod. Die Anteilnahme im Paddock war groß. Zahlreiche Mitstreiter und Konkurrenten würdigten den Verstorbenen für seine Verdienste um Ferrari, die Formel 1 und die Automobilindustrie. Piero Ferrari, Sohn des legendären Firmengründers Enzo Ferrari und Aktionär des Autobauers, verglich Marchionne mit seinem berühmten Vater: „Auch er zeigte in den härtesten Momenten immer große Menschlichkeit.“

Marchionne hatte nach Komplikationen infolge einer Schulter-Operation seit Anfang Juni im Koma gelegen. Der 66 Jahre alt gewordene Topmanager, der Fiat vor dem Bankrott gerettet und den Autobauer 2014 mit Chrysler fusioniert hatte, litt laut italienischen Medien zudem an Lungenkrebs. Er machte sich Ende 2014 stark für die Verpflichtung Vettels, den er mal tadelte und mal über die Maßen lobte. (sid)