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Alle Kalender-Türchen sind nun geöffnet

Der Lebendige Adventskalender in Hoyerswerda bot wieder besondere Erlebnisse. 

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Für das Hornquintett war die Teilnahme am Lebendigen Adventskalender eine Premiere.
Für das Hornquintett war die Teilnahme am Lebendigen Adventskalender eine Premiere. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Es sei kaum zu glauben, dass es schon wieder vorbei sein soll, aber alles habe seine Zeit, meint ein älterer Besucher des Lebendigen Adventskalenders in Hoyerswerda. Und je älter man werde, desto schneller vergehe scheinbar die Zeit. Zwanzigmal hat sich seit dem 1. Dezember täglich außer sonntags ein Kalendertürchen geöffnet. Der ältere Herr schaut dabei in Richtung Kirchturmuhr. Es ist kurz nach halb sechs. Die Dunkelheit hat längst Einzug gehalten. Aber die Adventsbeleuchtung taucht zaubert ein Lichtermeer in die Altstadt.

Pulverschnee würde das weihnachtliche Bild nahezu perfektionieren. Aber dafür ist es viel zu warm. Mehr als zehn Grad Celsius zeigt das Thermometer an diesem Freitagabend an, während der ältere Herr die schwere Holztür der Johanneskirche öffnet. Es wird der letzte Abend sein, an dem sich die Gäste des Lebendigen Adventskalenders hier treffen. Was sich hinter dem Türchen verbirgt, das die Aktion beenden wird, ist längst ein offenes Geheimnis. Stammbesucher wissen, dass es sich immer in der Lausitzhalle öffnet, wenn die Generalprobe für das Weihnachtsmärchen auf dem Programm steht. Aber noch rankt sich um den Freitagabend das Rätsel, was heute noch passieren möge. Denn die Aktionsliste werde immer streng geheim gehalten, sagt man zumindest.

Martin Glatte, Mitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinde, empfängt die ersten Besucher, die sich im Vorraum langsam versammeln. Doch der wichtigste Mann fehlt noch. Mit seinen Utensilien und seinem Kleidungsstil ist er unverkennbar: eine meterlange Stablaterne mit brennender Kerze in der Hand, schwarze Mütze, dunkler Mantel und immer ein verschmitztes Lächeln im Gesicht – so kennt man den Torsten Vogel, den Organisator der jährlichen Aktion. Der 52-Jährige lebt diese Tradition seit mehr als zwanzig Jahren. Und er tut es gern. Jedes Jahr aufs Neue. Rund um den Altarbereich werden letzte organisatorische Absprachen getroffen.

Aber pssst… Davon sollen die Besucher möglichst nichts mitbekommen. Der kleine Tannenbaum im Vorraum wird derweil von den jüngsten Gästen mit weiteren selbst gebastelten Engeln verziert. Torsten Vogel bringt den antiken Weihnachtsbaumständer zum Klingen. Eine Besonderheit in diesem Jahr, die der 52-Jährige zur Gestaltung des Rahmenprogrammes gewählt hat. Es gleicht längst einem liebgewordenen Ritual, wenn die eingebaute Spieluhr in Gang gesetzt wird und erklingt. Der Baumständer war ein Geschenk zum 50. Geburtstag von Torsten Vogel, der damit Erinnerungen aus seiner Kindheit und eine ganz besonders lustige Geschichte in der Weihnachtszeit in Verbindung bringt.

Die Luft ist rein, hallt es wenig später durch die Kirche. Das ist das entscheidende Signal. Die Besucher sind nun auf dem Weg zur ältesten Fleischerei Sachsens von Frank Sinapius, um dort die Weihnachtskrippe mit einer weiteren Figur zu vervollständigen. Derweil laufen die Vorbereitungen um den Altarbereich herum auf Hochtouren. Jetzt aber schnell! Der kleine geschmückte Tannenbaum aus dem Vorraum wandert vor den Altar. Der silberfarbene Stern will aber an der Baumspitze einfach nicht halten. Also wird das kleine Kunstwerk kurzerhand provisorisch zwischen die Äste gesteckt. Geschafft! Fällt nicht auf und wirkt trotzdem schön, meint ein stiller Beobachter aus der Ferne.

Kaum fertig, sind die Besucher auch schon wieder zurück. Nun ja – Kirche und Fleischerei trennen nur ein paar Schritte. Peggy Dornig, Johanna Tuma, Hans-Jürgen Heine, Andreas Kubisch und Bernd Neffe greifen zu ihren Musikinstrumenten. Das Hornquintett lässt zur Begrüßung Weihnachtslieder erklingen und bietet damit die perfekte Einstimmung auf eine Geschichte. Freilich nicht irgendeine, sondern die: Weihnachtsgeschichte. Wer Torsten Vogel kennt weiß, dass er wegen seiner angenehm klingenden Stimme, seines Humors und Esprits durchaus auch das Zeug zum Erzähler oder Comedian hätte. Und so regt seine umgeschriebene Geschichte von Maria und Joseph, die von zu Hause abgehauen waren und pleite durch die Welt tingelten, zum Schmunzeln an. Heute ist nun Heiligabend und damit sind die Vorweihnachtszeit und auch der Lebendige Adventskalender schon wieder Geschichte. Alle Türen sind geöffnet. Denn alles hat seine Zeit. Im kommenden Jahr startet dann bereits die 18. Auflage des Lebendigen Adventskalenders. Vorfreude, schönste Freude…