Merken

„Als ob man ständig an einer Decke zieht, die viel zu kurz ist“

Sven Krell spricht über die schwierige Suche nach Personal und wie es besser werden könnte.

 2 Min.
Teilen
Folgen
NEU!
Sven Krell ist Geschäftsführer der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen e.V.
Sven Krell ist Geschäftsführer der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen e.V. © Volkssolidarität

Herr Krell, wie viele offene Stellen für Erzieher hat die Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen derzeit?

Im Augenblick hat die Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen acht offene Erzieher-Stellen zu besetzen. Bis zum Sommer benötigen wir infolge der gesetzlich eingeführten Vor- und Nachbereitungszeit weitere neun Erzieher. Zudem suchen wir bis Ende des Jahres sieben Erzieher für unsere im Januar 2020 neu öffnende Kita in Meißen. 

Trotz verstärkter Öffentlichkeitsarbeit ist es bedeutend schwerer geworden, Erzieher-Stellen zu besetzen, weil es einfach zu wenige Fachkräfte auf dem Markt gibt. Es ist, als ob man ständig an einer Decke zieht, die viel zu kurz ist. Der Bedarf an Erziehern ist hoch und damit auch für die Fachkräfte die Umorientierung zu anderen Arbeitgebern einfacher.

Was halten Sie vom Vorschlag, die Ausbildung in Zukunft zu vergüten, und den Aussagen des Freistaates, dies sei nicht nötig, weil es genügend Absolventen jedes Jahr gibt?

Eine Ausbildungsvergütung als Maßnahme ist nur zu unterstützen. Zurzeit werden nur Erzieher in berufsbegleitender Ausbildung vergütet. Bei uns sind es zum 1. März 26 pädagogische Fachkräfte, die eine solche berufsbegleitende Ausbildung absolvieren. Die Zahl der Bewerber dafür ist größer, als wir Plätze vom Landesjugendamt genehmigt bekommen. 

Die hohe Nachfrage liegt an der sehr guten Arbeit der Erzieher in unseren Einrichtungen, die sich herumspricht. Dass es jedes Jahr genügend Absolventen gibt, entspricht nicht der Realität. Das Problem ist, dass die Absolventen nicht in sächsischen Kitas ankommen, sondern zum Studium gehen oder eine Arbeit in anderen Bundesländern annehmen.

Was könnte noch unternommen werden, dass der Beruf attraktiver wird?

Die Rahmenbedingungen müssen spürbar verbessert werden. Die beginnende Anerkennung der Vor- und Nachbereitungszeit ist ein erster guter Schritt. Außerdem ist es wichtig, den Personalschlüssel weiter zu verbessern. Dabei dürfen auch die Horte nicht vergessen werden. 

Die Krux dabei ist allerdings: Jede dieser nötigen Verbesserungen erfordert in den Kitas mehr Personal. Darüber hinaus muss die Politik die Attraktivität des Berufs und seine Akzeptanz in der Gesellschaft weiter ausbauen. Wer Erzieher wird, macht das in erster Linie aus Spaß am Beruf mit einer Portion Idealismus. Erzieher verdienen mehr Wertschätzung, nicht nur in der Elternschaft.


Mehr lokale Nachrichten unter:

www.sächsische.de/radebeul

www.sächsische.de/meissen