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Achtung, umklappende Wurzelteller

Meterhoch und tonnenschwer: Weil der Boden taut, drohen die Ungetüme umzukippen. Das ist nicht die einzige Gefahr.

© Archiv/Egbert Kamprath

Von Anja Ehrhartsmann

Die Folgen der Stürme Herwart und Friederike halten den Sachsenforst weiter auf Trab. Im Landeswald des Forstbezirks Bärenfels müssen 160 000 Kubikmeter Sturmholz verarbeitet werden, das ist weit mehr, als sonst anfällt – in einem ganzen Jahr. Im SZ-Gespräch sagt Kristina Funke, Sprecherin des Forstbezirks Bärenfels, wie die Aufräumarbeiten vorankommen und welche neuen Aufgaben warten.

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Das Bett auf dem Sinnespfad im Tharandter Wald wurde von umfallenden Bäumen beschädigt. Der ganze Bereich um das Walderlebniszentrum Grillenburg bleibt wegen Sturmschäden gesperrt.
Das Bett auf dem Sinnespfad im Tharandter Wald wurde von umfallenden Bäumen beschädigt. Der ganze Bereich um das Walderlebniszentrum Grillenburg bleibt wegen Sturmschäden gesperrt. © Sachsenforst

Frau Funke, wie läuft es mit den Aufräumarbeiten?

Recht gut, auch wenn wir gern noch schneller wären. Von den geschätzten 160 000 Kubikmetern Schadholz, die im Landeswald des Forstbezirkes liegen, sind bis Ostern etwa 90 000 Kubikmeter aufgearbeitet worden. Unser Ziel ist es, mit den restlichen Schadflächen dann bis spätestens Ende August fertig zu sein. Deshalb sind momentan regionale Unternehmen mit zwölf Maschinensystemen im Einsatz, die das Holz verarbeiten. Unterstützung bekommen sie noch von zwei Firmen aus dem Westerzgebirge und einer Spezialfirma aus Österreich.

Wie wurde bisher vorgegangen?

Die Schwerpunkte der Aufarbeitung lagen zuerst auf den Flächen, auf denen bereits eine neue Waldgeneration im Schirm der Altbäume gepflanzt war. Ein zweiter Schwerpunkt waren die Waldflächen, die dieses Jahr mit jungen Bäumen bepflanzt werden sollen.

Wie viel Holz wurde schon aus dem Wald geholt?

Seit Sturmtief „Herwart“ wurden etwa 50 000 Kubikmeter Holz in die Sägewerke abtransportiert. Schätzungsweise liegen noch knapp 40 000 Kubikmeter auf den Holzlagerplätzen und entlang der Waldwege, die mit dem Lastwagen gut befahrbar sind. Ein Teil davon wurde bereits an Holzkäufer übergeben und wartet nur noch auf den Abtransport.

Es ist ja eine Menge Holz auf einmal. Reichen die Lagerplätze dafür aus?

Die Lagerkapazitäten im Wald kommen an ihre Grenzen. Außerdem steigt mit Beginn des Frühjahrs nun auch die Gefahr, dass die zum Holzpolter aufgeschichteten Stämme vom Nadelnutzholzbohrer besiedelt werden. Das ist ein kleiner Käfer, der Brutgänge im Holz anlegt. Um seine Larven zu ernähren, schleppt er Pilze heran. Diese führen aber dazu, dass sich das Holz schwarz verfärbt und dadurch erheblich an Wert verliert. Um dieser Gefahr vorzubeugen, wurde entlang eines Feldweges nahe der Autobahn bei Wilsdruff ein Holzzwischenlager eingerichtet. Dieses Lager liegt zudem auch außerhalb der Flugreichweite der Borkenkäfer.

Wie sieht es generell mit dem Borkenkäfer aus? Ist die Gefahr, dass er sich im Sturmholz einnistet, schon gebannt?

