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Ärztesuche endet mit Glückstreffer

Drei Jahre schaute sich Annett Schömann nach einer Augenärztin für ihre Görlitzer Praxis um. Am Ende half ein Zufall.

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© nikolaischmidt.de

Von Sebastian Beutler

Görlitz. Ein Notfall brachte sie zusammen. Die Görlitzer Augenärztin Dr. Annett Schömann hatte Notdienst, als sich eine Patientin meldete. Sie musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Frau Schömann rief die diensthabende Ärztin im Bautzener Krankenhaus an. Und hatte Dr. Grit Huber am Apparat. Die beiden Frauen kamen über den Fall hinaus ins Gespräch. Frau Schömann erzählte von ihrer bislang vergeblichen Suche nach einer Ärztin für ihre Praxis, Frau Huber von ihren bislang erfolglosen Bemühungen um eine neue Herausforderung, nachdem sie jetzt fast zehn Jahre als Oberärztin in den Oberlausitzkliniken gearbeitet hatte. Das war vor wenigen Monaten, und nun sind es nur noch vier Wochen, bis Grit Huber in der Praxis von Annett Schömann auf der Fichtestraße beginnt. „Es war ein schöner Zufall“, finden die beiden Ärztinnen. Und Grit Huber freut sich, dass es vom „Menschlichen wunderbar passt“, lobt das herzliche Miteinander in der Praxis. Und auch das medizinische Spektrum der beiden ergänzt sich gut. Die Schömann-Praxis war schon bislang die einzige in Görlitz, die ambulante OPs gegen den Grauen Star vornahm. Nun kommen noch Behandlungen von gefährdeten Netzhautgefäßen hinzu sowie die kosmetische OP von Lidfehlstellungen.

© szo

3-jährige Suche beendet

Für Annett Schömann endet damit eine dreijährige Suche. So lange möchte sich ihre Mutter, Karla Schömann, schon zurückziehen. Sie begründete 1991 die Praxis in dem Gebäude auf der Fichtestraße, das in den 1930er Jahren vom Augenarzt Dr. Milius errichtet und bereits als Praxis genutzt wurde. Zu DDR-Zeiten befand sich die Augen-Poliklinik in dem Haus in der Südstadt. 2003 stieß ihre Tochter Annett Schömann dazu. Doch selbst auf mehrere Annoncen in Fachblättern erntete sie kaum Reaktionen. Dabei hatte die Augenärztin schon gar nicht Görlitz erwähnt, sondern die Region etwas weiter umschrieben. Frau Schömann erlebte dabei ähnliches wie die Nieskyer Kollegin, die vor zwei Jahren auch keinen Nachfolger für ihre Augenarztpraxis fand. Erst nach Bemühungen des Landkreises konnte eine neue Ärztin gewonnen werden, zwischenzeitlich mussten sich viele Patienten kümmern. Das füllte damals auch die Wartezimmer Görlitzer Praxen. Dabei sitzen da schon traditionell Einwohner aus dem Nordkreis. Frau Schömann behandelt Patienten bis aus Weißwasser und Gablenz.

Auf dem Papier ist die Versorgungslage bei den Augenärzten in Görlitz prima. Mit 131,7 Prozent gibt die Kassenärztliche Vereinigung Ende Oktober den Stand der Dinge an. Allerdings fasst sie als Planungsraum die Stadt Görlitz und den früheren NOL-Kreis zusammen. In diesem Gebiet praktizieren zehn Augenärzte, vier von ihnen sind über 60 Jahre alt. Eine davon ist Karla Schömann. Doch auch bei den anderen können Nachfolgeprobleme in den nächsten Jahren auftreten.

Gute bis sehr gute Versorgung

Wie bei den Augenärzten ist die Versorgung statistisch bei fast allen Fachärzten gut bis sehr gut. Kaum mal ist Görlitz unterversorgt. Allerdings liegt das auch daran, dass eben die Planungsräume wechseln. Mal werden Görlitz und der NOL gemeinsam betrachtet, mal der gesamte Landkreis, mal die Landkreise Bautzen und Görlitz – und bei einigen Fachbereichen werden einfach die sachsenweit niedergelassenen Ärzte gezählt und auf den Landkreis Görlitz heruntergebrochen. Das heißt aber nicht, dass sie auch wirklich im Landkreis Görlitz eine Praxis haben. Und Schilder wie bei den Neurologen, sie könnten im Moment keine neuen Patienten aufnehmen, gehören trotz statistisch guter Versorgung eben auch zur Görlitzer Ärzte-Wirklichkeit. Wie problematisch das sein kann, war zuletzt bei der rheumatologischen Facharztpraxis zu sehen. Nur weil die Kassenärztliche Vereinigung eine Praxis in Görlitz einrichtete, die sie an eine Fachärztin aus Dresden vermietet, konnte eine Lücke nach der Schließung der Rothenburger Fachpraxis verhindert werden. Neuerdings aber tun sich die größten Schwierigkeiten bei den Hausärzten auf. Hier liegt nun der Versorgungsgrad in Görlitz bereits unter 100 Prozent.

Nachfolge für Dr. Eckert in Sicht

13 der ausgewiesenen 48 Hausärzte sind über 60 Jahre alt. Wie die Hausärzte verteilt sind, ob die Probleme also in der Stadt oder im näheren Umfeld auftreten können, will die Kassenärztliche Vereinigung erst heute mitteilen. Wie sehr aber dann das plötzliche Aus einer Praxis noch ins Kontor schlägt, war zuletzt nach dem Tod des Allgemeinmediziners Bernd Eckert auf der Brautwiesenstraße zu sehen. Nun zeichnet sich eine Nachfolgeregelung ab. Michael Niedziolka vom Carolus-Krankenhaus würde die Praxis gern übernehmen.

Umso schöner, dass all das hinter Annett Schömann und Grit Huber liegt. Sie bauen die Praxis schon ein wenig um, haben neue Geräte für die Diagnostik erworben. Künftig wird Grit Huber zusätzliche Netzhaut- und Lidsprechstunden anbieten. Die gebürtige Döbelnerin, die in Leipzig studierte, in Dresden ihren Facharzt machte, in einer Bayreuther Praxis das Operieren erlernte, sieht mit Zuversicht ihrem Start im Januar entgegen: „Die Stadt kenne ich noch gar nicht richtig. Ich freue mich, auch die Menschen hier kennenzulernen.“