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„Ärgern Sie sich nie länger als drei Minuten!“

Psychologin und SZ-Autorin Dr. Ilona Bürgel gibt Ratschläge, wie Arbeit dauerhaft Spaß macht. Gerade in sozialen Berufen.

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© Brühl

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Diakonie-Geschäftsführer Hans-Georg Müller bekennt, dass er Ilona Bürgels Hinweise beherzigt. „Wenn man sich ärgert, dann maximal drei Minuten“, so Müller in seiner Ankündigung des Vortrags zum Diakoniejubiläum im Kulturschloss. Denn wenn einmal das emotionale Hirn die Oberhand hat, bleibt das Denkhirn ausgeschaltet. Das kann auch ein Geschäftsführer nicht brauchen. Wie wichtig eigenes Wohlbefinden für die Arbeit und das Arbeitsklima ist, zeigt SZ-Kolumnistin („Psychotalk“) Ilona Bürgel eindrucksvoll und anschaulich.

Die Dresdnerin arbeitete 15 Jahre in der Wirtschaft, betreibt seit 12 Jahren ihr eigenes Unternehmen und hat sich der positiven Psychologie verschrieben. Sie rät den versammelten Einrichtungsleitern, Bürgermeistern, Teamchefs etc.: „Sagen Sie niemals Ihren Mitarbeitern: Das wird ein schweres Jahr! Ja, wie soll denn das Jahr dann werden?“ Es kann ein Automatismus sein, sich auf Negatives zu konzentrieren. Stattdessen sollte man die positiven Erwartungen stärken. Kita-Leiterin Korén Kunze aus Riesa hat das verstanden. „Wenn jemand Dir Zitronen schenkt, mach Saft daraus“, ruft sie zum passenden Bild auf die Bühne. Gerade in sozialen Berufen, so Psychologin Bürgel, kommt es stark auf den „Faktor Mensch“ an.

Positives Denken bringt gutes Klima

Jeder Mensch kann sich auch überlasten und verliert dann bei all dem Stress die Freude an der Arbeit. „Abhängigkeit geht dort los, wo wir meinen, es geht nicht anders“, mahnt Ilona Bürgel in den Saal. Deshalb ist es immer wieder wichtig, es sich als Ausgleich gutgehen zu lassen. Vor allem gedanklich, im Kopf.

Ein paar praktische Übungen zeigen, wie man das schaffen kann: zum Beispiel durch das Anpinnen positiver Botschaften an sichtbaren Stellen. Die Psychologin verteilte Kärtchen mit der schönen Aufschrift: Machen Sie es sich zur Gewohnheit, sich wohlzufühlen. „Wir bemühen uns um positives Denken im Team und sorgen für ein gutes Klima“, meinen Ilona Peuker und Petra Henschel von den Kindereinrichtungen Mischka und Pusteblume Riesa. „Wir versuchen jeden wertzuschätzen, wie er ist.“

Sich rauszuhalten von schädlichen negativen Diskussionen sei genauso wichtig wie sich fernzuhalten von ansteckenden Krankheiten, unterstreicht Ilona Bürgel. Denn Gefühle beeinflussen nachgewiesenermaßen den Herzrhythmus. Die Psychologin zeigt auf der Leinwand eine Studie aus den USA, nach der die positive Lebenseinstellung bis zum 50. bis 53. Lebensjahr sinkt, um erst danach wieder anzusteigen. „Wir stressen uns mit Anschaffungen, Prüfungen, Partnerwahl, und merken erst im Alter, wie gut es uns eigentlich geht“, so Ilona Bürgel. Will heißen: Wer früher dankbar ist, hat eindeutig mehr vom Leben.