Der erste Schwarmflug der Borkenkäfer setzt ein, sobald es über mehrere Tage hinweg 16 Grad hat der mehr. Meist ist das gegen Ende April. Insbesondere in den unteren Lagen des Forstbezirkes, wo bald mit entsprechenden Tagestemperaturen gerechnet werden kann, läuft die Schadholzaufarbeitung deshalb mit Hochdruck. Bis der Käfer ausschwärmt, soll noch möglichst viel bruttaugliches Holz aus dem Wald gebracht werden. Trotzdem ist die Borkenkäfergefahr nach einem solchen Sturmschadensereignis nicht zu bannen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Buchdrucker bereits mit einer hohen Populationsdichte aus dem Jahr 2017 in die Winterperiode gegangen sind. Ein Hauptaugenmerk wird deshalb in diesem Jahr auf dem Borkenkäfermonitoring liegen müssen und der raschen Aufarbeitung des befallenen Holzes.

Erst mal hält nun das Frühjahr Einzug und damit steht im Forstbezirk eine große Pflanzaktion an. Wie viele Bäumchen kommen in die Erde und wo?

Im Landeswald werden auf insgesamt 188 Hektar wieder mehr als eine Million junge Bäumchen gepflanzt. Mehr als die Hälfte davon sind Rotbuchen. Die Aufforstungsschwerpunkte liegen in den Revieren Holzhau, Naundorf und Karsdorf mit jeweils deutlich mehr als 100 000 Pflanzen pro Revier.

Wie wird das personell zusätzlich zur Beräumung der Sturmschäden gestemmt?

Bereits bei der Beschaffung der Pflanzen wurde ein großer Teil als kombinierte Leistung eingekauft, also Pflanze und Pflanzung. Die Waldarbeiter des Forstbezirkes werden daher von einer Vielzahl von Firmen unterstützt. Trotz allem erfordert die Pflanzaktion großen Einsatz von allem Beteiligten. Die Arbeit muss in einem sehr engen Zeitfenster abgeschlossen sein, nämlich nach dem Ende des Bodenfrostes bis zum Beginn des Blattaustriebes. Denn wurzelnackte Pflanzen – Pflanzen ohne Erdballen – wachsen vor dem Austrieb ihrer Blätter am besten an.

Zu Ostern lockt der Waldspaziergang. Kann man ohne Bedenken hineingehen?

Grundsätzlich schon. Im Forstbezirk gab es nach den Stürmen kein generelles Verbot, was das Betreten der Wälder angeht. Allerdings hatten wir eindringlich von Waldspaziergängen abgeraten. Ausnahme war und ist das Walderlebniszentrum Grillenburg. Wegen erheblicher Sturmschäden war hier eine Sperrung des Abenteuer- und des Sinnespfades unumgänglich. Denn etliche Entdeckerstationen wurden zerstört, schrägstehende und umgefallene Bäume sorgten für Lebensgefahr. Die Sperrung wird auch über die Osterfeiertage nicht aufgehoben.

Wann werden die Wanderwege voraussichtlich wieder freigegeben?

Sperrungen einzelner Wege gibt es nur zeitweise. Zum Beispiel dann, wenn die Aufarbeitung in diesem Waldbereich gerade im Gange ist und deshalb eine Wegesperrung erforderlich ist. Da zahlreiche Flächen noch nicht aufgearbeitet sind, weisen wir nochmals eindringlich darauf hin, diese Bereiche weiträumig zu umgehen. Umgestürzte Bäume sind kein Abenteuerspielplatz. Auch freistehende Wurzelteller, tonnenschwer und manchmal meterhoch, sollten gemieden werden. Sie können binnen Sekundenbruchteilen zurückklappen. Diese Gefahr steigt enorm mit dem Auftauen des gefrorenen Bodens. Einige Wege befinden sich aufgrund der Schadholzaufarbeitung und der Holztransporte vorübergehend in einem sehr schlechten Zustand. Dafür bitten wir um Verständnis.