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Alte Gärtnerei feiert ihr Überleben

Zwei Jahre nach dem Hochwasser dankt Ulli Belau den Kunden mit einem Kulturfest an den Gewächshäusern.

© Norbert Millauer

Von Ulrike Keller

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Spannende Wettkämpfe im Stadion

Am 26. Mai weht ein Hauch von WM-Flair über den Rasen im Rudolf-Harbig-Stadion. Der Tag gehört den C-Jugend-Kickern und ihren Familien.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Am morgigen Sonnabend holt die Alte Gärtnerei ein fast vergessenes Vorhaben von vor zwei Jahren nach. Damals, im Juni 2013, war ein Sommerfest für alle Kunden geplant. Dann setzte der große Regen ein. Es wurde abgeblasen. Nun hat Ulli Belau – unverwechselbare Type und gute Inhaberseele – aus dem Sommerfest ein Kulturfest im Altweibersommer werden lassen und verspricht: „Es findet definitiv statt, egal, in welcher Art“.

Mit dieser Geste will er seinen Kunden einfach mal Danke sagen. Gerade auch für die Tage und Wochen nach dem Hochwasser, als das Gebäude verwüstet und die Einrichtung in großen Teilen zerstört war. Ein Neuanfang schien kaum finanzierbar. Ulli Belau war drauf und dran, das Geschäft aufzugeben. „Aber die Leute haben mit angepackt, kamen mit einer Kanne Kaffee vorbei, brachten kleine Spenden für den Neuanfang.“ Sie waren der Grund, aus dem Ulli, wie ihn die meisten Kunden kumpelhaft nennen, dann doch weitermachte. Auch ganz aktuell halten sie dem Laden trotz gesperrter Straße die Treue.

Liebstückl-Unikate aus Keramik, Holz und Stein

Täglich pendelt Ulli Belau 120 Kilometer in sein kleines Refugium an der Ecke Kötzschenbrodaer Straße/Hainstraße. „Ich bin kein Radebeuler“, sagt er, „aber fühle mich mit Radebeul absolut verbunden.“

Zum ersten Kulturfest in der Alten Gärtnerei öffnet er ab 14 Uhr den Garten mit den alten Gewächshäusern hinterm Geschäft. Was die Besucher erwartet, ist eine Mischung aus Musik, Malerei, Kunsthandwerk und Leckereien. Vor Ort sein wird Sylvi Schiller, eine junge Radebeuler Künstlerin, die als Autodidaktin die Designreihe „Der kleine Holznagel“ entworfen hat. Einige ihrer Stücke sind im Schaufenster der Alten Gärtnerei zu sehen. Die Arbeiten präsentiert sie viel auf Kunstmessen in Holland. Zugesagt hat auch die St. Petersburger Malerin Maria Mednikova. In den Gewächshäusern wird sie Werke mit floralen Motiven ausstellen. Maling Becker reist extra aus Thüringen an, um ihre „Liebstückl“-Unikate aus Keramik, Holz und Stein vorzustellen. Außerdem bereichert eine Schmuck-Gestalterin aus Coswig das kulturelle Angebot sowie eine Tischlerei aus Radebeul, die Schneidbretter aus Olivenholz fertigt.

Abends gibt es ein gemütliches Lagerfeuer

Was die meisten dieser Gäste eint und besonders macht: Ulli Belau kennt sie aus dem Laden. Oft eher beiläufig erfuhr er im Plausch beim Blumenbinden von ihren kreativen Fähigkeiten.

Irgendwann kam ihm der legendäre Talentesucher Heinz der Quermann aus seiner Jugend in den Sinn. Der machte einst begabte Naturen übers Ost-Fernsehen bekannt. Ulli Belau selbst muss lachen über diese Assoziation, doch an genau diese Idee knüpft er jetzt an. „Ich möchte den Talenten, die ich kenne, in dieser fetzigen Atmosphäre hier eine Art Plattform bieten“, sagt er. Was ihm vorschwebt, ist ein lockerer, aber ansprechender Rahmen, in dem sie sich mit ihren Werken und Erzeugnissen einem größeren Kreis vorstellen und dabei auch andere Personen kennenlernen können, die Kunst und Kultur zu schätzen wissen.

„Abends machen wir auf jeden Fall ein gemütliches Lagerfeuer“, kündigt Ulli Belau an. Und im besten Falle begründet diese kleine Premiere den Auftakt einer neuen Tradition. Der Tradition eines jährlichen Kulturfests in der Alten Gärtnerei.