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Abenteuer in Asien

Schüler des Goethe-Gymnasiums Sebnitz waren in China unterwegs und erlebten ein Land voller Gegensätze.

© privat

Von Dirk Schulze

Sebnitz. Gleich am Montagmorgen, noch vor Unterrichtsbeginn, werden die Gäste aus Deutschland Zeugen einer Zeremonie, die sie bisher nur aus den Erzählungen ihrer Eltern kennen. Alle Schüler der Fremdsprachenschule im chinesischen Lanzhou haben in Reih und Glied Aufstellung genommen. Dann wird die Flagge gehisst – ein Fahnenappell, wie er auch zu Zeiten der DDR üblich war. In China starten die Schüler auch heutzutage so in jede neue Woche.

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Auf dem Hof sind an diesem Morgen alle 1 700 Schüler der Fremdsprachenschule versammelt. Auf einem riesigen Bildschirm an einer Hauswand werden Bilder der jüngsten Erfolge von Schulklassen bei Wettbewerben präsentiert. „Es war unglaublich, dort zu sein“, sagt Lisa Weber aus der elften Klasse des Sebnitzer Goethe-Gymnasiums über die Reise. So richtig habe sie erst zu Hause realisiert, dass sie wirklich in China war. Knapp zwei Wochen haben die neun Sebnitzer Schüler mit ihren zwei Lehrern in dem Land verbracht, die meiste Zeit in Lanzhou, einer Industriestadt mit über 3,5 Millionen Einwohnern. Die Reise war der Auftakt einer neuen Schulpartnerschaft des Gymnasiums.

Der Alltag der Jugendlichen ist dort ein anderer als hierzulande, erzählen die Schüler, die bei Gastfamilien gewohnt haben. Der Unterricht läuft bis abends 18 Uhr, danach stehen meist noch vier Stunden Hausaufgaben auf dem Programm. Die zweistündige Mittagspause wird deshalb nach dem Essen für ein Nickerchen genutzt, um die mangelnde Nachtruhe auszugleichen. Als sie gehört haben, wie viel Freizeit die deutschen haben, waren die chinesischen Schüler verblüfft.

Der Unterricht selbst läuft auch anders ab. In den Fremdsprachen basiert vieles auf Auswendiglernen, ganze Dialoge auf Deutsch haben die chinesischen Jugendlichen aufgesagt oder Texte gemeinsam laut vorgelesen – 55 Schüler in einem Klassenzimmer. Ein Gegensatz ist die technische Ausstattung der Schule: Knapp zwanzig 3D-Drucker stehen zur Verfügung, überall flimmern Bildschirme und Leuchtreklamen, auf denen die Gäste aus Sebnitz begrüßt werden. Im Kalligrafiezimmer der Schule zeichnen die Mädchen und Jungen des Goethe-Gymnasiums mit dem Pinsel chinesische Schriftzeichen, auf dem Sportplatz gibt es eine Lektion in Kung-Fu und zusammen werden Jiaozi gekocht – chinesische Teigtaschen. Die Besichtigung eines Tempels und ein Besuch an der Chinesischen Mauer sind nur einige Punkte des weiteren Programms.

Über Filme können sich die Jugendlichen aus Sachsen mit ihren Gastgebern unterhalten, große Hollywood-Produktionen wie Spiderman laufen auch in China im Kino. Bei Musik sieht es schon anders aus. Youtube, einer der wichtigsten Verbreitungskanäle, ist in China gesperrt, ebenso wie viele andere Websites. Anstelle von Facebook und Co. existieren in dem Land eigene soziale Netzwerke. Über einen Messenger-Dienst halten die Sebnitzer Schüler auch nach der Rückkehr Kontakt zu ihren neuen Bekannten. Der Gegenbesuch einer chinesischen Schülergruppe ist für das nächste Frühjahr geplant. „Wir hoffen, dass es klappt“, sagt Lehrerin Ines Wehner.