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Freital

100 Jahre und ein Ehering im Backofen

Ein Rezept für ein langes Leben hat Emmy Fulde nicht – dafür aber so manche lustige Anekdote zu bieten.

Umgeben von ihrer Familie beging Emmy Fulde gestern ihren 100. Geburtstag. Liebevoll gestaltet war nicht nur ihr Geburtstagstisch, sondern auch die Glückwunschkarte der Bewohner.
Umgeben von ihrer Familie beging Emmy Fulde gestern ihren 100. Geburtstag. Liebevoll gestaltet war nicht nur ihr Geburtstagstisch, sondern auch die Glückwunschkarte der Bewohner. © Karl-Ludwig Oberthuer

Eigentlich mag es Emmy Fulde lieber ruhig. Seit sie von ihrem Häuschen in Maxen ins Seniorenzentrum AGO nach Kreischa gezogen ist, verbringt die zierliche Seniorin ihre Tage am liebsten auf ihrem Zimmer. Aber nicht, weil sie nicht offen für andere wäre, sagt Heimleiterin Maria Neumann, sondern weil Emmy Fulde eine liebe, aber eben sehr zurückhaltende Frau ist.

Am Freitag beging die Seniorin ihren einhundertsten Geburtstag und war schier überwältigt von der großen Anzahl der Gratulanten, die sich schon am Vormittag im Kreischaer Heim eingefunden hatten. Neben ihrer Enkeltochter, Urenkel und Ur-Urenkelchen waren auch viele ihrer Mitbewohner zu einer ersten Gratulationsrunde in den Gemeinschaftsraum des Seniorenzentrums gekommen, wo mit alkoholfreiem Sekt und Fruchtsaft auf die Jubilarin angestoßen wurde. Dazu bekam sie vom Vorsitzenden des Bewohnerbeirates eine riesige, liebevoll gestaltete Glückwunschkarte überreicht.

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Nach ihrem Rezept für ein langes Leben gefragt, sagte Emmy Fulde, dass es da eigentlich keines gäbe. „Obwohl, gutes Essen ist schon wichtig“, setzt die alte Dame nach und erzählt dann, dass sie immer gern für die Familie gekocht habe. Karpfen blau aßen ihr Mann und sie am liebsten. „Den gab es sonntags ab und an und natürlich auch zu Silvester, mit Senfsoße und Meerrettich“, erinnert sie sich.

Beim Backen setzten Wehen ein

Aber auch fürs Kuchenbacken hatte Emmy Fulde immer ein Händchen. Dabei ist ihr beim Backen einst ein großes Malheur passiert. Jung und hochschwanger mit ihrem Sohn wollte sie einen Geburtstagskuchen für ihren Mann backen. Einen Elektroherd, der bis in die 1950er-Jahre als Luxusgut galt, hatte sie noch nicht. Emmy Fulde kochte und backte also ganz traditionell mit einem Küchenofen, der noch mit Holz und Kohle gefeuert werden musste.

Doch noch während sie mit den Geburtstagsvorbereitungen für ihren Mann beschäftigt war, setzten bei ihr die Wehen ein und irgendwie fiel der Ehering ins Feuer. Wie genau das passiert ist, ob er ihr einfach vom Finger gerutscht war oder ob sie ihn in der Aufregung und dem Wehenschmerz tatsächlich einfach ins Feuer geworfen hatte, weiß Emmy Fulde heute nicht mehr. Klar ist nur, dass der Ring im Ofen landete und dort so lange im Feuer gelegen hatte, dass er danach kaputt und nicht mehr tragbar war. Vom Dorfschmied, so sagt die Jubilarin, habe sie sich dann einen neuen Ehering anfertigen lassen. Ein schlechtes Omen für ihre Ehe war der kleine Vorfall jedenfalls nicht. Sie hielt viele, viele Jahre bis zum Tod ihres Mannes. Sogar den Ofen gibt es noch. Der steht bis heute in Emmy Fuldes Haus in Maxen.

Nach all dem Schwelgen in Erinnerungen brauchte die Seniorin schließlich ein Päuschen. Begleitet von ihrer Familie zog sie sich, noch immer gerührt von all der Aufmerksamkeit, die ihr entgegengebracht wurde, auf ihr Zimmer zurück. Sie wolle ein Nickerchen machen, um ein wenig Kraft zu tanken, sagte sie. Und die brauchte sie auch. Denn für den Nachmittag hatten sich weitere Familienmitglieder angekündigt. Zusammen mit Bürgermeister Frank Schöning (FBK) und dem Team und den Bewohnern des Alloheims wurde dann bei Kaffee und einem großen Geburtstagskuchen weitergefeiert.

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