Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Freital
Merken

33 Jahre gab sie den Ton an

Die Chefin des Musikvereins Bannewitz geht in Rente. Ihr Abschied ist alles andere als sang- und klanglos.

Von Verena Schulenburg
Teilen
Folgen
NEU!
An ihrem Schreibtisch sitzt sie künftig nicht mehr so oft. Elisabeth Scholz gibt die Leitung der Musikschule in der Kulturtankstelle Bannewitz ab.
An ihrem Schreibtisch sitzt sie künftig nicht mehr so oft. Elisabeth Scholz gibt die Leitung der Musikschule in der Kulturtankstelle Bannewitz ab. © d

Sie schüttelt energisch den Kopf. „Nein. Ich habe kein Problem damit, Abschied zu nehmen“, sagt Elisabeth Scholz und auf ihr Gesicht legt sich ihr sympathisch ungezwungenes Lachen. Diese Worte kommen der 65-Jährigen mit einer Leichtigkeit, als würde sich rein gar nichts ändern. Dabei ist ihr Schritt in den Ruhestand alles andere als unbedeutend – erst recht nicht für das Haus, in dem sie fast 20 Jahre den Ton angab. Die Leitung der Musikschule in der Kulturtankstelle Bannewitz hat Elisabeth Scholz an ihren Kollegen Stefan Jaenicke abgegeben. „An junges Blut“, wie die Bannewitzerin ulkt. Nur den Chefposten des Musikvereins hat sie vorerst noch inne. Ruhestand ist relativ.

Elisabeth Scholz ist ohnehin eine Frau der Taten. Stillsitzen geht nicht. Mit ihrem Elan und ihrer Freude, mit der sie Dinge anpackt, begeistert sie. Auf diese Weise gelingt es ihr, Menschen mitzunehmen und Projekte zum Erfolg zu führen. Das ist auch der Grund, weshalb Scholz Anfang des Jahres vom Bannewitzer Bürgermeister Christoph Fröse für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Was sie mache, das tue sie mit Leib und Seele, erzählt Elisabeth Scholz über sich selbst. „Ich bin nah am Wasser gebaut, aber wenn es sein muss, springe ich auch ins kalte Wasser.“ Sie scheue keine Situation. Einer Sache aber bleibe sie immer treu. Genauso war es mit der Musik.

So lange sie zurückdenken kann, hat Elisabeth Scholz immer Musiklehrerin werden wollen. Nach dem Studium in Zwickau verschlug es die gebürtige Leipzigerin zu ihrer ersten Arbeitsstelle nach Dresden-Klotzsche. In den Dresdner Süden, genauer hierher nach Bannewitz, zog es sie erstmals 1986. Im einstigen Kulturhaus Bannewitz auf der Horkenstraße fing Scholz als Blockflötenlehrerin an, begann dann damit, dort als Leiterin eine Musikschule aufzubauen. Im Herbst 1989 zog die Musikschule auf die Windbergstraße um – in das Haus, in dem sich heute eine Kindertagesstätte befindet. 


Mit knapp 50 Schülern gestartet

Gemeinsam mit der ehemaligen Leiterin der Musik-, Tanz- und Kunstschule Bannewitz, Irmela Werner, gründete Scholz im Oktober 1990 den Musikverein Bannewitz. „Wir hatten uns damals gut verstanden und waren ein super Team“, erinnert sich Scholz – bis zum Zerwürfnis. Nach einer Zeit im Bannewitzer Bürgerhaus wurde die Vorsitzende des Musikvereins Bannewitz schließlich auf das ältere Haus im Eckfeld von B 170 und Windbergstraße aufmerksam, dort, wo sich einst eine Tankstelle befand. Seit 2001 leitet Elisabeth Scholz die Musikschule im neuen Domizil der Kulturtankstelle.

Um genügend Schüler musste sich Elisabeth Scholz nicht sorgen. „Seitdem wir hier sind, kommen die Musikschüler von selbst“, sagt sie. Mit nicht einmal 50 Musikschülern startete der Musikverein an der Bundesstraße neu. Heute sind es 337 Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region, die unter dem Dach des Vereins aktiv sind. Dazu gehören ebenso rund 20 Lehrer.

Auf die Zeit in ihrer Kulturtankstelle blickt die quirlige Bannewitzerin in Zufriedenheit zurück. „Hier ist viel Liebe geflossen“, sagt Scholz. Besonders stolz ist die 65-Jährige auf die vielen Projekte, die unter dem Dach des Hauses entwickelt wurden und ihr Publikum erreicht haben. Da wäre beispielsweise das Ensemble Interregio. Es ist ein internationales Orchesterprojekt, das schon seit 20 Jahren Anklang findet. Genauso verhält es sich mit den Theaterstücken, die allesamt aus der Feder von Elisabeth Scholz stammen. „Der Musikverein war meine Welt, um Musikstücke zu schreiben“, sagt sie. „König Drosselbart“ hieß die erste Inszenierung. Ihr größtes Werk, so sagt sie selbst, seien „Augusts starke Schwächen“ gewesen. Elisabeth Scholz führte nicht nur Regie, sondern stand gern auch selbst auf der Bühne – mit voller Stimme und vollem Einsatz. Nicht nur machen lassen, sondern mitmachen, ist ihr Credo.

In Zukunft will sich Elisabeth Scholz aber zurücknehmen. Für den 30. Juni plant sie nach insgesamt 33 Jahren als Musikschulleiterin ihren Abschied vom Beruf. Im Rahmen der Bannewitzer Musiktage will sie sich bei Wegbegleitern, Freunden und ihrer Familie bedanken. „Es heißt immer, wenn man in Rente geht, solle man sich neue Aufgaben suchen“, sagt sie mit einem Grinsen. Künftig wolle sie die hauseigene Sauna mit Whirlpool öfter nutzen. „Da freue ich mich schon drauf“, sagt Scholz. Auch für ihre Familie könnte die 65-Jährige etwas mehr Zeit haben. Elisabeth Scholz ist nicht nur Mutter von vier erwachsenen Kindern, sondern seit Kurzem auch zehnfache Oma.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/freital vorbei.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

Und unseren ebenfalls kostenlosen täglichen Newsletter abonnieren Sie unter www.sz-link.de/freitalkompakt.