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30 Einbrüche seit Jahresbeginn

Immer wieder werden Lebensmittel aus Gärten gestohlen. Die Besitzer wollen nun selbst für Ordnung sorgen.

© André Braun

Von Eric Mittmann

Hartha. Es passierte in regelmäßigen Abständen. „Wir sind wahrscheinlich am häufigsten betroffen. Bei manchen sind sie sogar zweimal hintereinander eingestiegen“, sagt Lutz Werner, stellvertretender Vorsitzender der Gartengruppe „An der Sternwarte“ in Hartha.

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Etwa 30 Anzeigen wegen Laubeneinbrüchen in mehrere Gartensparten im Raum Hartha sind seit Jahresbeginn 2018 beim Polizeirevier Döbeln in Bearbeitung. Mindestens 20 davon sind laut Johann Kaszpari, Vorsitzender der Gartengruppe „An der Sternwarte“, in seiner Anlage verübt worden. Lutz Werner zufolge sind es sogar noch mehr. „Viele melden die Vorfälle gar nicht erst, weil es sich meist um kleinere Delikte handelt.“ Meist würden Lebensmittel und Alkohol entwendet werden. Der Polizei zufolge seien zwar auch Gerätschaften, wie beispielsweise Elektrowerkzeuge, und Bargeld gestohlen worden. Sowohl Werner als auch Kaszpari erklärten jedoch, dass dies bisher Einzelfälle gewesen seien. „Anfangs haben sie nur leichte Schlösser geknackt, sind dann an den Kühlschrank gegangen und haben sich den Bauch vollgeschlagen, ohne großen Schaden zu hinterlassen“, schildert Johann Kaszpari das Vorgehen. „Bei einem der Raubzüge hatten sie offenbar so viel Zeit, dass sie das Bier gleich im Garten getrunken haben. Die leeren Flaschen standen am nächsten Morgen noch da“, ergänzt Lutz Werner. Zwar seien beide von den Einbrüchen bisher verschont geblieben, nichts destro trotz schockiere sie die massive Zahl an Vorfällen. „Bei uns wurde mal eine Fahne gestohlen. Etwas in der Form erleben wir zum ersten Mal. Das gab es noch nie“, so Werner.

Diebesbande in Hartha?

Doch nicht nur an der Sternwarte, auch in Gartenanlagen am Siedlerweg sowie im Ebertsland sei es zu Einbrüchen gekommen. „Bei uns war es schon das dritte Mal“, berichtet ein Gartenbesitzer aus Ebertsland, der seinen Namen nicht genannt haben möchte. „Vor vier Jahren haben Unbekannte schon mal unser gesamtes Werkzeug gestohlen, bei unseren Nachbarn wurden die Zäune zerschnitten. Diesmal haben sie unsere Tür eingetreten und unser Essen entwendet. Die Lebensmittel sind das kleinere Übel, aber an der Tür haben sie einen großen Schaden hinterlassen.“

Auch der Gärtner aus Ebertsland bestätigt, dass es den Tätern lediglich um Essen und Alkohol geht. „Alles andere war da. Sogar die alkoholfreien Getränke haben sie stehen gelassen. Den Schaden haben sie nur verübt, um in die Laube zu gelangen.“

Aufgrund der bisherigen Ermittlungen geht die Polizei von einem Täter aus. Trotz intensiver Ermittlungen konnten sie diesen jedoch noch nicht identifizieren. Johann Kaszpari ist da anderer Meinung. „Ich denke nicht, dass da jemand allein handelt. Das werden zwei, vielleicht sogar drei Leute sein. Eine kleine Diebesbande.“ Und auch Lutz Werner sprach gegenüber dem DA immer wieder von mehreren Tätern. Er wünscht sich von der Polizei, dass sie Präsenz zeigen. „Ich verlange ja nicht, dass das jeden Tag passiert, aber ab und zu mal vorbeischauen. Bisher haben sie sich allerdings noch nicht blicken lassen.“ Und auch der Gärtner aus Ebertsland zeigte sich wenig begeistert über die Arbeit der Beamten. „Die Polizei kommt nur noch, wenn es kracht und schreibt dann einen Zettel für die Versicherung“, erklärte er.

Polizei rät von Rundgängen ab

Um den Tätern Einhalt zu gebieten, gehen Lutz Werner und andere Gärtner „An der Sternwarte“ mittlerweile eigene Wege. „Einige haben Alarmanlagen installiert. Das war bisher so nicht notwendig.“ Er selbst habe bereits vier Nächte lang in der Anlage Wache geschoben. „Auch andere Mitglieder der Gartengruppen haben sich bereits beteiligt.“ Darüber hinaus hätten viele ihre Hilfe angeboten. „Wir sind durch die Anlage gelaufen und haben nach dem Rechten geschaut. Viel Zeit bleibt den Übeltätern ja nicht. Bis 1 Uhr ist die Beleuchtung in der Gartengruppe eingeschalten und gegen 3.30 Uhr geht bereits die Sonne auf. Sie haben also nur etwa zwei bis drei Stunden für ihre Raubzüge.“

Die Polizei rät jedoch von einem solchen Vorgehen ab. „Grundsätzlich ist das reine ‚auf die Lauer legen‘ oder Rundgänge noch keine Selbstjustiz“, erklärt Steve Berger, Sachbearbeiter Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion Chemnitz. Gleichzeitig sei nicht abzusehen, welche Gefahr von möglichen Tätern, die angetroffen werden, ausgeht. „Wenn man aber etwas durch Zufall bemerkt, weil man beispielsweise im Garten übernachtet, dann ist die beste Reaktion, die Polizei zu rufen.“

Zwar könne eine Person, die eine Straftat verübt oder dies versucht nach dem sogenannten Jedermannsrecht von jedem Bürger festgehalten werden. Auch dabei sei jedoch der nächste Schritt der Anruf bei der Polizei. „Außerdem sollte dabei stets die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden“, so Berger. Jede Aktion eines Bürgers gegenüber einem Verdächtigen darf das Maß der zu Grunde liegenden Straftat nicht überschreiten.

Lutz Werner ist sich jedoch sicher: „Seit wir Wache halten, kam es nicht mehr zu Einbrüchen.“ Sollten die Vorfälle wieder auftreten, will er sich wieder auf die Lauer legen.