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Altenberg testet Grenzpendler in Zinnwald

Die Stadt Altenberg hat schnell reagiert: Einpendelndes Pflegepersonal aus Tschechien kann sich unkompliziert an der Grenzanlage Zinnwald testen lassen.

Apothekerin Jana Meißner beim Testen in Altenberg. Ein Angebot, das den Pendlern entgegenkommt.
Apothekerin Jana Meißner beim Testen in Altenberg. Ein Angebot, das den Pendlern entgegenkommt. © Karl-Ludwig Oberthür

Fünf Kurzzeitwecker hat Jana Meißner in einer Linie aufgestellt. Verschiedene Formen, verschiedene Farben, "schnell in der Nachbarschaft zusammengeborgt", sagt sie. Einer davon, in Form einer Kaffeemühle, beschwert ein Papierformular und tickt gut hörbar.

"15 Minuten dauert es, bis das Testergebnis korrekt angezeigt wird", sagt Meißner. Als Inhaberin der Apotheken in Geising und Altenberg hat sie sich vor einer Woche zur Durchführung der Coronatests qualifiziert. "Eigentlich hatte ich den Sachkundenachweis gemacht, um bei Test-Engpässen in der Schule auszuhelfen", sagt sie.

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Testergebnis vor Frühschicht-Beginn

Da ahnte sie noch nicht, dass sie damit an der alten Grenzzollstation in Zinnwald dringend gebraucht würde. Seit Sonntag dürfen auch Pendler aus Tschechien nicht mehr einfach so über die Grenze. Es sei denn, sie arbeiten in medizinischen oder in Pflegeberufen - dann allerdings müssen sie einen tagesaktuellen Coronatest vorlegen.

"Schichtbeginn in unseren Pflegeheimen ist 6 Uhr", sagt der Altenberger Bürgermeister Thomas Kirsten: "Bei uns arbeitet viel tschechisches Personal in dem Bereich. Da stellt sich die Frage, wo unser einpendelndes Pflegepersonal vorher noch einen tagesaktuellen Test bekommen kann." Mit der Beantwortung betraute er am Donnerstag Markus Wiesenberg vom Altenberger Bürgerbüro.

Tausende Telefonate bis zur Genehmigung

"Wir haben seit Freitag etwa 100.000 Telefonate geführt", sagt Wiesenberg und meint den Anruf bei Jana Meißner mit. Denn ein Testzentrum an der alten Grenzzollanlage in Zinnwald kann die Stadt Altenberg nicht ohne zahlreiche Rücksprachen mit der Sächsischen Landesdirektion, dem Landratsamt Pirna und diversen Versicherungen errichten.

"Glücklicherweise stand die Infrastruktur schon", sagt Wiesenberg. Das Haus an der Grenzanlage gehört Altenberg, "im Winter muss es ohnehin beheizt werden, damit die Wasserleitungen nicht einfrieren." Ein Zimmer für die Aufnahme der Personalien, eins für die Testabnahme, ein Vorraum für die Viertelstunde Wartezeit, dazu Waschraum und Toiletten - nachdem am Montag die letzten Genehmigungen eintrafen, war die Teststrecke schnell eingerichtet.

Nachbarschaft zur Bundespolizei bewährt sich

Markus Wiesenberg hat zwischen Freitag und Dienstagfrüh ein Testzentrum im ehemaligen Grenzzollhaus eingerichtet.
Markus Wiesenberg hat zwischen Freitag und Dienstagfrüh ein Testzentrum im ehemaligen Grenzzollhaus eingerichtet. © Karl-Ludwig Oberthür

Auch die unmittelbare Nachbarschaft zur Bundespolizei bewährt sich beim ersten Probelauf am Dienstagmorgen. Immer mal wieder kommt ein Grenzschützer rüber und bespricht den Ablauf - beispielsweise, dass ein Grenzgänger nach negativer Testung am Altenberger Geldautomaten Geld holen kann, wenn er 30 Euro in bar nicht dabei hatte. So viel kostet ein Test nämlich. "In der kurzen Zeit konnten wir kein Kartenlesegerät organisieren", sagt Wiesenberg.

Immer wieder auch die Frage, ob ein Test 24 Stunden gütig ist oder tagesaktuell sein muss: "Für die Heime wäre es natürlich besser, wenn sie ihr Personal noch schnell selbst testen könnten. Die Pfleger könnten den Testbescheid dann am nächsten Tag vor Arbeitsantritt wieder mitbringen", sagt Wiesenberg.

An der Grenzstation Zinnwald, die wieder voll besetzt ist mit der Bundespolizei, wird das allerdings nicht akzeptiert. In den Regeln für Virusmutanten-Gebiete steht zumindest am Dienstag nicht ganz eindeutig: "Voraussetzung für Einreise ohne Quarantäne: Tägliche Testung (PCR oder Schnelltest)." Heißt das nun: Täglich einmal testen? Oder tagesaktuell vor der Einreise?

Auch in Breitenau und Kodersdorf wird getestet

Mit der Rehaklinik Raupennest, dem Advita Pflegedienst in Altenberg und dem Pro civitate Pflegeheim in Bärenstein hat die Altenberger Verwaltung eine gesonderte Abmachung zu den Rechnungen, wenn sich ihre Mitarbeiter in Zinnwald testen lassen. Alle anderen zahlen 30 Euro. "In Kodersdorf an der A4 kostet ein Test 29,90 Euro, in Breitenau 35 Euro", weiß Jana Meißner.

"In Breitenau standen die Autos am Montag 26 Kilometer bis Ústí", sagt Wiesenberg. In Zinnwald ist die Rushhour an diesem Dienstag um sieben Uhr schon vorbei. "Das ist alles noch ein Experiment hier. Wir müssen schauen, wie sich das entwickelt", sagt Meißner.

Nach 15 Minuten steht das Ergebnis des Cornona-Tests fest. Apothekerin Jana Meißner stellt dafür die Kurzzeitwecker.
Nach 15 Minuten steht das Ergebnis des Cornona-Tests fest. Apothekerin Jana Meißner stellt dafür die Kurzzeitwecker. © Karl-Ludwig Oberthür

Testangebot zunächst bis Sonntag

Bis zehn Uhr betreiben Meißner und Wiesenberg die Teststation - Wiesenberg nimmt die Personalien auf und achtet darauf, dass sämtliche Formblätter zu Datenschutz und Personenangaben richtig ausgefüllt werden, Meißner nimmt die Tests vor: "Lieber von der Nase, aber wenn da jemand empfindlich ist, dann eben Rachen."

Als sie 10 Uhr ihr Testzentrum schließen, konnten sie 20 Personen mit negativen Testbescheiden die Einreise ermöglichen. Ein positives Ergebnis war nicht darunter: "Wenn das passiert, muss ich das auch bei tschechischen Staatsbürgern dem Gesundheitsamt in Pirna melden", sagt Meißner: "Der Test an und für sich ist gar nicht schwer. Aufwändig sind die ganzen Regelungen drumherum."

Bis zum Sonntag will die Stadt Altenberg das Zinnwalder Testzentrum auf jeden Fall offen halten, täglich von 5 bis 10 Uhr. Wiesenberg, der am Dienstag seit halb drei Uhr früh auf den Beinen ist, verfolgt noch am Nachmittag die Diskussionen um die Einreiseverordnung. "Im Moment ändert sich ständig etwas", sagt er, "am Sonntag wissen wir besser, welchen Bedarf es gibt. Vielleicht braucht ja auch die Nachmittagsschicht eine Testmöglichkeit."

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