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Alles auf Anfang

Daniela Schäfer hat ihren Job in einem Konzern aufgegeben und ist als Heilpraktikerin in Freital neu gestartet.

Von Dorit Oehme
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Daniela Schäfer wagt mit 47 Jahren einen beruflichen Neustart – vier Jahre, nachdem sie ihren alten Job gekündigt hat.
Daniela Schäfer wagt mit 47 Jahren einen beruflichen Neustart – vier Jahre, nachdem sie ihren alten Job gekündigt hat. © Andreas Weihs

Früher träumte sie von einem Sportwagen. Heute geht Daniela Schäfer zu Fuß auf Arbeit. „Ich bin ein Bewegungsmensch und wohne nur einen Kilometer entfernt“, sagt die 47-Jährige in ihrer Naturheilpraxis, die sie Ende 2018 an der Mühlenstraße 1 in Freital-Deuben eröffnet hat. „Vorher war hier ein Büro. Es war gerade frei geworden, als ich nach Räumen suchte. Sie gefielen mir auf Anhieb“, sagt sie.

Bis vor gut vier Jahren war Daniela Schäfer im kaufmännischen Bereich angestellt. Den Quereinstieg als Heilpraktikerin hat sie langfristig vorbereitet. „Das ist meins. Ich hatte dafür mehrere Beweggründe“, verrät sie bei einem Tee. Im Regal steht Fachliteratur. Sie zieht einen alten Band heraus. „Er gehörte einem Homöopathen, der bis Mitte der 1950er in Dresden-Neustadt praktizierte. Es war ein entfernter Verwandter.“

Daniela Schäfer wuchs in Freital-Hainsberg auf. „Ich sollte aufs Gymnasium, wollte aber nicht.“ Im Juli 1989 schloss sie ihre Ausbildung zur Industriekauffrau im Edelstahlwerk ab. Sie hatte schon die Zusage zum Studium der Betriebswirtschaftslehre in Leipzig mit vorherigem Teilabitur. Dann kam die Wende. „Ich erlebte den Umbruch im Edelstahlwerk. Bei einer Entlassungswelle traf es mich.“ Über eine Freundin fand sie eine Stelle als Sekretärin bei der Treuhand. 1993 wechselte sie in einen bundesweit agierenden Konzern. Den Namen der Firma will sie nicht verraten. Nur so viel: In dem Kommunikationsunternehmen gehörte sie bald zu den Leistungsträgern, bekam öfter Sonderaufgaben. Doch sie erlebte auch viele Umstrukturierungen an drei Standorten im Raum Dresden. „Ab dem Jahr 2010 spann ich mit anderen Mitarbeitern im Büro Ideen zum beruflichen Wechsel.“

Als ein Auszubildender fragt, was sie konkret tun würde, offenbart sie: „Heilpraktikerin, doch ich traue mich nicht.“ 2012 erfährt sie, dass ihr Team Ende 2014 nach Berlin wechseln soll. Alternativ bliebe die Arbeit in einem Callcenter. „Genau das war der Moment, den ich brauchte“, sagt Daniela Schäfer. „Berlin kam nicht infrage, auch nicht das Callcenter. Ich kläre zwar gern Sachen. Doch ich möchte Menschen nicht auf Geschwindigkeit abfertigen.“

Sie erlebt Existenzängste im Team. „Solche Situationen laufen über die Stressachse. Körper und Seele reagieren“, betont die Heilpraktikerin. „Ich hatte zuletzt noch anspruchsvolle Aufgaben. Daher war ich nicht frustriert, als ich 2014 aufhörte.“

Nach dem Weggang vom Unternehmen steigt Daniela Schäfer in die Vollzeitausbildung an einer Dresdner Heilpraktikerschule ein. Zu Hause lernt sie intensiv. „Ich wollte Zusammenhänge verstehen. So befasste ich mich tiefer mit dem Stoff, der zum Großteil aus Schulmedizin bestand.“ Vor einem Amtsarzt legt sie die Heilpraktikerprüfung ab. „Parallel zur Ausbildung hatte ich schon mit Zusatzqualifikationen begonnen.“

Ihren Patienten bietet sie neben der klassischen Naturheilkunde nun auch Homöopathie, Cranio-Sacral-Therapie sowie Schmerztherapie an. Seit Anfang 2018 unterrichtet sie einmal wöchentlich an der Heilpraktikerschule, an der sie gelernt hat. „Ich brauche Herausforderungen“, betont Daniela Schäfer. Ihr Mann, die Töchter und Freunde unterstützten sie beim Neuanfang. Kraft schöpft sie auch aus ihrem Garten, in dem sie Kräuter hegt und pflegt.

Kontakt zu Daniela Schäfer