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Ab in den Stollen

Der Rohstoffknappheit sei Dank: Im Erzgebirge lagern wichtige Grundstoffe und die wollen gefördert werden. Nur reich werden die Sachsen damit nicht mehr.

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Von Ralf Hübner

Neues „Berggeschrey“ im Erzgebirge: Mit dem Betriebsstart einer Grube in Niederschlag bei Oberwiesenthal wird ab Freitag ein neues Kapitel Bergbaugeschichte geschrieben. „Es ist das erste neue Bergwerk in Deutschland seit etwa 40 Jahren“, sagt der Geschäftsführer der Erzgebirgischen Fluss- und Schwerspatwerke, Wolfgang Schilka.

Der Bergbau machte das Erzgebirge reich. Und das Selbstbewusstsein der Knappen ließ große Kunstwerke entstehen. Wie den 1521 geweihten Bergaltar des Zwickauer Malers Hans Hesse in den Annenkirche von Annaberg Buchholz. Foto: Wolfgang Thieme
Der Bergbau machte das Erzgebirge reich. Und das Selbstbewusstsein der Knappen ließ große Kunstwerke entstehen. Wie den 1521 geweihten Bergaltar des Zwickauer Malers Hans Hesse in den Annenkirche von Annaberg Buchholz. Foto: Wolfgang Thieme © picture alliance / ZB

Etwa drei Jahre lang war am Aufbau der Anlagen – am Bergwerkaufschluss – gearbeitet worden. Seit etwa zwei Wochen läuft der Probebetrieb. In dem neuen Bergwerk soll Fluss- und Schwerspat gefördert werden. Diese gelten als wichtige Grundstoffe der chemischen Industrie. Die Pläne für das Bergwerk hatte es schon 1966 in der DDR gegeben. Daraus war damals aber nichts geworden.

Der Bergbau im Erzgebirge hat eine lange Geschichte. Silberfunde machten Mitte des 12. Jahrhunderts die damals noch nahezu unbewohnte Gegend zum Klondike des Mittelalters. Aus dem unwirtlichen Miriquidi – einem ungemütlichen, finsteren Urwald – wurde das Erzgebirge. Dessen Silber hat Land und Herrscher einst reich gemacht. Der Bergbau zählte lange Zeit zu den wichtigsten Einnahmequellen Sachsens. Neben Silber und Kupfer wurden vor allem Zinn sowie später auch Blei, Molybdän und Uran gefördert.

Der Silberbergbau wurde 1913 eingestellt. Mit Gründung des Deutschen Reiches 1871 war die Währung auf Gold umgestellt worden, das Silber büßte seine Bedeutung ein. Die letzte Erweiterung eines Bergwerkes in der Region gab es laut Oberbergamt in den 1980er-Jahren, als die DDR viel Geld in die Modernisierung der Zinngrube in Altenberg steckte. Als 1991 für die letzten Zinngruben in Altenberg und Ehrenfriedersdorf das Aus kam, schien der Bergbau im Erzgebirge Geschichte. Die Errichtung eines vollständig neuen Bergwerks wie in Niederschlag sei deshalb eine Besonderheit, heißt es im Oberbergamt.

Drei Freigaben

Das Erzgebirge ist zwar noch immer reich an Rohstoffen. Allerdings ist der Metallgehalt der Erze oft niedrig, die Gewinnung aufwendig. Doch seit die Preise auf den Rohstoffmärkten weltweit steigen, ist die Region für Bergbauunternehmen wieder interessant. Derzeit wird vor allem nach Kupfer, Zinn, Wolfram, Nickel, Indium und Molybdän sowie Fluss- und Schwerspat gesucht. Zurzeit hat das Oberbergamt 18 Mal die Erlaubnis zur Erkundung von Lagerstätten nach Spat oder Erz erteilt. In drei Fällen gibt es schon eine Bewilligung zum Abbau: Neben Niederschlag in Pöhla (Wolfram, Zinn, Flussspat und andere) sowie in Ostsachsen in Schleife (Kupferschiefer).

„Schwerpunkt der Erkundungsaktivitäten sind bisher die Nacherkundung und Verifizierung alter Ergebnisse bekannter Lagerstätten“, sagt Martin Herrmann vom Oberbergamt.

Der Grund: Zur Finanzierung von Bergbauprojekten müssten die Unternehmen eine Bewertung der Lagerstätten vorweisen, die jetzigen Standards entspricht. Das Land helfe, indem es zu bekannten Lagerstätten „Steckbriefe“ bereitstelle. Zudem ist unlängst ein Projekt zur Erkundung von Lagerstätten per Hubschrauber gestartet worden. (dpa)