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Letzte Ruhestätte wie im Süden

Die Stadt Altenberg übernimmt für den Friedhof die Idee eines Kolumbariums. Man kann aber auch unterm Holzapfelbaum seine letzte Ruhe finden.

Birgit Donat steht vor dem neuen Kolumbarium auf dem Altenberger Friedhof. Nach anfänglicher Skepsis bei den Altenbergern hat sich diese Art der Bestattung etabliert.
Birgit Donat steht vor dem neuen Kolumbarium auf dem Altenberger Friedhof. Nach anfänglicher Skepsis bei den Altenbergern hat sich diese Art der Bestattung etabliert. © Egbert Kamprath

Etwas abseits oberhalb des Bergbaumuseums liegt der Altenberger Friedhof. Der ursprüngliche Weg zum Stadtzentrum ist schon lange im Areal der Pinge verschwunden. Es ist auch nicht bekannt, seit wann hier Beerdigungen stattfinden. Doch wer lange nicht mehr hier war, dem werden einige Veränderungen auffallen.

Im Jahr 2015 übernahm die Stadt den Friedhof von der Kirche, die vorher die Verwaltung und Bewirtschaftung in den Händen hatte. Die Kommune erwartete ein großes Paket Arbeit, denn wegen knapper Mittel war vieles liegengeblieben. Stützmauern neigten sich empfindlich zur Seite oder bröselten auseinander, Wege wiesen jede Menge Stolperfallen auf und viele Bäume hatten schon lange keine Pflege erlebt.

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Kolumbarium bereits zweimal erweitert

Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten machte sich die Umgestaltung des Friedhofs zu einem persönlichen Anliegen. Auf ihn geht die Idee zurück, ein Kolumbarium zu errichten. Diese Beisetzungsart ist vor allem in südlichen Ländern üblich. Die Urnen der Verstorbenen stehen reihenweise in übereinander angebrachte Nischen, die jeweils mit einer Steinplatte verschlossen werden.

Nach Fertigstellung der ersten Anlage dieser Art am Hauptweg des Friedhofes waren die Altenberger zunächst skeptisch. Fast ein Jahr blieb das Kolumbarium unbelegt. Doch nach der ersten Beisetzung im Dezember 2017 war der Bann gebrochen. Mittlerweile sind bereits zwei Kolumbarien mit jeweils 7 Bestattungsplätzen voll belegt. Inzwischen wurde bereits die dritte Anlage mit zehn Bestattungsplätzen errichtet. In manchen Nischen hätten auch zwei Urnen Platz - so etwas wünschen sich beispielsweise Ehepaare.

Grabpflege wird schwieriger

Seit 2007 gibt es außerhalb des eigentlichen Friedhofsgeländes den Urnenhain für anonyme Bestattungen. Inzwischen muss über Erweiterungsmöglichkeiten nachgedacht werden.
Seit 2007 gibt es außerhalb des eigentlichen Friedhofsgeländes den Urnenhain für anonyme Bestattungen. Inzwischen muss über Erweiterungsmöglichkeiten nachgedacht werden. © Egbert Kamprath

„Ich merke deutlich, wie sich in den letzten Jahren die Bestattungskultur verändert hat. Die Leute besuchen nicht mehr so oft die Gräber ihrer Verstorbenen wie es früher der Fall war. Sie kümmern sich auch anders darum. Das heißt nicht, dass es keine Trauer gibt, aber die zeigt sich anders“, schildert Birgit Donat die Entwicklungen der jüngeren Zeit, die auch vor den Friedhöfen nicht Halt macht. Kinder ziehen immer häufiger aus ihrer angestammten Heimat weg, der Arbeit oder der eigenen Familie wegen. Da bleibt es nicht aus, dass auch bei der Grabpflege und -gestaltung neue Wege gegangen werden.

Auch bei der älteren Generation gibt es ein Umdenken. Sie wollen im Tode ihren Angehörigen nicht zur Last fallen. Schließlich wird ein Grab normalerweise auf 20 Jahre angelegt und müsste entsprechend lange gepflegt werden.

Urnenhain für anonyme Bestattungen liegt außerhalb

In Altenberg ist es oft ein langer Weg, ehe sich Neuerungen durchsetzen. Das zeigten die Diskussionen um den Urnenhain, der 2007 errichtet wurde. Damals durfte er nicht auf dem von der Kirche verwalteten Gelände errichtet werden. Die Anlage für anonyme Bestattungen befindet sich deshalb außerhalb des Friedhofareals. Inzwischen muss sich die Stadt langsam Gedanken über eine Erweiterung machen: Von 500 Urnenplätzen sind bereits über 400 belegt.

Einen ganz neuen Weg fing die Friedhofsverwaltung vor Kurzem auf dem Areal im vorderen Friedhofsbereich an. Angelehnt an die sehr beliebte Bestattungsform Friedwald wird nunmehr auch in Altenberg eine Baumbestattung angeboten. Dazu wurde bereits ein erster Baum gepflanzt, um dessen Stamm kreisförmig sieben Urnen beerdigt werden sollen. Die Grabstelle wird von einer kleinen Steinplatte abgedeckt, die wahlweise mit den Daten der Verstorbenen beschriftet werden kann oder aber auch leer bleibt. Passend zur Region und als Bezug zur Heimat wurde ein Wildapfelbaum gepflanzt. Doch es soll nicht der einzige Baum hier bleiben. Entstehen soll eine kleine Parkanlage.

Alle Beerdigungskosten auf ähnlichem Niveau

Noch ist das Angebot so neu, dass Birgit Donat, Standesbeamtin bei der Stadtverwaltung Altenberg, noch an der Kalkulation für die genauen Beerdigungskosten arbeitet. Die Gebühren für die verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten sollen ungefähr gleich ausfallen. Die Beerdigung im Kolumbarium kostet rund 1.300 Euro, die Baumbestattung wird sich auf ähnlichem Niveau bewegen.

Auch in Altenberg wird jetzt eine Baumbestattung angeboten. Dazu wurde dieser Wildapfelbaum gepflanzt, um den sich bis zu acht Grabstellen gruppieren können.
Auch in Altenberg wird jetzt eine Baumbestattung angeboten. Dazu wurde dieser Wildapfelbaum gepflanzt, um den sich bis zu acht Grabstellen gruppieren können. © Egbert Kamprath

Das klingt zwar auf den ersten Blick recht preisintensiv, dafür entfallen die jährlichen Friedhofsunterhaltungsgebühren, die bei den üblichen Wahlgrabstätten anfallen würden. Die Kosten, die auf einem Friedhof anfallen, werden oft unterschätzt. Das beginnt bei der Grünpflege, reicht über Instandhaltung von Mauern und Wegen und reicht bis zum Wasseranschluss sowie der Entsorgung des alten Grabschmucks.

Alte Grüfte machen Probleme

Für die eigentliche Umgestaltung des Friedhofs hat die Stadt bereits viel Geld in die Hand genommen. Ein großes Problem sind die zahlreichen Grüfte im ganzen Areal, die immer wieder für Überraschungen sorgen. „Die gemauerten Grüfte waren in früheren Zeiten üblich. Heute erschweren sie die Sanierung der brüchigen Friedhofsmauern", schildert Birgit Donat die Schwierigkeiten: "Einige Grüfte sind noch belegt. Da kommt man natürlich nicht weiter. Andere tauchen plötzlich bei der Sanierungsarbeit auf und machen alles komplizierter.“

An die alte Trauerhalle will die Standesbeamtin dabei noch gar nicht denken. Nicht nur der Bau müsste saniert werden, das erste Problem ist schon der fehlende Platz für eine Erweiterung.

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