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Ärger um Ruine an der Kesselsdorfer

Seit Jahren gibt es Pläne für die alte Tankstelle. Eigentlich sollten hier jetzt Senioren wohnen. Die Brache ist inzwischen eine Gefahr. Doch die Stadt reagiert nicht.

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© André Wirsig

Von Lars Kühl

Das Unkraut wuchert an den nackten Steinwänden. Das Grundstück ist verwildert. Seit mehr als 15 Jahren prägt der hässliche Brachenanblick das Bild an der Kesselsdorfer Straße. Hausnummer 49. Kurz nachdem die Saalhausener Straße abzweigt. Und trotzdem hängt immer noch ein Bauschild an der Neuzeit-Ruine. „Seniorenresidenz Naußlitz“ steht hochtrabend auf der Infotafel. Doch mehr als der kahle Rohbau ist nicht zu sehen. „Passiert ist an dem Objekt schon ewig nichts mehr“, sagt Claus Franke. Der Gorbitzer fährt fast jeden Tag mit seinem Rad vorbei und regt sich fürchterlich über den Zustand auf. „Das ist ein Unding. Das Gebäude stört mich schon lange.“

Mit seinem Frust ist Franke nicht allein. Ein Bauzaun sperrt den Zugang ab und macht vor dem Gebäude aus einem breiten Fußweg einen schmalen Streifen. Sehr zum Ärger von Torsten Nitzsche. „Das ist nicht mehr sicher“, wettert der CDU-Ortsbeirat von Cotta. Wenn sich Fußgänger und Radfahrer hier begegnen, müsste einer dem anderen ausweichen. Besonders Kinder würden gefährlich leben.

Eine Kehrmaschine rumpelt den Fußweg auf der Kesselsdorfer herunter. Vor der Brache muss sie stoppen. Für sie ist auf dem Streifen kein Platz. Deshalb muss sie auf die Straße ausweichen. Der Weg vor dem Haus bleibt dreckig.

Der Bauzaun ist nötig, weil die letzten Aktionen an der Brache Schachtarbeiten waren. Jetzt klaffen davor große Baulöcher. Nitzsche fordert die Stadt auf, etwas dagegen zu unternehmen. Die Löcher sollen zugeschüttet werden, damit der Bauzaun wieder zurückgerückt werden kann.

Doch so einfach ist das nicht. Nach wie vor gebe es eine gültige Baugenehmigung für das Objekt, erklärt die Bauaufsicht. Den Fußweg zum Aufstellen des Bauzauns zu nutzen, sei ebenfalls genehmigt. Die Bedenken zur Fußgänger-Sicherheit teilt Stadtsprecherin Nora Jantzen ebenfalls nicht: „Der Bauzaun ist vollständig geschlossen, die Baugruben sind somit gesichert“, sagt sie. „Eine Gefahr für die Fußgänger besteht nicht. Einen Radweg gibt es dort nicht mehr.“ Dieser sei im Zuge der Neuordnung des Radverkehrs auf die Kesselsdorfer Straße verlegt worden. Die Radler müssten auf der Fahrbahn fahren.

Lars Rohwer, der CDU-Landtagsabgeordnete für den Dresdner Westen, hat sein Bürgerbüro direkt neben der Brache. „Ich verstehe nicht, dass die Stadt den Fußweg so lässt.“ Für ihn steht fest: „Das wird kein Pflegeheim mehr.“ Die Gebäudesubstanz sei viel zu feucht, die bekomme keiner mehr trocken. „Das können sie wirklich nur noch abreißen.“ Dem Eigentümer müsse gedroht werden, damit endlich etwas passiert.

Hoffnung hat Rohwer allerdings keine mehr. Dabei sah es im März 2012 noch ganz anders aus. Dieter Kollmeier aus Hannover wollte in die „Seniorenresidenz Naußlitz“ investieren. Von seinem Konzept mit der guten Straßenbahnanbindung und Einkaufsmöglichkeiten in nächster Nähe war er überzeugt. 80 stationäre Pflegeplätze wollte er einrichten. Dieses Jahr sollten die Bewohner einziehen. Auf vier Etagen, vorwiegend in Einzelzimmer mit eigenem Bad. Eine Terrasse und eine 800 Quadratmeter große Grünfläche mit Zierteich hinter dem Haus waren ebenfalls geplant. Angeblich wollte sich Kollmeier die Seniorenresidenz 4,5 Millionen Euro kosten lassen.

Doch bis heute ist nichts passiert. Die Anfragen der Sächsischen Zeitung zur Zukunft der Brache ließ Kollmeier unbeantwortet. Torsten Nitzsche wundert das nicht. Es ist nicht das erste Vorhaben für das Objekt, das er im Sande verlaufen sieht. Bis zur Wende stand auf dem Grundstück eine Tankstelle, danach sollte dort ein Wohn- und Geschäftshaus gebaut werden. Der Abschnitt der Kesselsdorfer Straße war damals als Einkaufspassage angedacht. „Doch das ist schwierig, hier kommt einfach keine Laufkundschaft her.“